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09.07.2019 17:04

Leibniz-Einrichtungen in Halle, Gatersleben und Berlin evaluiert

Christoph Herbort-von Loeper M.A. Pressestelle Berlin
Leibniz-Gemeinschaft

    Die Förderung von vier Leibniz-Einrichtungen soll fortgeführt werden. Das hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft heute nach Abschluss der regelmäßigen wissenschaftlichen Evaluierung beschlossen. Bei allen vier Einrichtungen soll die erneute Überprüfung der Fördervoraussetzungen nach dem Regelturnus von sieben Jahren erfolgen, so die Empfehlung des Leibniz-Senats an Bund und Länder.

    Folgende Leibniz-Einrichtungen wurden evaluiert:
    • Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
    • Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Gatersleben (IPK)
    • Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin (DRFZ)
    • Leibniz-Institut für Kristallzüchtung im Forschungsverbund Berlin e. V. (IKZ)

    Zu den Stellungnahmen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft im Einzelnen:

    1) Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
    Das IWH habe sich in den vergangenen Jahren erfolgreich konsolidiert, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme. Der vor einigen Jahren im Anschluss an zwei ausgesprochen kritische Evaluierungen in den Jahren 2007 und 2011 begonnene grundlegende Reformprozess sei über verschiedene personelle Wechsel hinweg kontinuierlich fortgeführt und, wie man nun feststellen könne, dessen Wirkung nachhaltig gesichert worden. Die Leistungen in der Forschung, der Pflege und Bereitstellung von umfangreichen Datenbeständen für die Wissenschaft sowie in der Politikberatung werden als sehr gut beurteilt.
    Das wissenschaftliche Programm des Instituts konzentriere sich zum einen nach wie vor auf Veränderungsprozesse in sogenannten Transformationsökonomien, zum anderen habe man, wie seit 2013 avisiert, das Thema Finanzmarktforschung inzwischen erfolgreich etablieren können. Es sei ein großer Erfolg für das IWH, dass der Wissenschaftsrat die Ergänzung um eine vierte Abteilung in diesem Themenfeld im Januar 2019 positiv eingeschätzt habe. Kritisch sei allerdings, dass die Zahl der Wissenschaftlerinnen am IWH in den vergangenen Jahren rückläufig war. Der Senat sieht dringenden Handlungsbedarf, damit die vom Institut selbst gesetzten Ziele zur Beschäftigung von Forscherinnen erreicht werden. Große Fortschritte bescheinigt der Senat dem IWH in Bezug auf die Vernetzung des Instituts auf nationaler und europäischer Ebene.
    Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IWH fortzusetzen.

    2) Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Gatersleben (IPK)
    Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben arbeite sehr erfolgreich an der Aufklärung grundlegender Prinzipien der Evolution, Entwicklung und Anpassungsfähigkeit wichtiger Kulturpflanzen wie Gerste und Weizen, so der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme.
    Neben sehr überzeugenden Leistungen in der Forschung hebt der Senat die bedeutenden Forschungsinfrastrukturen des IPK positiv hervor. Mit der „Bundeszentralen Ex-situ-Genbank“ stelle man in Gatersleben eine international herausragende Sammlung für landwirtschaftliche und gartenbauliche Kulturpflanzen zur Verfügung. Pläne, die Genbank digital verfügbar zu machen, seien verfolgenswert.
    Die Beratungsleistungen des IPK für Politik und Behörden, zum Beispiel zu neuen Methoden der Pflanzenzüchtung und zum Erhalt der genetischen Vielfalt, seien von hoher Bedeutung. Der Senat begrüßt, dass sich das Institut auch stark in der Wissenschaftskommunikation engagiert und in seinem green lab jährlich 5.000 Besucherinnen und Besucher, insbesondere Schulgruppen, informiert. Überlegungen zum Ausbau dieser Aktivitäten sollten weiterverfolgt werden.
    Kritisch sieht es der Senat allerdings, dass das Institut nach wie vor nur wenige Wissenschaftlerinnen mit Leitungsaufgaben beschäftigt und die selbstgesetzten Ziele in dieser Hinsicht bisher nicht erreicht.
    Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IPK fortzusetzen.

