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24.09.2024 09:00

Hochschulen intensivieren Maßnahmen gegen Studienabbruch

Jan Thiemann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
CHE Centrum für Hochschulentwicklung

    Mehr als ein Viertel aller Studienanfänger*innen in Deutschland verlässt das Hochschulsystem ohne Abschluss. Ein besseres Matching zwischen Studierenden und Studiengang sowie eine intensive Betreuung zum Start könnten hier Abhilfe schaffen. Eine Publikation des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt, dass die Hochschulen entsprechende Maßnahmen wie Self-Assessments oder Vor- und Brückenkurse in den vergangenen Jahren ausgebaut haben.

    Studienabbruch betrifft rund jeden vierten Erstsemester

    Laut Angaben des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) von 2022 beenden 28 Prozent der Bachelor-Studierenden in Deutschland ihr Studium ohne Abschluss. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass 11 Prozent der Erststudierenden des Jahres 2019 bereits während der ersten drei Semester ihr Studium abgebrochen haben.

    „Die von den Studienabbrechenden häufig genannten Gründe wie Leistungsprobleme oder mangelnde Motivation deuten oft auf ein „Matching-Problem“ hin“, erklärt Cort-Denis Hachmeister. „Das bedeutet, die Selbstzuordnung der Studierenden für ein Studium bzw. ein bestimmtes Studienfach erweist sich als unpassend“, so der Experte für Hochschulzugang beim CHE Centrum für Hochschulentwicklung.

    Daten des aktuellen „CHECK Hochschulzugang und Studieneingang in Deutschland“ belegen nun, dass Hochschulen auf diese Entwicklung reagiert haben. Dies zeigen Vergleichswerte von 2021 und 2024 für den Einsatz von Self-Assessment-Tools sowie den Unterstützungsmaßnahmen zum Studienstart.

    Mehr als jeder zweite Fachbereich nutzt Self-Assessment-Tools

    Eine gute Möglichkeit zur Selbsteinschätzung, ob Studieninteressierte für den jeweiligen Studiengang geeignet sind, bieten sogenannte Self-Assessment-Tools. Sie können leistungsbezogene Aufgaben enthalten, wie sie auch in Auswahltests Verwendung finden, aber auch noch andere Elemente, wie z. B. Fragen zur Persönlichkeit oder zu Interessen. Anders als bei Auswahltest erhalten bei Self-Assessments ausschließlich die Studieninteressierten das Ergebnis.

    Aktuell setzen 52 Prozent aller Fachbereiche an deutschen Hochschulen Self-Assessment-Tools als Orientierungshilfe bei der Studienwahl ein. Im Jahr 2021 lag der Anteil noch bei 40 Prozent. Bei fachbezogenen Self-Assessments setzt mehr als ein Drittel der Fachbereiche eigene Testverfahren des Fachbereichs bzw. der Hochschule ein. Pharmazie hat mit 94 Prozent der Fachbereiche im Fächervergleich den höchsten Einsatz von Self-Assessments gefolgt von Wirtschaftswissenschaften mit 79 Prozent.

    Vor- und Brückenkurse: Ausbau der Unterstützungsangebote

    Mit sogenannten Brücken- oder Vorkursen können Erstsemester seit Jahren schon Wissenslücken vor dem Studienstart schließen und die Arbeitsweise und die Hochschule schon vor dem eigentlichen Studienbeginn kennenlernen. Hier ist der Anteil der Fachbereiche mit einem solchen Angebot zwischen 2021 und 2024 von 67 Prozent auf 77 Prozent gestiegen.

    Eine Beratung zur individuellen Studienverlaufsplanung gibt es nahezu flächendeckend. Darüber hinaus bieten vier von fünf Fachbereichen Erstsemester-Tutorien an. Zwei Drittel geben eine individuelle semesterbegleitende Rückmeldung zum Lernerfolg an.

    Frühwarnsysteme, die Anzeichen für einen Studienabbruch schon frühzeitig im Studienverlauf erkennen können, damit rechtzeitig Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden können, kommen bei 48 Prozent der Fachbereiche zur Anwendung.

    Neben der guten Begleitung für einen erfolgreichen Start ins Studium ist es allerdings auch wichtig, flexible Schnittstellen, Übergänge und eine wechselseitige Anerkennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu ermöglichen. „Der Wechsel von einem Studium in eine passende Ausbildung, sollte als normaler Teil des Bildungswegs und nicht als persönliches Scheitern wahrgenommen werden“, wünscht sich Cort-Denis Hachmeister. Hierfür brauche es aber in Deutschland noch besser verzahnte Angebote nachschulischer Bildung.

    Über die Publikation
    Autor*innen der Publikation „CHECK – Hochschulzugang und Studieneingang in Deutschland“ sind Sonja Berghoff und Cort-Denis Hachmeister. Die Angaben zu Self-Assessments und Beratungsangeboten der Studieneingangsphase beruhen auf Befragungen im Rahmen des CHE Hochschulrankings zwischen 2022 und 2024 und umfassen Daten von 1.657 Fachbereichen an 222 deutschen Hochschulen.
    Veranstaltungshinweis

    CHEtalk feat. DUZ Spotlight: „Studienabbruch und dann? – Neue Wege in der nachschulischen Bildung” (kostenfreies Webinar, 14. November 2024, 12:00 Uhr - 13:00 Uhr) – Link zur Anmeldung: https://www.che.de/event/chetalk-feat-duz-spotlight-1/


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Cort-Denis Hachmeister
    Senior Expert Datenanalyse
    CHE Centrum für Hochschulentwicklung
    Tel. 05241-9761-35
    E-Mail: Cort-denis.hachmeister@che.de


    Originalpublikation:

    Hachmeister, Cort-Denis; Berghoff, Sonja: CHECK – Hochschulzugang und Studieneingang in Deutschland (Stand 2024), Gütersloh, CHE, ISBN 978-3-911128-13-1, 22 Seiten


    Weitere Informationen:

    https://www.che.de/download/check-hochschulzugang-2024/ - Link zur Publikation


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsergebnisse, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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