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05.07.2019 14:45

Jörg Schwarzbich Inventor Award geht an zwei Erfinderteams

Jörg Heeren Medien und News
Universität Bielefeld

    Universitätsgesellschaft Bielefeld würdigt nachhaltige Innovationen

    Zum ersten Mal hat die Universitätsgesellschaft Bielefeld (UGBi) ihren Preis für herausragende Erfindungen – den Jörg Schwarzbich Inventor Award – an Forschende der Universität Bielefeld verliehen. Zur Premiere geht der Preis an zwei Erfinderteams, die beide umweltfreundliche Herstellungsverfahren entwickelt haben: zum einen für die als Pharma- und Kunststoff-Chemikalien bekannten Nitrile (Fakultät für Chemie), zum anderen für einen natürlichen Farbstoff mit Anwendungen in Kosmetik und Tierernährung (Fakultät für Biologie).

    Beide Teams forschen am Centrum für Biotechnologie (CeBiTec). Die Teams teilen sich das Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro. Der UGBi-Vorstandsvorsitzende Herbert Vogel überreichte den Preis gestern (04.07.2019) an den Chemie-Professor Dr. Harald Gröger und die Biologin Dr. Nadja A. Henke.

    Ursprünglich sollte der Preis für nur eine Erfindung verliehen werden. „Die jetzt ausgezeichneten Erfindungen waren allerdings gleichermaßen überzeugend. Sie stehen beide in vorbildlicher Weise für den Innovationsgeist der Universität Bielefeld“, sagt der UGBi-Vorstandsvorsitzende Herbert Vogel. „In der Jury hat uns überzeugt, dass die beiden Verfahren nicht nur ökologisch nachhaltig sind, sondern auch die Nachfrage der Wirtschaft bedienen.“

    Bakterium produziert den Farbstoff Astaxanthin

    Dr. Nadja A. Henke hat mit Professor Dr. Volker F. Wendisch und Dr. Petra Peters-Wendisch von der Forschungsgruppe Genetik der Prokaryoten eine Herstellungsmethode für den roten Farbstoff Astaxanthin entwickelt und zum Patent angemeldet. Das Pigment dient nicht nur dazu, Kosmetik rot zu färben, sondern wirkt antioxidativ, lindert also Sauerstoffstress. Nutztiere erhalten es als daher Zusatzstoff im Futter. Das Bielefelder Erfinderteam hat den Mikroorganismus Corynebacterium glutamicum genetisch so verändert, dass er Astaxanthin herstellt. Das Bakterium „ernährt“ sich von nachwachsenden Rohstoffen oder landwirtschaftlichen Abfallprodukten. Den Farbstoff produziert es in kurzer Zeit und in großer Menge. Mit ihrem Startup-Unternehmen „Bicomer“ vermarkten die Erfinder und zwei Mitgründer das Verfahren als Alternative zu erdöl- und algenbasierten Produktionssystemen. Bicomer wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

    Industrie-Chemikalie Nitril ohne Blausäure herstellen

    Professor Dr. Harald Gröger, Leiter der Forschungsgruppe Industrielle Organische Chemie und Biotechnologie, hat zusammen mit Dr. Tobias Betke und Dr. Philipp Rommelmann einen Weg gefunden, die Produktklasse der Nitrile umweltfreundlich und effizient herzustellen. Nitrile werden für die Produktion von Arzneistoffen und Kunststoffen benötigt. Derzeit setzt die Industrie für die Herstellung von Nitrilen häufig hochgiftige Blausäure und davon abgeleitete Cyanide ein. Die Chemieindustrie produziert weltweit jährlich mehr als eine Million Tonnen der Produktklasse der Nitrile. Solche Chemikalien werden vielfältig verwendet – für die Herstellung von Kunststoffen wie Nylon-Fasern für Textilien, Schläuche und Gummihandschuhe, aber auch für die Produktion von Medikamenten. Der in Bielefeld entwickelte, alternative Herstellungsweg für Nitrile eignet sich sowohl für die in großen Mengen produzierte Chemikalie Adiponitril als auch für Arzneistoff-Chemikalien. Das neue Verfahren wird über zwei Patente geschützt. Das Förderprogramm „NRW-Patent-Validierung“ unterstützt die Weiterentwicklung der beiden Patente finanziell mit dem Ziel, dass Chemieunternehmen die Verfahren übernehmen.

    Namensgeber des Erfinderpreises kommt aus Bielefeld

    Der Bielefelder Unternehmer Jörg Schwarzbich fördert den nach ihm benannten Erfinderpreis über die kommenden zehn Jahre. Das Preisgeld in Höhe von jährlich 40.000 Euro kommt von der ROLLAX-Kugellagerfabrik, einem Unternehmen der Jörg Schwarzbich Stiftung. Der Preis wird in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld ausgelobt. Das Bewerbungsverfahren für den Preis wird von Dr. Sabrina Backs, Juniorprofessorin für Gründungsmanagement, und ihrem Team organisiert.

    „Der Preis würdigt in besonderer Weise, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bielefeld mit neuen Ideen die Wirtschaft beeinflussen und für Fortschritt sorgen“, sagt Herbert Vogel von der Universitätsgesellschaft Bielefeld. Der Jörg Schwarzbich Inventor Award ist ein doppeltes Signal: In der Universität Bielefeld zeigt er, dass nicht nur Publikationen in anerkannten Fachzeitschriften gewürdigt werden. Nach außen wird signalisiert, dass die Universität Bielefeld auch in der Innovationsförderung Herausragendes leistet.

    Universitätsgesellschaft wählt neuen Geschäftsführer

    Der Preis wurde in der Mitgliederversammlung der Universitätsgesellschaft Bielefeld verliehen. In der Versammlung wurde Dr. Rainer Wend zum neuen Geschäftsführer der UGBi gewählt. Er tritt die Nachfolge von Jürgen Heinrich (76) an, der sieben Jahren UGBi- Geschäftsführer war. Rainer Wend ist seit 2009 Executive Vice President der Deutsche Post DHL Group in Bonn. Ebenfalls wurden für das UGBi-Kuratorium neue Mitglieder gewählt: Susanne Müller, Leiterin der Niederlassung von Bankhaus Lampe, und Dr. Birgit Osterwald, ehemalige Leiterin der Volkshochschule Gütersloh.

    Kontakt:
    Universitätsgesellschaft Bielefeld (UGBi), Geschäftsstelle
    Tel: 0521-106 67342
    E-Mail: ugbi@uni-bielefeld.de


    Weitere Informationen:

    https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/uniaktuell/entry/universit%C3%A4tsgesellschaf... „Universitätsgesellschaft Bielefeld vergibt ,Jörg Schwarzbich Inventor Award‘“ (Artikel vom 21. November 2018)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Prof. Dr. Martin Egelhaaf (v.l.), Herbert Vogel, Dr. Nadja A. Henke, Jörg Schwarzbich, Junior-Prof. Dr. Sabrina Backs, Dr. Philipp Rommelmann, Dr. Tobias Betke und Prof. Dr. Harald Gröger.


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