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11.03.2012 20:04

Amerika in Augsburg - Aneignungen und globale Verflechtungen in einer Stadt

Klaus P. Prem Presse - Öffentlichkeitsarbeit - Information
Universität Augsburg

    Drei Tage lang betrachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland vom 15. bis zum 17. März 2012 die seit der Frühen Neuzeit zwischen Augsburg und dem amerikanischen Kontinent bestehenden wechselseitigen Kontakte und Beeinflussungen aus unterschiedlichsten Perspektiven bis in die jüngste Vergangenheit hinein.

    Augsburg/KPP - Seit der europäischen Entdeckung Amerikas bestehen zwischen Augsburg und dem amerikanischen Kontinent vielfältige Beziehungen, die sich in wechselseitigen Beeinflussungen niedergeschlagen haben. Diesen Beeinflussungen genauer auf die Spur zu kommen und sie angemessen in das städtische Bewusstsein zu rücken, ist das Ziel der Tagung "Amerika in Augsburg - Aneignungen und globale Verflechtungen in einer Stadt", zu der Kultur- und Neuhistoriker der Universität Augsburg ausgewiesene Spezialisten des In- und Auslands für den 15., 16. und 17. März 2012 nach Augsburg eingeladen haben.

    Sowohl mit Blick auf die Europäisierung Amerikas als auch auf die Amerikanisierung Europas nimmt Augsburg eine spezifische Rolle ein, die - unterschiedlich akzentuiert - von der ökonomischen, politischen und kulturellen Involvierung Augsburgs in die europäische Entdeckung und Erschließung des amerikanischen Kontinents bis in das auf den Zweiten Weltkrieg folgende halbe Jahrhundert reicht, in dem die Stadt eine der größten amerikanischen Garnisonen in Süddeutschland war.

    "Scharnier" zwischen Europa und der Neuen Welt in der Frühen Neuzeit

    Als Europa am Ende des 15. Jahrhunderts die Neue Welt zu entdecken begann, war die Reichsstadt Augsburg als europäische Handelsmetropole und Kommunikationszentrale auf vielfältige Weise in diesen Prozess involviert: wirtschaftlich über die Interessen ihrer großen Handelshäuser der Fugger und Welser; weiterhin politisch über die Verbindungen Augsburgs zum Haus Habsburg, das nicht nur den Kaiser als Stadtherrn stellte, sondern auch als österreichisch-spanische Dynastie damals über den größten Teil des neu entdeckten Kontinents herrschte; und schließlich auch kulturell als oberdeutscher Hauptort des humanistischen Gelehrtentums mit seiner Produktion von Handschriften und Druckerzeugnissen. Augsburg fungierte somit in vielerlei Hinsicht als Scharnier zwischen der Neuen Welt, der Iberischen Halbinsel und dem nordalpinen Raum.

    Auswanderer als Bindeglied

    Auch im 17. und 18. Jahrhundert blieben mannigfaltige Kontakte und die Beschäftigung mit Amerika in Augsburg lebendig. Dies spiegelt sich im Druck und in der Sammlung wertvoller geographischer bzw. landeskundlicher Americana sowie in der Aufnahme amerikanischer Motive in Kunst und Literatur oder auch in den Beziehungen zu den in Georgia angesiedelten, über Augsburg ausgewanderten Salzburger Protestanten wider. Die im 19. Jahrhundert einsetzenden, sich nach 1918, 1933 und 1945 jeweils verstärkenden Schübe wirtschaftlich und politisch bedingter Amerikaauswanderung schufen ihrerseits mehr oder weniger dauerhafte Beziehungen.

    Zwischen ökonomischer Nacheiferung und kultureller Ablehnung

    Um 1900 begann die US-amerikanische Industrie zum Vorbild für Augsburger Unternehmen zu werden, so dass entsprechende Produktionsverfahren und Managementmethoden amerikanischen Ursprungs übernommen wurden. Gleichzeitig schwankten die Einschätzungen der nordamerikanischen Gesellschaft und Kultur, die diese industrielle Entwicklung trugen, zwischen begeisterter Zustimmung und entschiedener Ablehnung.

