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15.07.2013 10:04

UDE-Studie: Wie Arbeitszeiten die Work-Life-Balance beeinflussen

Ulrike Bohnsack Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

    Immer mehr Frauen und vor allem Mütter in Europa sind beschäftigt. Ein Blick auf die von ihnen geleisteten Arbeitszeiten zeigt allerdings, dass Frauen in punkto Berufschancen mit den Männern noch lange nicht gleich gezogen haben. In vielen Ländern, darunter Deutschland und Großbritannien, werden Mütter nur über (kurze) Teilzeit in den Arbeitsmarkt integriert – mit den bekannten Gefahren für Karrierechancen und die Rente. Das zeigt der aktuelle Report aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

    Die IAQ-Forscherin Dr. Angelika Kümmerling hat anhand von Daten aus dem 5. European Working Conditions Survey (EWCS) die Arbeitszeiten und Work-Life-Balance der Europäer in verschiedenen Lebensphasen untersucht. Ein Vergleich zwischen Deutschland, Großbritannien, Schweden und Slowenien zeigt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Großbritannien am stärksten ausgeprägt sind. Selbst bei Paaren ohne Kinder beträgt die Arbeitszeitdifferenz sechs Stunden pro Woche. In Haushalten mit Kindern sind Frauen im Durchschnitt zwischen 11 und 17 Stunden weniger pro Woche berufstätig als die Männer. Aber auch in der Empty-Nest-Phase, wenn die Kinder nicht mehr zuhause leben, sind es im Mittel 15 Stunden weniger.

    Typisch für Deutschland ist dagegen, dass die Arbeitszeiten bereits in dem Moment auseinanderdriften, in dem Paare, die noch keine Kinder haben, zusammenziehen. Ist dann Nachwuchs da, arbeiten Frauen in Deutschland wöchentlich zwischen 12 und 13 Stunden kürzer als Männer mit Kindern. Deren Arbeitszeiten erhöhen sich im gleichen Zeitraum leicht ‒ um etwa 1,5 Stunden. Ähnlich wie in Großbritannien scheinen Frauen die einmal reduzierte Arbeitszeit nicht mehr aufzuholen. Zwar arbeiten sie in der Empty-Nest Phase und im höheren Alter wieder länger, bleiben aber deutlich unter dem Anfangsniveau. „Von Vollzeit zur Teilzeitarbeit zu wechseln, ist leichter als wiederaufzustocken“, stellt Kümmerling fest.

    In Schweden entwickeln sich die Arbeitszeiten von Männern und Frauen weitgehend parallel. Auch Väter mit kleinen Kindern reduzieren ihre Arbeit temporär ‒ allerdings nicht so stark, wie Mütter dies tun ‒, um sie dann im weiteren Lebensverlauf wieder zu erhöhen. Nahezu identische Verläufe der Arbeitszeitenzwischen den Geschlechtern lassen sich in Slowenien feststellen. Mütter mit kleinen Kindern kürzen ihre Arbeitszeit nur um rund eine Stunde, Männer in der Kinderphase arbeiten geringfügig länger.

    Der EWCS erfasst die Work-Life-Balance durch die Frage „Passt Ihre Arbeitszeit im Allgemeinen sehr gut, ziemlich gut, nicht sehr gut oder gar nicht gut zu Ihrem Familienleben oder gesellschaftlichen Verpflichtungen außerhalb der Arbeit?“ In den Antworten zeigen sich Männer europaweit unzufriedener mit ihren Möglichkeiten, Beruf und private Verpflichtungen zu vereinbaren. Dies gilt auch für Slowenien, wo Männer und Frauen fast gleiche Arbeitszeiten haben. In Deutschland dagegen, wo insbesondere Mütter deutlich kürzer arbeiten, sind es Frauen, die eine – wenn auch nur leicht – geringere Work-Life-Balance äußern. Außerdem zeigen die Analysen, dass Frauen durch Kinder deutlich länger als Männer auf ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf und Privatleben verzichten müssen. „Viel scheint dafür zu sprechen, dass die geschlechtsspezifischen Ausprägungen von Arbeitszeiten auf nicht mehr zeitgemäße institutionelle und betriebliche Eigenheiten zurückgehen als auf die Wünsche von Beschäftigten“, folgert die IAQ-Arbeitszeit-Forscherin.

    Hinweis für die Redaktion:
    Eine Grafik zur Work-Life-Balance von abhängig Beschäftigten in der EU-27 und ausgewählten Ländern stellen wir Ihnen unter folgendem Link zur Verfügung: http://www.uni-due.de/imperia/md/images/samples/2013/bilderpressemitteilungen/ia...

    Weitere Informationen:
    Dr. Angelika Kümmerling, Tel. 0203.379-1825,
    angelika.kuemmerling@uni-due.de

    Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, claudia.braczko@uni-due.de


    Weitere Informationen:

    http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Wirtschaft
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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