    3) Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin (DRFZ)
    Das Deutsche Rheumaforschungszentrum Berlin (DRFZ) erforscht die Ursachen und den Verlauf rheumatischer Erkrankungen. In seiner heute veröffentlichten Stellungnahme bescheinigt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft dem DRFZ Forschungsergebnisse von sehr hoher Qualität. Die wissenschaftlichen Resultate würden zudem sehr gut in die klinische Anwendung überführt. Dabei sei die intensive Kooperation mit der Charité, auf deren Campus das DRFZ angesiedelt ist, von besonderer Bedeutung. Seit seiner Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft 2009 sei das DRFZ stark gewachsen, sowohl aufgrund einer hohen institutionellen Bund-Länder-Förderung als auch durch die Drittmittel, die das Institut in großem Umfang auf nationaler und internationaler Ebene einwerbe. Das Wachstum sei einhergegangen mit einer Ausweitung auch auf allgemeinere immunologische Fragestellungen.
    Das DRFZ stehe vor einer tiefgreifenden personellen Umbruchphase. Sowohl der Wissenschaftliche Direktor als auch seine Stellvertreterin würden in einiger Zeit in den Ruhestand eintreten, nachdem sie das DRFZ über 20 Jahre lang sehr erfolgreich geleitet hätten. Gleichzeitig stünden auch an der Charité im Bereich der Rheumatologie Wechsel auf der Leitungsebene an. Es werde aus Sicht des Senates sehr wichtig sein, die verschiedenen Besetzungen an DRFZ und Charité gut aufeinander abzustimmen. Es sei dann die Aufgabe einer neuen Leitung, das wissenschaftliche Profil des Rheuma-Forschungszentrums weiterzuentwickeln.
    Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des DRFZ fortzuführen.

    4) Leibniz-Institut für Kristallzüchtung im Forschungsverbund Berlin e. V. (IKZ)
    Das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung im Forschungsverbund Berlin e. V. (IKZ) erforscht aktuelle Fragestellungen des Kristallwachstums, um auf dieser Grundlage wissenschaftliche Dienstleistungen zu erbringen, hält der Senat der Leibniz-Gemeinschaft in seiner heute veröffentlichten Stellungnahme fest. Dabei gehe es zum Beispiel um die Bereitstellung von Kristallen mit speziellen Eigenschaften oder die Entwicklung von Anlagenkomponenten für die Züchtung von Kristallen. Der Senat bewertet die Arbeiten des IKZ als sehr gut. Die forschungsbasierten Serviceleistungen würden von Wissenschaft und Industrie aus den Bereichen der Mikro-, Opto- und Leistungselektronik, der Photovoltaik, der Lasertechnik oder der Sensorik stark nachgefragt.
    Es sei bemerkenswert, dass das IKZ sein Leistungsniveau seit der letzten Evaluierung gehalten und in einigen Fällen sogar Verbesserungen erzielt habe, obwohl die Position des Direktors ab 2013 für fünf Jahre vakant gewesen sei. Dass sich das IKZ auch in dieser Zeit wissenschaftlich weiterentwickelt habe, sei maßgeblich das Verdienst des Direktors des nahegelegenen Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik, der die Leitung des IKZ kommissarisch übernommen hatte.
    Erst im Februar 2018 habe der neue Direktor sein Amt angetreten und seitdem bereits viele Veränderungen am IKZ angestoßen. Seine Planungen für eine Neuausrichtung des Institutes seien überzeugend und sollten nun umgesetzt werden. Dabei solle das IKZ der geplanten Besetzung von zwei weiteren gemeinsamen Professuren mit geeigneten Hochschulen höchste Priorität einräumen. Der Senat erwartet, dass das Institut den geringen Anteil von Wissenschaftlerinnen in Leitungspositionen deutlich erhöht.
    Der Senat empfiehlt Bund und Ländern, die gemeinsame Förderung des IKZ fortzuführen.

    Die einzelnen Senatsstellungnahmen finden Sie im Wortlaut auch auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/evaluierung/

    Hintergrund:
    Jede Leibniz-Einrichtung wird regelmäßig extern evaluiert, spätestens alle sieben Jahre. International ausgewiesene Sachverständige, die durch schriftliche Unterlagen und bei einem Evaluierungsbesuch informiert werden, bewerten die Leistungen und Strukturen jeder Einrichtung. Die Ergebnisse der Begutachtung werden in einem Bewertungsbericht festgehalten, zu dem das evaluierte Institut Stellung nehmen kann. Auf dieser Grundlage verabschiedet der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine wissenschaftspolitische Stellungnahme, die in der Regel Empfehlungen zur weiteren Förderung der Leibniz-Einrichtung enthält. Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen. Zusammen mit den Anlagen A (Darstellung der wesentlichen Inhalte und Strukturen der Einrichtung), B (Bewertungsbericht) und C (Stellungnahme der Einrichtung zum Bewertungsbericht) werden die Senatsstellungnahmen auf der Internet-Seite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht. Alle an der Bewertung und Beurteilung beteiligten Gremien sind ausschließlich mit Personen besetzt, die nicht an Leibniz-Einrichtungen tätig sind.

    Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft
    Mirjam Kaplow
    Tel.: 030 / 20 60 49 – 42
    Mobil 0172 / 8433549
    kaplow@leibniz-gemeinschaft.de

    Christoph Herbort-von Loeper
    Tel.: 030 / 20 60 49 – 48
    Mobil: 0174 / 310 81 74
    herbort@leibniz-gemeinschaft.de

    Die Leibniz-Gemeinschaft
    Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 95 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen knapp 20.000 Personen, darunter etwa die Hälfte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.
    http://www.leibniz-gemeinschaft.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Organisatorisches, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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