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10.02.2011 16:00

30 Jahre mit einer Spenderniere

Dr. Annette Tuffs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

    Gerhard Stroh wurde 1981 am Universitätsklinikum Heidelberg operiert / Eines der bundesweit größten Zentren für Nieren-Transplantationen

    Für Gerhard Stroh aus Wiesbaden jährt sich dieser Tage ein ganz besonderes Ereignis: Am 11. Februar 1981 erhielt der damals 38-Jährige in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg eine neue Niere. Zuvor musste er dreimal in der Woche eine Dialyse über sich ergehen lassen. Das „neue“ Organ ist seitdem gesund geblieben – und mit ihm Gerhard Stroh, der gerade mal eine Tablette am Tag nimmt, damit die Niere nicht abgestoßen wird.

    Gerhard Stroh erinnert sich noch genau an den Anruf aus Heidelberg: „Wir haben eine neue Niere für Sie“, hieß es am anderen Ende der Leitung. Obwohl er an einer chronischen Erkrankung litt und drei Jahre auf ein neues Organ wartete, kam der Anruf doch überraschend. Außer einem ‚Ja’ brachte er damals kein Wort heraus. In einer vierstündigen Operation transplantierten ihm die Ärzte dann die Niere eines verstorbenen 23-jährigen Mannes.

    Gerhard Stroh profitierte von einem gut passenden Organ

    „30 Jahre mit der selben Spenderniere sind schon etwas besonderes“, meint Professor Dr. Martin Zeier, Ärztlicher Leiter des Nierenzentrums Heidelberg. Oftmals werden die Organe nach einigen Jahren vom Körper wieder abgestoßen oder die Patienten versterben an einer anderen Erkrankung. „Gerhard Stroh profitierte von einem Organ, das aufgrund Blutgruppe und Gewebemerkmale sehr gut zu ihm passte.“

    Nierentransplantationen werden in Heidelberg bereits seit 1967 praktiziert. Da jeder Mensch zwei Nieren im Körper hat, ergibt sich die Chance der Lebendspende. Dabei pflanzt man die Niere eines gesunden Menschen – meist sind diese Familienangehörige oder Bekannte – dem Betroffenen ein. „Neben ethischen Gesichtspunkten muss der Spender ganz gesund sein und sollte möglichst gleiche oder ähnliche Gewebemerkmale wie der Empfänger aufweisen“, erklärt Professor Zeier. Je weniger passende Merkmale es gibt, desto schwieriger gestaltet sich die Einstellung des Patienten mit Medikamenten. Diese muss ein Patient nehmen, damit das eigene Immunsystem unterdrückt und das Organ nicht abgestoßen wird.

    2010 wurden in Heidelberg 148 Nieren transplantiert

    Insgesamt verpflanzten die Heidelberger Mediziner im vergangenen Jahr 148 Nieren, davon waren 53 Lebendspenden. Somit ist das Klinikum eines der bundesweit größten Zentren für Nierentransplantationen. Der tatsächliche Bedarf ist allerdings um einiges höher: „2010 wurden in Deutschland 2.936 Nieren transplantiert, etwa 8.000 Menschen stehen aber aktuell auf der Warteliste“, so Professor Dr. Jan Schmidt, Leiter der Sektion Organtransplantation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Sofern also keine Lebendspende in Betracht kommt, beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation etwa sechs Jahre. Aus diesem Grund macht sich Professor Schmidt weiter für die „postmortale“ Organspende stark: „Wenn sich mehr Menschen zu ihren Lebzeiten positiv mit der Organspende auseinander setzen würden, könnte theoretisch der Bedarf in Deutschland auch ohne Lebendspende gedeckt werden.“

    Eine sechsjährige Wartezeit ist Gerhard Stroh zum Glück erspart blieb. Das Leben verändert hat seine Erkrankung aber trotzdem: Mittlerweile ist er Vorsitzender der Selbsthilfegruppe „Niere Wiesbaden und Umgebung e.V.“ sowie Herausgeber des „Diatra-Journals“, einer Fachzeitschrift für Nephrologie und Transplantation. Damit möchte er seinen Teil dazu beitragen, dass nierenkranke Patienten und transplantierte Menschen möglichst viele Informationen erhalten und in der schweren Zeit der Erkrankung nicht alleine sind.

    Weitere Informationen im Internet:

    Transplantationszentrum:
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Patienten-Besucher.4149.0.html

    Nierenzentrum Heidelberg:
    http://www.nierenzentrum-heidelberg.com/index.php?id=182

    Diatra-Journal, Fachzeitschrift für Nephrologie und Transplantation:
    http://www.diatra-verlag.de/

    Ansprechpartner für die Presse:

    Gerhard Stroh
    Postfach 1230
    65332 Eltville am Rhein
    Tel. 061 23 / 7 34 78

    Professor Dr. Martin Zeier
    Ärztlicher Leiter
    Nierenzentrum Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 162
    69120 Heidelberg
    Tel. 06221 / 56-35297
    E-Mail: info@nierenzentrum-heidelberg.com

    Professor Dr. Jan Schmidt
    Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leiter der Sektion Viszerale Organtransplantation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 110
    69120 Heidelberg
    Tel. 06221 / 56-6205 (Sekretariat)
    E-Mail: Jan.Schmidt@med.uni-heidelberg.de

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
    Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
    Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

    www.klinikum.uni-heidelberg.de

    Bei Rückfragen von Journalisten:
    Dr. Annette Tuffs
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
    und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 / 56 45 36
    Fax: 06221 / 56 45 44
    E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

    Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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