    Ein prägendes halbes Jahrhundert US-amerikanischer Militärpräsenz

    Nach der Befreiung der Stadt durch US-Truppen im Jahre 1945 wurden die Beziehungen zwischen Augsburg und den USA durch eine massive Truppenstationierung dauerhaft institutionalisiert, ökonomisch ergänzt und sukzessive gesellschaftlich-kulturell vertieft. Neben den Aktivitäten der Augsburger Handelshäuser in Südamerika in der Frühen Neuzeit und den damit verbundenen Amerikabildern, neben den diversen Migrationsbewegungen in die USA, neben den zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen seit dem 19. Jahrhundert und neben den ambivalent geführten Amerikanisierungsdiskursen im 20. Jahrhundert wird ein Schwerpunkt der Tagung auf dieser Epoche nach 1945 liegen - auch mit Blick auf die Frage nach einem angemessenen Erinnern an die 53 Jahre US-amerikanischer Militärpräsenz in Augsburg, die fraglos ein prägendes Kapitel der jüngeren Augsburger Stadtgeschichte sind.

    Auf der Suche nach einem "Erinnerungsort"

    Eine Podiumsdiskussion zum Abschluss der Tagung wird deshalb die Möglichkeiten, der Erinnerung an "Amerika in Augsburg" einen angemessenen Ort zu geben, diskutieren. Dabei werden Vertreter aus Politik, Kultur und Wissenschaft speziell entsprechende Nutzungsformen für die "Halle 116" auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne ausloten, die der wechselvollen Nutzungsgeschichte dieses Gebäudes seit den ausgehenden 1930er Jahren gerecht werden. Die eineinhalbstündige Podiumsdiskussion "zur Frage der Erinnerung an 'Amerika in Augsburg' im Kontext eines Nutzungskonzepts für die Halle 116" beginnt am Samstag, dem 17. März, um 11.30 Uhr in der Neuen Stadtbücherei.

    "Amerikanisches Leben in Augsburg" - Eröffnung einer tagungsbegleitenden Ausstellung am 15. März

    "Die Erinnerten" sind auch die letzte von 15 Stationen der mit einer Station über "Die Feinde" beginnenden Ausstellung, die bis zum 14. April 2012 in der Neuen Stadtbücherei Augsburg gezeigt werden wird. Anhand von über hundert historischen Fotodokumenten zeichnet sie "Amerika in Augsburg" konzentriert auf die Jahre zwischen 1945 und 1998 nach. Die Ausstellung wird zum Abschluss des ersten Tages der Tagung "Amerika in Augsburg" am 15. März um 19.30 Uhr in der Neuen Stadtbücherei Augsburg (Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg) eröffnet. Sie ist bis zum Ende ihrer Laufzeit für alle Interessierten montags bis freitags von 10.00 bis 19.00 Uhr und samstags von 10.00 bis 15.00 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich (weitere Informationen: http://idw-online.de/de/news467345).

    "Der erste Amerikaner. Begegnungen in Augsburg 1945" - Abendvortrag von Wolfgang Frühwald am 16. März

    Nah an dem auf die Zeit nach den Zweiten Weltkrieg bezogenen Thema der Ausstellung ist der öffentliche Abendvortrag der Tagung, den der emeritierte LMU-Germanist und ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Alexander von Humboldt-Stiftung, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Frühwald, am Freitag, dem 16. März, um 19.00 Uhr im Augustana Saal (Im Annahof, 86150 Augsburg) halten wird: Selbst 1935 in Augsburg geboren, hat Frühwald über seinen Vortrag den Titel "Der erste Amerikaner. Begegnungen in Augsburg 1945" gestellt.
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    Die von Prof. Dr. Philipp Gassert (Lehrstuhl für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums) zusammen mit Prof. Dr. Günther Kronenbitter (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte) und Prof. Dr. Wolfgang E. J. Weber (Institut für Europäische Kulturgeschichte) wissenschaftlich geleitete Tagung findet am 15. und 17. März in der Neuen Stadtbücherei Augsburg und am 16. März (entgegen früherer Ankündigungen) im Augustana Saal (Im Annahof, 18150 Augsburg) statt. Sie ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Das detaillierte Tagungsprogramm findet sich im Anhang.
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    Weitere Informationen:

    http://www.uni-augsburg.de/amerika-in-augsburg
    http://idw-online.de/de/news467345

    Ansprechpartner:

    Dr. Stefan Paulus
    Institut für Europäische Kulturgeschichte
    Universität Augsburg
    Eichleitnerstraße 30
    86159 Augsburg
    Telefon 0821/598-5843
    stefan.paulus@iek.uni-augsburg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-augsburg.de/amerika-in-augsburg
    http://idw-online.de/de/news467345


    Anhang
    attachment icon Tagungsflyer "Amerika in Augsburg"

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften
    regional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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