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19.04.2012 12:02

Irrwege der Moderne im Fokus kritischen Denkens

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Der kanadische Philosoph Charles Taylor ist neuer Schiller-Professor der Universität Jena

    Charles Taylor sucht nach den „Quellen des Selbst“, weil er der Ansicht ist, deren Leugnung sei für Fehlentwicklungen der Moderne verantwortlich. Es könne nicht sein – so der kanadische Politikwissenschaftler und Philosoph –, dass eine neutrale Vernunft am Anfang der Moderne steht. Vielmehr müsse von einer ethischen Idee ausgegangen werden.

    Der streitbare Denker Taylor ist neuer Schiller-Professor der Universität Jena. Er folgt dem Ruf des Forschungszentrums „Laboratorium Aufklärung“, das Jahr für Jahr einen Gelehrten von Weltruf nach Jena einlädt. Außerdem ist Charles Taylor Fellow der sozialwissenschaftlichen Kolleg-Forschergruppe „Postwachstumsgesellschaften“, die an der Friedrich-Schiller-Universität Jena beheimatet ist und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

    Charles Taylor, geboren 1931 in Montreal, begann seine akademische Karriere an der McGill University und der Université de Montréal. In den Jahren 1976 bis 1981 lehrte er Soziale und Politische Theorie an der Universität Oxford, danach kehrte er nach Montréal zurück. Im Jahr 2002 wurde Taylor zum Professor für Recht und Philosophie an der Northwestern University in Evanston (Illinois) ernannt. Außerdem nahm Charles Taylor immer wieder Gastprofessuren an. So lehrte er u. a. in Frankfurt/M., Berkeley, Princeton, Delhi und Tübingen sowie an der Hebrew University in Jerusalem. 1997 erhielt Charles Taylor den Hegel-Preis, 2007 wurde er mit dem Templeton-Preis ausgezeichnet und im Jahr darauf erhielt er den Kyoto-Preis.

    Immer wieder erregte Taylor durch seine Schriften weltweite Aufmerksamkeit. Am Anfang steht seine Dissertation mit dem Titel „The Explanation of Behaviour“, gefolgt von Studien, die als „Philosophical Papers“ veröffentlicht werden. Große Beachtung findet zudem die Hegel-Monografie von 1975, die das Hegel-Revival im angelsächsischen Raum entscheidend angestoßen hat. Mit „Sources of the Self“ (dt. „Quellen des Selbst“) erscheint 1989 ein Buch, in dem Taylor die Idee des atomisierten Individuums, das seine Verwurzelung in solidarischen Gemeinschaften und wertestiftenden Traditionen vergisst, als ein Missverständnis der Moderne über ihre eigenen Grundlagen bezeichnet. Taylor fordert stattdessen eine Rückbesinnung auf Werte wie Gemeinsinn und Solidarität. Weltweites Aufsehen erregt Charles Taylor derzeit mit seinem neuen großen Buch „A Secular Age“ (dt. „Ein säkulares Zeitalter“), in dem es um ein neues Verständnis der Bedingungen und Konsequenzen des Glaubens und Nicht-Glaubens in der Moderne geht.

    Für die Wissenschaftler am Forschungszentrum „Laboratorium Aufklärung“ ist Taylor ein wertvoller Gesprächspartner, weil er soziologisch, philosophisch und politisch wichtige Fragen und Problemfelder der säkularisierten Moderne aufgreift und diskutiert, dabei aber häufig den Rückbezug zur Aufklärung und zur Romantik anbietet, um Erklärungs- oder Entstehungsmuster zu verdeutlichen.

    Öffentliche Vorträge in Jena

    In Jena hält Charles Taylor am Dienstag (24. April) um 18 Uhr in der Aula der Universität (Fürstengraben 1) einen ersten Vortrag mit dem Titel „Aufklärung und Säkularisierung“. Im Anschluss wird ihm die Schiller-Professur 2012 offiziell verliehen, ein festlicher Empfang rundet den Abend ab. Der Vortrag ist öffentlich, der Eintritt frei.

    Weitere Vorträge folgen am Donnerstag (3. Mai) um 18 Uhr im großen Rosensaal (Fürstengraben 27) über „Disenchantment und Re-Enchantment“. Am Dienstag (8. Mai) spricht Taylor über „Meaning, Language and the Romantic Tradition“ ab 18 Uhr im Saal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek. Eine Woche später folgt am Dienstag (15. Mai) um 18 Uhr der Vortrag „Is There Really Progress?“ im großen Rosensaal (Fürstengraben 27). Diese Vorträge – in englischer Sprache – sind ebenfalls für die interessierte Öffentlichkeit bestimmt.

    Während seines Jena-Aufenthalts leitet Charles Taylor zudem zwei Doktorandenkolloquien und einen Workshop. Zu diesen Veranstaltungen sind noch Anmeldungen möglich.

    Kontakt:
    Dr. Katharina Held
    Forschungszentrum „Laboratorium Aufklärung“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Jenergasse 8 (Accouchierhaus)
    07743 Jena
    Tel.: 03641 / 944971
    E-Mail: k.held[at]uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de
    http://www.fzla.uni-jena.de/Forschungskolleg/Schiller_Professur.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Politik
    überregional
    Personalia
    Deutsch


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