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15.02.2011 10:28

Lösen Hormone Nierenkrebs aus?

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Patienten mit Bluthochdruck haben ein höheres Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken. Den Ursachen dafür sind Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg auf der Spur. Ihre Forschungen treiben sie mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Krebshilfe voran.

    Tatsache Nummer 1: Bei zu hohem Blutdruck ist das Risiko für Nierenzellkrebs fast doppelt so groß wie bei normalem Blutdruck. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Bluthochdruck medikamentös behandelt wird oder nicht. Das haben große internationale Studien mit insgesamt rund 50.000 Teilnehmern gezeigt. In Deutschland hat jeder vierte Einwohner zu hohen Blutdruck.

    Tatsache Nummer zwei: Bei vielen Bluthochdruck-Patienten ist zu viel körpereigenes Angiotensin II vorhanden. Dieses Hormon reguliert den Blutdruck. Besteht hier ein Zusammenhang zu den vermehrten Krebsfällen? Möglicherweise ja, meinen Professorin Dr. Helga Stopper und Dr. Nicole Schupp, Toxikologinnen von der Universität Würzburg. Sie haben nachgewiesen, dass ein zu hoher Angiotensin-II-Spiegel das Erbgutmolekül DNA schädigt. Diesen Effekt fanden sie in Nierenzellkulturen, an isolierten Mäusenieren und auch bei Ratten, in deren Organismus der Angiotensin-II-Spiegel erhöht war.

    DNA-Schäden: Reparatur oder Mutation?

    Die Frage heißt nun: Kann der Organismus diese DNA-Schäden reparieren? Oder bleiben sie im Erbgut als Mutationen erhalten, die später vielleicht Krebs auslösen? Das wollen die Forscherinnen zusammen mit Professor Dr. Bernd Epe vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Universität Mainz klären. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 375.000 Euro.

    DNA-Schäden treten in den Zellen eines Organismus tagtäglich auf. Doch eine gut funktionierende Reparaturmaschinerie kann die meisten davon beseitigen. „Übersteigt aber die Schädigung die Reparaturkapazität oder unterlaufen den Reparaturenzymen Fehler, kommt es zu Mutationen“ erklärt Helga Stopper. Diese Veränderungen der genetischen Information werden bei der Zellteilung an die Tochterzellen weitergegeben – und lassen im ungünstigsten Fall die Zelle zur Krebszelle entarten.

    Blauer Farbstoff zeigt Mutationsrate an

    Führt ein erhöhter Spiegel von Angiotensin II zu Mutationen? Das wollen die Wissenschaftlerinnen mit einem speziellen Mausmodell klären. Im Erbgut der Tiere befinden sich Bakteriengene: Isoliert man sie, können sie im Laborversuch einen blauen Farbstoff bilden – aber nur, wenn sie noch funktionstüchtig sind. Sind die Gene dagegen mutiert, verlieren sie diese Eigenschaft. Je weniger blaue Farbe entsteht, umso mehr Mutationen liegen in den Zellen vor. Auf diese Weise lässt sich prüfen, ob die Mutationsrate von der Angiotensin-Menge abhängt.

    Geringeres Krebsrisiko durch Medikamente?

    Gleichzeitig soll in dem Projekt untersucht werden, welchen Einfluss verschiedene blutdrucksenkende Medikamente auf die Häufigkeit von DNA-Schäden haben. „Denn es besteht die Möglichkeit, dass einige Wirkstoffgruppen hier vorteilhafter wirken als andere und damit möglicherweise das Krebsrisiko senken könnten“, so die Forscherinnen. Manche Wirkstoffe senken den Blutdruck, indem sie in das körpereigene Renin-Angiotensin-System eingreifen.

    Kontakt

    Dr. Nicole Schupp, Lehrstuhl für Toxikologie, T (0931) 201-48722,
    nicole.schupp(at)toxi.uni-wuerzburg.de

    Prof. Dr. Helga Stopper, Lehrstuhl für Toxikologie, T (0931) 201-48427,
    stopper(at)toxi.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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