idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
16.02.2011 11:15

Krebs durch zu hohen Blutdruck?

Dr. med. Eva M. Kalbheim Pressestelle
Deutsche Krebshilfe e. V.

    Forscher untersuchen, ob Blutdruckhormone das Erbgut schädigen

    Würzburg (gb) — In Deutschland leidet jeder vierte Einwohner unter zu hohem Blutdruck. Das auch als Hypertonie bezeichnete Leiden kann über Jahrzehnte hinweg unentdeckt bleiben und zu schweren Folgeerkrankungen führen, wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall. Doch Bluthochdruck löst möglicherweise auch Krebs aus. Denn bei einem Großteil der Hypertonie-Patienten ist das körpereigene blutdruckregulierende Hormon Angiotensin II erhöht. Dieses steht im Verdacht, das Erbgut zu schädigen und damit zur Entstehung eines Tumors zu führen. In einer von der Deutschen Krebshilfe mit 375.000 Euro geförderten Studie untersuchen Wissenschaftler nun den genauen Zusammenhang zwischen Angiotensin II und einer Krebsentstehung.

    Die Entwicklung eines Tumors beginnt mit Beschädigungen der Erbsubstanz (DNA). Da Körperzellen sehr häufig und durch unterschiedliche Ursachen DNA-Schäden erleiden, besitzen sie eine leistungsfähige Reparaturmaschinerie, um diese Defekte zu beheben. Treten jedoch zu viele Schäden am Erbgut auf oder arbeiten die Reparaturenzyme fehlerhaft, entstehen Mutationen. Zellen vermehren sich ständig und geben dabei ihre Erbinformationen an die Tochterzellen weiter. Auch die veränderten Gene einer mutierten Zelle werden an die nächste Generation weitergegeben. So kann aus einer solchen Zelle Krebs entstehen.

    Neben vielen anderen Faktoren wie UV-Strahlen, Chemikalien oder giftigen Stoffwechselprodukten kann offenbar auch ein zu hoher Blutdruck die Erbsubstanz beschädigen. Der Verursacher ist das Hormon Angiotensin II, das im Körper für den Anstieg des Blutdrucks sorgt. In Vorversuchen konnten Professor Dr. Helga Stopper und Dr. Nicole Schupp vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg bereits eine Schädigung der DNA durch Angiotensin II nachweisen. Nun wollen sie zusammen mit Professor Dr. Bernd Epe vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Universität Mainz klären, ob die durch das Hormon verursachten DNA-Schäden tatsächlich Krebs auslösen.

    Zudem untersuchen die Arbeitsgruppen, in welchem Ausmaß verschiedene blutdrucksenkende Medikamente in der Lage sind, das Auftreten von DNA-Schäden zu verhindern. Sie vermuten, dass einige Wirkstoffgruppen gegen Bluthochdruck die schädlichen Wirkungen von Angiotensin II besser unterbinden als andere.

    „Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Durch einen gesunden Lebensstil lässt sich die Entstehung einer Hypertonie in den meisten Fällen jedoch vermeiden. Sollte sich herausstellen, dass Bluthochdruck nicht nur Herzinfarkte und Schlaganfälle verursacht, sondern auch Krebs auslöst, könnten durch eine entsprechende Bluthochdruck-Prävention und -Therapie auch Krebs-Neuerkrankungen verhindert werden.“

    Interviewpartner und Bild auf Anfrage!

    Hintergrund-Information: Krebsforschung

    Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert werden. Diese Erfolge sind im Wesentlichen auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der wichtigste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Jährlich investiert die Deutsche Krebshilfe über 30 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung viel versprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

    Projektnr.: 109328

    Bonn, 16. Februar 2011

    Abdruck honorarfrei
    Beleg erbeten


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).