idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
20.12.2017 12:24

100 Beine, 1000 Funktionen – Diversität und Variabilität der Hundertfüßerbeine

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Die Beine der Hundertfüßer (Chilopoda) dienen mit wenigen Ausnahmen sämtlich der Fortbewegung. Das letzte Beinpaar jedoch entwickelte im Laufe der Evolution bei den mehr als 3.000 verschiedenen Spezies eine ganze Reihe unterschiedlichster Funktionen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse von Wissenschaftlern der Universität Greifswald, die jetzt im wissenschaftlichen Onlinejournal PeerJ (Open Access) veröffentlicht wurde.

    Die drei Wissenschaftler des Zoologischen Instituts und Museums der Universität Greifswald haben Beschreibungen, Illustrationen, Ideen und Beobachtungen aus über 160 Jahren Forschung zur Tiergruppe der Hundertfüßer zusammengefasst und diese Daten zur Vielgestaltigkeit der sogenannten Terminalbeine der Hundertfüßer in einem Review dargestellt und neu interpretiert.

    Hundertfüßer sind zwischen wenigen Millimetern bis zu 30 cm groß und besitzen neben den typischen Giftklauen 15 bis fast 200 recht ähnlich gestaltete Laufbeinpaare. Ganz unabhängig von der Beinanzahl unterscheidet sich jedoch stets das letzte Beinpaar deutlich von den übrigen Laufbeinen in seiner Gestalt als auch der Funktion.
    Für die Erforschung dieser Diversität wurden klassische wie digitale Literaturarchive, wissenschaftliche Sammlungen und Archive für Foto- und Videoaufnahmen durchforstet.

    Terminalbeine sind ein Musterbeispiel evolutionärer Transformationen innerhalb einer relativ kleinen Tiergruppe. Sie sind oft die längsten Beine und werden selten oder nie zur Fortbewegung genutzt. In vielen Spezies sind sie deutlich verlängert und zusätzlich untergliedert. In der Gestalt als auch der ihnen zugeschrieben Funktion gleichen sie einer Antenne am Hinterende des Tieres. Bei anderen Vertretern dienen sie der Verteidigung; sie sind beispielsweise als Dornen oder Drüsen für Wehrsekrete ausgeprägt oder können Geräusche produzieren. Aber auch eine aktive Rolle im Beutefang wird ihnen zugesprochen. Darüber hinaus können diese Beine zwischen den Geschlechtern einer Spezies unterschiedlich ausgeprägt sein. Zusammen mit den wenigen detaillierten verhaltensbiologischen Beschreibungen deutet dies auf eine zentrale, aber bislang unbekannte Rolle in der innerartlichen Kommunikation und dem Balzverhalten hin.

    Was diese morphologische und verhaltensbiologische Vielfalt darüber hinaus derart bemerkenswert macht, ist das enge Verwandtschaftsgefüge in dem diese auftritt. In einem evolutionsphilosophischen Rahmen beleuchtet dieser Fall den komplexen Themenkreis von Form versus Funktion in der Entwicklungsgeschichte.

    Ansprechpartner an der Universität Greifswald

    Dr. Matthes Kenning
    Zoologisches Institut und Museum
    Cytologie und Evolutionsbiologie
    Soldmannstraße 23
    17489 Greifswald
    Telefon 03834 420 4109
    matthes.kenning@gmail.com

    Dr. Andy Sombke
    Zoologisches Institut und Museum
    Cytologie und Evolutionsbiologie
    Soldmannstraße 23
    17489 Greifswald
    Telefon 03834 420 4066
    andy.sombke@gmx.de

    PD Dr. Carsten H.G. Müller
    Zoologisches Institut und Museum
    Allgemeine & Systematische Zoologie
    Loitzer Straße 26
    17489 Greifswald
    Telefon 03834 420 4240
    carstmue@uni-greifswald.de


    Weitere Informationen:

    http://peerj.com/articles/4023/ - Link zum Artikel


    Bilder

    Das blattförmige Terminalbein von Alipes grandidieri
    Das blattförmige Terminalbein von Alipes grandidieri
    Alexander Ruppert
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Das blattförmige Terminalbein von Alipes grandidieri


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).