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17.02.2011 12:07

Patientenversorgung wird zur Dienstleistung weiterentwickelt

Vera Münch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
FZI Forschungszentrum Informatik

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe und des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) am KIT wollen die medizinische und pflegerische Versorgung des Patienten messen. Im Projekt INSPIRE arbeiten sie mit Kliniken und Pflegeorganisationen an der Frage, wie Medizin und Pflege besser gestaltet und bewertet werden kann. Für ihre Untersuchungen wenden sie Instrumente der Dienstleistungsforschung an.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe und des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) am KIT wollen die medizinische und pflegerische Versorgung des Patienten messen. Im Projekt INSPIRE arbeiten sie mit Kliniken und Pflegeorganisationen an der Frage, wie die Patientenversorgung durch diesen neuen Ansatz besser gestaltet und bewertet werden kann.

    „In INSPIRE untersuchen wir, wie Ärzte und Pflegeorganisationen sich untereinander vernet-zen und dem Patienten eine gemeinsame Dienstleistung bis zur vollständigen Genesung anbieten können. Wir konnten bereits in vorherigen Projekten aufzeigen, dass z. B. eine ver-besserte Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Krankenhaus einen erheblichen Ein-fluss auf die Heilungschancen hat und damit Leben retten kann. Diesen Ansatz gilt es nun in INSPIRE auch auf die Prozesse nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anzuwenden", erklärt Prof. Dr. Christof Weinhardt, Direktor im Forschungsbereich Information Process En-gineering (IPE) des FZI sowie Direktor am KSRI.

    Für ihre Untersuchungen wenden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Christof Weinhardt Instrumente der Dienstleistungsforschung an, bei der medizinische Einrichtungen und Pflegeorganisationen als Dienstleister betrachtet werden. An zwei konkreten Beispielen, dem Notfalleinsatz und der Nachsorge beim Schlaganfall, zeigen sie exemplarisch auf, wie diese neue Sichtweise funktionieren kann und Innovationen im Gesundheitswesen Einzug finden können. Leistungserbringern in Medizin und Pflege sollen Methoden und Werkzeuge an die Hand gegeben werden, die es ihnen ermöglichen, sich mit anderen Versorgern effi¬zient zu vernetzen.

    Das Projekt INSPIRE startete im November 2010 und wird vom Bundesministerium für Bil-dung und Forschung (BMBF) über drei Jahre mit ca. 1,4 Mio. € gefördert. Das Konsortium unter Federführung des FZI besteht aus dem KSRI am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie der Neurologischen Klinik Bad Neustadt/ Saale, dem Bayerischen Roten Kreuz, der CAS Software AG, der medDV GmbH und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

    INSPIRE hat sich das Ziel gesetzt, neben der präklinisch-klinischen Schnittstelle ebenfalls die klinisch-postklinische Schnittstelle für den Schlaganfall intensiv zu bearbeiten. Hierfür wird mit Stroke Angel ein im Regelbetrieb befindliches System zur Erfassung und Verarbeitung digitaler Informationen in der Präklinik weiterentwickelt. Darüber hinaus wird in INSPIRE die professionelle Betreuung der Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus anhand eines versierten Patientenbegleiters, dem sogenannten Stroke Manager, konzipiert, der mittels Beratung, Aufklärung und Entscheidungsunterstützung das Versorgungsnetzwerk rund um den Patienten koordinieren können soll. Dabei sollen telemedizinische Technologien unterstützend eingesetzt werden. Zu beiden Ansätzen werden Studien durchgeführt, um die Wirksamkeit der neuen Maßnahmen und Technologien zu testen. Darüber hinaus ist die Erstellung von Rechtsgutachten geplant, um die datenschutzrechtliche Grundlage für den Einsatz von Telemedizin in der Schlaganfallversorgung zu definieren.

    Hintergrundinformationen:
    Der Schlaganfall tritt in Deutschland jährlich ca. 200.000 Mal auf, wobei 20 % der Patienten innerhalb des ersten Monats und insgesamt über 37 % innerhalb eines Jahres sterben. 40 % der überlebenden Schlaganfallpatienten haben mit dauerhaften Defiziten zu kämpfen, und es besteht für sie eine hohe Wahrscheinlichkeit, innerhalb der folgenden Jahre einen weiteren Infarkt zu erleiden1). Die durch Schlaganfall verursachten volkswirtschaftlichen Kosten belau-fen sich dabei heute in Deutschland jährlich auf ca. 7,1 Mrd. Euro und werden sich nach Ex-pertenschätzungen2), die den gesellschaftlichen Wandel berücksichtigen, bis 2025 auf 108,6 Mrd. Euro summiert haben.

    Aufgrund des demografischen Wandels erwartet die Wissenschaft eine ähnliche Entwicklung auch bei anderen Krankheitsbildern, z. B. bei den Volkskrankheiten Herzinfarkt und Diabetes.

    1) Sefrin, P.; Griewing, B.; Ziegler, V.; Kippnich, U., 2007: Akutversorgung des Patienten mit Schlagan-fall. Vom Einsatzort bis zur „stroke unit“. In: Anaesthesist 56/4 (2007), S. 345-352.

    2) Kolominsky-Rabas PL, Heuschmann PU, Marschall D et al., 2006: Lifetime cost of ischemic stroke in Germany: results and national projections from a population-based stroke registry: the Erlangen stroke project. Stroke 2006; 37: 1179–83.

    Weitere Informationen
    FZI Forschungszentrum Informatik
    Haid-und-Neu-Str. 10-14, 76131 Karlsruhe
    Ansprechpartnerin: Johanna Barsch, FZI Corporate Communications
    Telefon:+49 721 9654-904
    E-Mail: barsch@fzi.de
    Internet: http://www.fzi.de

    Über das FZI Forschungszentrum Informatik
    Das FZI ist eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg und der ehemaligen Universität Karlsruhe (TH), jetzt Karlsruher Institut für Technologie (KIT), in der Rechtsform einer gemeinnützigen Stiftung bürgerlichen Rechts. Es hat die Aufgabe, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der In-formationstechnologie aus Informatik, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen verfügbar zu machen. In Kooperationsprojekten und in Auftragsforschung entwickelt das FZI für seine Geschäftspartner Konzepte für betriebliche Organisati-onsaufgaben sowie Software- und Systemlösungen und setzt diese in innovative Produkte, Dienstleis-tungen und Geschäftsprozesse um. Wissenschaftliche Exzellenz und Interdisziplinarität sind in der Organisation verankert: Für den Technologietransfer engagieren sich am FZI Professorinnen und Professoren, die am KIT und weiteren Universitäten in verschiedenen Disziplinen Informatik und ihre Anwendungen erforschen. Das FZI ist Innovationspartner des KIT, das aus dem Zusammenschluss der Universität Karlsruhe (TH) mit dem Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) entstanden ist.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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