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01.02.2011 10:01

Faszination Immunsystem

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Martina Prelog ist neue Professorin an der Kinderklinik der Universität Würzburg. Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Rheuma und chronische Entzündungen im Kindes- und Jugendalter sind ihre Schwerpunkte – sowohl in der Forschung als auch in der Behandlung. Den Wechsel nach Würzburg sieht die Österreicherin als Herausforderung und Chance.

    Wenn Kinder an Rheuma erkranken, macht sich das schnell in ihrem Verhalten bemerkbar: Weil ihre Gelenke ständig entzündet und häufig geschwollen sind, tut ihnen jede Bewegung weh. Die Betroffenen versuchen dem Schmerz aus dem Weg zu gehen, sie ziehen sich zurück, wollen nicht spielen. Breitet sich die Entzündung im Körper aus, leiden die Kinder unter Fieber, sind ständig müde und fühlen sich schwach.

    „Verantwortlich für solche Autoimmunerkrankungen ist eine Fehlregulation des Immunsystems“, erklärt Martina Prelog. Die 33-Jährige ist seit Kurzem Professorin an der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg mit dem Schwerpunkt Pädiatrische Rheumatologie und Spezielle Immunologie. Die Kinderärztin hat dabei eine Doppelfunktion inne: In der Klinik kümmert sie sich um die Behandlung der jungen Patienten; im Labor forscht sie nach den Ursachen dieser Krankheiten und nach neuen Ansatzpunkten für eine bessere Therapie.

    „Leider sind die Ursachen für Autoimmunerkrankungen bis heute unbekannt“, sagt Prelog. Zwar sind verschiedene Auslösefaktoren inzwischen identifiziert wie beispielsweise eine genetische Disposition oder eine vorausgegangene Infektion mit Viren. Eine Behandlung kann dort allerdings noch nicht ansetzen. Die Bemühungen der Ärzte zielen vielmehr darauf ab, die Symptome zu lindern. Mit beschränktem Erfolg: „Nur in etwa einem Drittel der Fälle heilt die Krankheit während der Therapie aus, ein weiteres Drittel zeigt zumindest unter Therapie einen zufriedenstellenden Krankheitsverlauf ohne größere Beeinträchtigungen in der Lebensqualität“, so Prelog.

    Wenn das Immunsystem vorzeitig altert

    Kein Wunder, dass die Wissenschaft deshalb intensiv auf der Suche nach den Auslösern ist. Einen möglichen Verantwortlichen hat Martina Prelog identifiziert: Bei Kindern, die an einer bestimmten chronischen Entzündung der Gelenke und häufig auch der inneren Organe leiden, hat sie ein vorzeitig gealtertes Immunsystem identifiziert. So kann ein Siebenjähriger ein Immunsystem besitzen, das dem eines 70-Jährigen entspricht – mit den gleichen Folgen, wie sie die Medizin bei älteren Menschen feststellt: einer Zunahme an Infektionen und an Autoimmunerkrankungen.

    Auch eine erst vor Kurzem entdeckte Unterart von Immunzellen steht im Verdacht, eine wichtige Rolle in dem Krankheitsgeschehen zu spielen. „Diese werden nun intensiv erforscht in der Hoffnung, neue Zielmoleküle zu entdecken, die sich als Angriffspunkte für bessere Medikamente mit weniger Nebenwirkungen eignen“, sagt Martina Prelog.

    Etwa 10 von 100.000 Kindern erkranken pro Jahr in Deutschland an einer Autoimmunerkrankung. Mehr als 500 betreut die Würzburger Universitäts-Kinderklinik zurzeit in ihrer Rheumatologischen Sprechstunde. Viele dieser Kinder kommen mehrmals im Jahr in die Klinik – mal stationär, mal ambulant – um hier die richtige Diagnose zu erfahren und eine maßgeschneiderte Therapie nach dem neuesten Wissensstand zu erhalten.

    Martina Prelogs Lebenslauf

    Martina Prelog ist gebürtige Salzburgerin und hat an der Universität Innsbruck Medizin studiert. Warum Medizin? „Ich habe mich schon in der Schule immer für Naturwissenschaften interessiert“, sagt sie. Die Suche nach einem Beruf, der diese Fächer mit dem Dienst am Menschen kombiniert, habe sie zur Medizin geführt. Für ihre Doktorarbeit hat sie den Einfluss bestimmter Entzündungsfaktoren auf den Bindegewebsstoffwechsel bei Systemischer Sklerose (einer Autoimmunerkrankung der Haut und der inneren Organe) untersucht und dabei „Feuer gefangen“ für diesen Bereich.

    Es folgten eine Ausbildung in Immunologie und anschließend die Ausbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde. Warum Kinderärztin? „Ich habe ein Fach gesucht, das viele Disziplinen in sich vereint. In die Kinderheilkunde fließen viele Aspekte ein, angefangen bei der Chirurgie und Inneren Medizin über Dermatologie und Gynäkologie bis zur Immunologie“, sagt Prelog. Außerdem sei die Kinderheilkunde ein „hoffnungsvolles Gebiet“. Am Innsbrucker Department für Pädiatrie hat sich die Medizinerin mit dem Thema „Frühe immunologische Veränderungen bei Autoimmunerkrankungen im Kindesalter“ habilitiert.

    Zahlreiche Preise hat Martina Prelog inzwischen für ihre Arbeiten erhalten. So ist sie beispielsweise Trägerin des Dissertationspreises der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, des Wilhelm-Auerswald-Preises für die beste medizinische Dissertation Österreichs und des St. Anna Kinderspital Forschungspreises. Kürzlich hat sie den Forschungspreis der Österreichischen Gesellschaft für Diabetes erhalten, zu einem Projekt über Entzündungszellen bei Typ 1 Diabetes, ebenfalls einer Autoimmunerkrankung im Kindesalter.

    In Innsbruck hat sie zuletzt das Forschungslabor der Universitäts-Klinik für Pädiatrie I und die Spezialambulanz für Infektiologie und Spezielle Immunologie/Impfungen geleitet. Darüber hinaus war sie Sprecherin der Exzellenzinitiative Infektiologie Innsbruck.

    Der Wechsel nach Würzburg

    Erst Salzburg, dann Innsbruck, jetzt Würzburg. Wie sieht Martina Prelog, die von sich sagt, dass sie leidenschaftlich gerne wandert und Ski fährt, den Wechsel von Inn und Alpen an Main und Rhön? „Der Ruf nach Würzburg ist eine Herausforderung mit großen Chancen für mich.“

    Die Herausforderung: „Ich kann hier meinen eigenen Bereich leiten und gestalterisch tätig sein.“ Dafür plant Prelog, einen Teil ihrer Arbeitsgruppe mitzubringen und eine Forschungsgruppe im Bereich der pädiatrischen Autoimmunitätserkrankung in Würzburg aufzubauen.

    Die Chancen: „Es gibt an der Kinderklinik einen großen, sehr gut ausgebauten Bereich der Rheumatologie.“ Darüber hinaus besitze die Universität für Forscher eine hervorragende Infrastruktur sowohl in den Kliniken als auch mit den theoretischen Instituten. Diese böten die Möglichkeit für zahlreiche Kooperationen im Bereich der immunologischen Forschung.

    Die Herausforderung habe sie gesucht; die Chancen will sie in den nächsten Jahren nutzen.

    Kontakt: Prof. Dr. Martina Prelog, T: (0931) 201-27708; E-Mail: Prelog_M@kinderklinik.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


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