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18.06.2026 - 18.06.2026 | Karlsruhe

Moral und Moralismus in öffentlichen Debatten

Sind unsere öffentlichen Debatten zu moralisch aufgeladen – oder wird Moral zu Unrecht kritisiert? Der Vortrag geht der verbreiteten Diagnose einer zunehmenden „Moralisierung“ unserer Alltags- und Gesellschaftsdiskussionen nach. Aus moralphilosophischer Perspektive wird geklärt, was Moralismus eigentlich ist, worin seine Probleme liegen – und wo Vereinfachungen und Missverständnisse die Debatte verzerren. Ein anregender Beitrag zur Frage, wie wir heute über Moral streiten – und warum.

Prof. Dr. Christian Seidel (Department für Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie)

Einer verbreiteten Zeitdiagnose zufolge seien gesellschaftliche Diskussionen -- z.B. darüber, was man isst ("bio-vegan"), reist ("flugschamlos"), spricht ("genderneutral"), sich kleidet ("fair"), die Wohnung heizt ("Wärmepumpe") oder Geld investiert ("ethisch") -- in zunehmendem Maße moralisch aufgeladen, über Gebühr moralinsauer, eben durchweg moralistisch; und das sei schlecht, verfehlt, ein Missstand. Doch stimmt das? Um das herauszufinden, muss man zwei Fragen stellen, die in die Moralphilosophie fallen: (1) Was genau ist Moralismus überhaupt und (2) was ist eigentlich falsch (und richtig) daran? In diesem Vortrag möchte ich anhand dieser Fragen die Rolle der Moral und das Phänomen des Moralismus in öffentlichen Auseinandersetzungen aus der Perspektive der Moralphilosophie beleuchten. Damit lassen sich dann einige Vereinfachungen und Missverständnisse identifizieren, die der verbreiteten Zeitdiagnose manchmal z ugrunde liegen.

Der Vortrag findet statt in der Reihe "Colloquium Fundamentale". Dieses widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.

Hinweise zur Teilnahme:

Termin:

18.06.2026 18:00 - 19:30

Veranstaltungsort:

Adenauerring 12, KIT Campus Süd, Gebäude 50.19, InformatiKOM (EG)
76131 Karlsruhe
Baden-Württemberg
Deutschland

Zielgruppe:

jedermann

Relevanz:

überregional

Sachgebiete:

Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Philosophie / Ethik, Politik, Sprache / Literatur

Arten:

Vortrag / Kolloquium / Vorlesung

Eintrag:

20.05.2026

Absender:

Katharina Bauer

Abteilung:

Kommunikation und Marketing

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de//mobile/de/event81611


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