Scham ist ein Gefühl, das schwer zu greifen ist. Denn Scham entspringt dem Bedürfnis, etwas möglichst zu verbergen: meine Schwäche, mein Anderssein, mein peinliches Verhalten. Gleichzeitig ist die Scham selbst peinlich, sodass die Menschen nicht nur das verbergen, weswegen sie sich schämen, sondern auch das Gefühl der Scham selbst. Scham ist dabei nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Problem: Gesellschaftliche Strukturen produzieren Scham – etwa, wenn sich jemand seiner Herkunft, seines Alters oder seiner sexuellen Orientierung schämt. Abwehr von Scham kann in scham-loser Radikalisierung münden oder in Größenfantasien wie der, die eigene Sterblichkeit besiegen zu wollen. Die 77. Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V. beleuchtet auf ihrer 77. Jahrestagung dieses verborgene Gefühl, das auch revolutionäres Potenzial entfalten kann. Etwa 600 Psychoanalytiker*innen treffen sich dafür vom 24. bis zum 27. September 2026 in der Inselhalle in Lindau, direkt am Bodensee.
Eine Auswahl der Themen auf der Tagung:
• In der Krise zeigt sich der Charakter: Eine über-lebensnotwendige Rehabilitation der Scham
Wie steht es mit uns angesichts der Klimakatastrophe und anderen Krisen? Wenn wir uns unserem schambehafteten Verhalten und unserer moralischen Schuld nicht stellen, überlassen wir den Rechtspopulisten Räume, die sie scham-los zu nutzen wissen. Die Fähigkeit zur Scham wird gerade von ihnen massiv torpediert.
Referentin: Nadine Berger, niedergelassene Psychotherapeutin in Leipzig
• Scham-los verbunden? Zur Abwehr von Scham im Dialog mit der KI
Immer mehr Menschen nutzen KI auch zur psychotherapeutischen Lebensberatung. Chatbots versprechen eine scheinbar scham-lose Selbstoffenbarungsmöglichkeit. Doch die pseudoresonante KI kann bestenfalls dabei unterstützen, die Scham abzuwehren, während sie gleichzeitig die Möglichkeit realer Beziehungserfahrungen unterläuft.
Referentin: Sabrina Karaca, niedergelassene Psychoanalytikerin in Bochum
• Die Scham bei Alkoholabhängigkeit
Kaum ein Krankheitsbild ist so schambesetzt wie Suchterkrankungen, insbesondere Alhoholabhängigkeit. In Familien wird Alkoholismus unter den Tisch gekehrt, in Medizin und Psychotherapie gilt die Erkrankung immer noch als „Schmuddelkind“. Welches Leid liegt hinter der Sucht aus psychoanalytischer Perspektive?
Referent: Dr. phil. Wolf-Detlef Rost, niedergelassener Psychotherapeut in Gießen mit Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen und Buchautor
• „Da unten“: die Vulva
Über der Vulva scheint eine Hülle der Scham zu liegen: Sie wird – im Unterschied zum Phallus auf der einen und Begriffen wie Vagina oder Scheide auf der anderen Seite – kaum benannt und künstlerisch dargestellt. Spiegelt das die Furcht vor der weiblichen Lust und Macht? Was bedeutet das für Körperbewusstsein, Selbstwert und Sexualität ihrer Besitzerinnen?
Referentin: Dr. Anna Herrmann, niedergelassene Psychoanalytikerin in München
Das vollständige Programm finden Sie auf:
www.dgpt.de/dgpt-jahrestagung-2026
Anmeldung:
Mandy Zenkner, Tel. 030 887163930, mandy.zenkner@dgpt.de
Weitere Informationen/Pressekontakt:
Dr. Felix Hoffmann, Tel. 030 887163930, psa@dgpt.de
Während des Kongresses ist die DGPT erreichbar unter Tel. 030 887163950
Hinweise zur Teilnahme:
Journalistinnen und Journalisten können gerne nach vorheriger Anmeldung kostenlos teilnehmen.
Termin:
24.09.2026 ab 20:00 - 27.09.2026 13:00
Veranstaltungsort:
Inselhalle Lindau
Zwanzigerstr. 10
88131 Lindau
Bayern
Deutschland
Zielgruppe:
Wissenschaftler, jedermann
E-Mail-Adresse:
Relevanz:
überregional
Sachgebiete:
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin, Psychologie
Arten:
Konferenz / Symposion / (Jahres-)Tagung, Vortrag / Kolloquium / Vorlesung
Eintrag:
28.08.2026
Absender:
Dr. Felix Hoffmann
Abteilung:
Geschäftsstelle
Veranstaltung ist kostenlos:
nein
Textsprache:
Deutsch
URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de//mobile/de/event82068
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