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25.02.2020 10:38

Was wir sehen, beeinflusst, was wir fühlen

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Chronischer Rückenschmerz bessert sich, wenn die Betroffenen eine kurze Zeit eine Echtzeitaufnahme ihres Rückens anschauen. Das Zuschauen steigert auch die Wirksamkeit von Therapien wie zum Beispiel einer Massage. Das haben Untersuchungen des Teams von Prof. Dr. Martin Diers von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt. Die Spezialisten empfehlen daher die sogenannte multisensorische Integration bei der Behandlung von Schmerzen.

    Wer Rückenschmerzen hat, fühlt sich oft stark beeinträchtigt. Wenn der Schmerz chronisch ist, belastet er das ganze Leben, bestimmt den Alltag. „Die Betroffenen kennen ihren Schmerz gut“, sagt Martin Diers. „Sie können zum Beispiel genau sagen, wann im Laufe des Tages der Schmerz auftrat oder wie er sich anfühlt. Was sie aber schlecht eingrenzen können, ist der genaue Ort, an dem der Schmerz sich befindet.“

    Eine Minute anschauen hilft

    Diers und sein Team wollten wissen, wie sich der Schmerz verändert, wenn die Betroffenen hinschauen und führte dazu verschiedene Studien mit Schmerzpatienten und Kontrollprobanden ohne Rückenschmerzen durch. Dabei kam jeweils eine Videokamera zum Einsatz, die hinter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern platziert war und das Bild ihres Rückens in Echtzeit auf einen Monitor übertragen konnte, den die Personen sehen konnten. Die Stärke des Schmerzes wird dabei gemessen, indem die Probanden sie auf einer Skala von null bis zehn selbst einschätzen.

    „Wir konnten zeigen, dass das alleinige Betrachten des Echtzeitvideos des eigenen Rückens nach einer Minute die Intensität des Schmerzes bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Rückenschmerz senkt“, fasst Martin Diers zusammen. Sahen die Patienten statt ihres eigenen Videos das eines anderen Patienten, ein unbewegtes Bild oder ein Buch, veränderte sich die Intensität des Schmerzes nicht. In einer anderen Studie empfanden die Probanden einen schmerzhaften Druckreiz auf den Rücken als weniger schmerzhaft, wenn sie zuschauen konnten.

    Die Auflösung visueller Informationen ist größer

    „Schmerzreize werden von Nervenzellen in der Haut registriert, ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet“, erläutert der Psychologe. „Dieses System hat nur eine ziemlich grobe Auflösung.“ Zusammen mit der visuellen Information werden die Reize viel höher aufgelöst wahrgenommen. Das hilft bei der Eingrenzung des schmerzenden Bereichs: Wir können die Quelle des Schmerzes also räumlich viel spezifischer einordnen.

    Die Schmerzspezialisten setzen daher auch bei der Behandlung auf die sogenannte multisensorische Integration bei der Wahrnehmung von Sinnesreizen, an der mehrere Eingangskanäle für Reize beteiligt sind. Sie untersuchten die Wirksamkeit verschiedener Therapien auf chronische Schmerzen mit und ohne die Möglichkeit, den behandelten Bereich des Körpers dabei zu sehen. „Wir konnten so zeigen, dass zum Beispiel eine Massage deutlich wirksamer war, wenn die Patienten dabei zuschauen konnten“, fasst Martin Diers zusammen. Dasselbe galt für die manuelle Therapie.

    Ausführlicher Beitrag in Rubin

    Einen ausführlichen Beitrag zu dem Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin (https://news.rub.de/wissenschaft/2020-02-19-psychosomatik-was-wir-sehen-beeinflu...). Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke honorarfrei verwendet werden.

    Pressekontakt

    Prof. Dr. Martin Diers
    Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin
    Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
    LWL-Universitätsklinikum
    Ruhr-Universität Bochum
    Tel.: +49 234 5077 3175
    E-Mail: martin.diers@rub.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Diers
    Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin
    Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
    LWL-Universitätsklinikum
    Ruhr-Universität Bochum
    Tel.: +49 234 5077 3175
    E-Mail: martin.diers@rub.de


    Weitere Informationen:

    https://news.rub.de/wissenschaft/2020-02-19-psychosomatik-was-wir-sehen-beeinflu... - Beitrag mit Fotos zum Herunterladen


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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