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24.01.2011 14:54

Lernklinik Leipzig eröffnet - an Puppen trainieren

Susann Huster Pressestelle
Universität Leipzig

    Mister K. ist ein Simulant aus Japan. Über 80 Befunde können an der Ganzkörperpuppe realitätsnah nachempfunden werden. Seine neue Heimat hat Mister K. zusammen mit zahlreichen weiteren Simulatoren im neuen Trainingszentrum für ärztliche Fertigkeiten an der Medizinischen Fakultät Leipzig gefunden. Bevor die Studierenden an Patienten zum Einsatz kommen, können sie hier an menschlichen Puppen Routine gewinnen.

    Um praktisch zu üben, steht angehenden Human- und Zahnmedizinern in Leipzig jetzt ein ganzer Flurtrakt zur Verfügung. Das sogenannte SkillsLab, in Leipzig "Lernklinik" getauft, bietet auf 350 m² insgesamt 14 verschiedene Übungsstationen. Von Hygiene und Gipsen über gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen bis hin zum chirurgischen Nähen – die Bandbreite umfasst alle Fähigkeiten der Grundausbildung zum Arzt. Die Praxisnähe wird nicht nur durch die Anleitung von Hochschullehrern und studentischen Tutoren gewährleistet, sondern auch durch zahlreiche menschliche Simulatoren. So kann an einem naturgetreuen Kunstarm die Blutabnahme geübt werden, spezielle Köpfe stehen für Augen- und Ohrenuntersuchungen bereit. An einem weiblichen Unterleib und Babypuppen können der Geburtsvorgang und Komplikationen nachempfunden werden. Technisch ausgefeilte Rumpfteile ermöglichen das Abhören von echt wirkenden Herz- und Lungengeräuschen ebenso wie Ultraschalluntersuchungen.

    Fast wie der Ernstfall
    Ganzkörperpuppen ermöglichen es, die komplexe Behandlungssituation in der Notfallambulanz nach einem Autounfall oder bei einem Herzinfarkt nachzustellen, sagt PD Dr. Daisy Rotzoll, Leiterin der Lernklinik: "Über die Hälfte unserer menschlichen Simulatoren sind japanische Produkte. Die Japaner haben in der Nachahmung eine ausgeprägte Tradition und ihre Simulatoren sind unübertroffen." Einzig das Patientengespräch am Krankenbett wird mit echten Menschen nachgestellt. Hinter einer verblendeten Sichtglasscheibe beobachten die Ausbilder den Verlauf und filmen für die anschließende Besprechung. Gute Kommunikation - auch das ein wichtiger Teil der Ausbildung.

    Praxisnahe Lehre
    Ungefähr zwei Drittel aller deutschen Medizinfakultäten haben inzwischen ein sogenanntes SkillsLab eingerichtet. Leipzig gehört in Größe und Vielseitigkeit des fachlichen Angebots zur Spitze. Studiendekan Prof. Christoph Baerwald:
    "Wer auf dem neuesten Stand sein und den Ansprüchen einer praxisnahen Ausbildung gerecht werden will, braucht ein Trainingszentrum dieser Art. Die Leipziger Besonderheit ist, dass Ärzte es führen und mit ihrem Praxiswissen bereichern. Nicht in einer angespannten Situation auf Station, sondern in einem Freiraum, damit die Studierenden alle nötige Routine für den Ernstfall entwickeln können."
    Wie motivierend, wenn ohne Leistungsdruck oder einen ungeduldigen Assistenzarzt an der Seite die Vene getroffen wird und Kunstblut fließt! Der Studierendenzuspruch war bereits in der ersten Anmeldewoche enorm groß. Dreiviertel der angebotenen Kurse sind schon belegt.
    Das Angebot richtet sich aber auch an Dozenten, einzelne Lerneinheiten im Rahmen von Wahlfächern und Blockpraktika zu nutzen. Ab dem Sommersemester 2011 besteht für Studierende dann auch die Möglichkeit, sich für freie Übungsstunden unabhängig von Lehrveranstaltungen anzumelden. Und bereits ab diesem Frühjahr werden die neu eingerichteten Prüfungen im Bereich Notfallmedizin nach der modernen OSCE-Methode (objective structured clinical examination = objektive strukturierte klinische Prüfung), also praktische Prüfungen in mündlicher Form, ebenfalls in der LernKlinik durchgeführt.

    Gelder aus dem Konjunkturpaket
    Die Mittel für das Projekt in Höhe von 200.000 Euro stammen aus dem Konjunkturpaket II. Zusätzlich hat die Medizinische Fakultät 50.000 Euro in die Räumlichkeiten gesteckt und stellt das betreuende Personal.
    Die LernKlinik Leipzig befindet sich in den Interimsräumlichkeiten im Studienzentrum "Carl-Ludwig-Institut", Liebigstraße 27, 04103 Leipzig.
    Langfristig soll sie allerdings ein paar Nummern weiter in das Haus der Speiseversorgung ziehen. Die Räumlichkeiten müssen erst noch hergerichtet werden.

    Weitere Informationen:
    PD Dr. Daisy Rotzoll, Leiterin
    Lernklinik Leipzig, Medizinische Fakultät
    Telefon: +49 341 97-15172
    E-Mail: skillslab@medizin.uni-leipzig.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, jedermann
    Medizin
    überregional
    Studium und Lehre
    Deutsch


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