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18.02.2011 13:05

Herzchirurgie: DGTHG-Leistungsstatistik 2010 veröffentlicht

Thomas Krieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

    Gesamtzahlen herzchirurgischer Eingriffe gleichbleibend +++ Hinweis auf potenzielle Nachteile neuer Therapieverfahren +++ Umfrage: Europäische Leitlinien zur Behandlung der koronarer Herzerkrankung in Deutschland noch nicht umgesetzt +++ Zahl der Herztransplantationen leicht gestiegen, Zahl der Spenderorgane aber weiterhin deutlich hinter Bedarf

    Wie die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) auf ihrer 40. Jahrestagung in Stuttgart bekannt gab, führten die deutschen Herzchirurgen im Jahr 2010 rund 122.000 Eingriffe durch. Diese Gesamtzahl entspricht der Zahl der Eingriffe in den Vorjahren. Weiter gestiegen ist im Jahr 2010 das Durchschnittsalter der operierten Patienten: Deutlich mehr als die Hälfte der herzchirurgischen Patienten waren im vergangenen Jahr 70 Jahre oder älter; im Jahr 1994 waren es dagegen nur rund ein Viertel der Patienten.

    Kathetergestützte Aortenklappenimplantation ist nur für Patienten über 75 Jahre mit Begleiterkrankungen Therapieoption

    Ein deutlicher Anstieg ist bei der Zahl der Herzklappeneingriffe zu verzeichnen, von denen im Jahr 2010 rund 25.000 durchgeführt wurden. 11.689 davon waren konventionelle Operationen zum Ersatz der Aortenklappe, die als Taschenklappen-Ventil zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader fungiert. Dazu kamen über 3.600 kathetergestützte Aortenklappenimplantationen, bei denen eine zusammengefaltete Herzklappenprothese über einen Katheter eingeführt, die defekte Aortenklappe beiseite gedrückt und die Prothese nach Entfaltung implantiert wird.

    Im Jahr 2010 wurden damit bereits knapp 25 Prozent der Aortenklappeneingriffe mit dem kathetergestützten Verfahren vorgenommen. „Der klare Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es für den Patienten weniger belastend als eine Operation ist. Allerdings empfehlen die Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen dieses Verfahren nicht ohne Grund bisher nur für Patienten über 75 Jahre, die zudem gravierende Begleiterkrankungen haben“, sagte Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der DGTHG. „Denn die Sterblichkeitsrate bei der konventionellen Aortenklappenoperation liegt abhängig vom Alter und dem Gesundheitszustand zwischen einem und drei Prozent. Bei kathetergestützten Implantationen werden auch für jüngere, gesunde Patienten Sterblichkeitsraten bis zu sieben Prozent beobachtet.“ Mohr appellierte deshalb noch einmal nachdrücklich an alle Kardiologen und Herzchirurgen, kathetergestützte Aortenklappenimplantationen nur gemeinsam und nach gründlicher Abwägung der Therapieverfahren durchzuführen. Er verwies dabei auch auf das Deutsche Aortenklappenregister, einer gemeinsam von Kardiologen und Herzchirurgen ins Leben gerufenen deutschlandweiten Erfassung aller Aortenklappeneingriffe inklusive einer Nachbeobachtung der Patienten über 5 Jahre, um wissenschaftlich begründet valide Aussagen zum Nutzen der Verfahren machen zu können.

    Mitralklappen: In knapp zwei Dritteln der Operationen Rekonstruktion möglich

    Mit einer absoluten Zahl von 5.341 war 2010 auch ein Anstieg bei den Mitralklappenoperationen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Mitralklappe dient als Segelventil dazu, den Rückfluss des Blutes aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof und damit in die Lunge zu verhindern. „In knapp zwei Dritteln der Eingriffe ist heute die Rekonstruktion - also die Reparatur – einer defekten Mitralklappe möglich. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Eingriff zu überleben, liegt bei 98 Prozent“, sagte Mohr. Wenn die Mitralklappe allerdings nicht mehr reparabel sei, müsse nach wie vor eine Herzklappenprothese eingesetzt werden. Dieser Eingriff betreffe vor allem ältere, oft durch erhebliche Begleiterkrankungen geschwächte Patienten, weshalb der Eingriff in dieser Patientengruppe auch eine höhere Sterblichkeit aufweise.

    Bypass-Operationen: Europäische Leitlinie wird in der Praxis nicht berücksichtigt

    Erneut leicht zurückgegangen ist die Zahl der Bypass-Operationen. Grund hierfür ist, dass die meisten Patienten mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße durch Erweiterung der Verengung und nachfolgender Stent-Implantation behandelt werden. „Dass dies nicht im Sinne aller Patienten sein kann, zeigen die Resultate wissenschaftlicher Studien“, kritisierte Professor Jochen Cremer, erster Vizepräsident der DGTHG. „Besonders bei komplizierten Dreigefäßerkrankungen ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von drei Jahren nach einer Behandlung mit Stents zu versterben, fast doppelt so hoch wie nach einer Behandlung durch eine Bypass-Operation.“ Deshalb hätten die europäischen Verbände von Kardiologen und Herzchirurgen eine sehr präzise Leitlinie zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung erlassen. Diese Leitlinie gäbe eine klare Orientierung, in welchen Fällen die Stent-Implantation und in welchen Fällen die Bypass-Operation die zu bevorzugende Therapie sei.

    Außerdem sieht die Leitlinie unter anderem die Bildung von so genannten `Herzteams´ aus Kardiologen und Herzchirurgen vor, um sicherzustellen, dass durch eine gemeinsame Entscheidung jeder Patient die für ihn bestmögliche Therapie erhält. Eine aktuell durchgeführte Umfrage der DGTHG bei den herzchirurgischen Abteilungen in Deutschland hat gezeigt, dass es in 80 Prozent der Kliniken mit Herzchirurgie und Kardiologie so genannte Herzkatheterkonferenzen gibt. Allerdings wird in über 70 Prozent der Kliniken von beiden Spezialisten gemeinsam die beste Therapieform nicht für alle Patienten erörtert, sondern nur für die Patienten, die von Kardiologen für die Bypass-Operation vorgesehen wurden. Das von der europäischen Leitlinie vorgesehene feste `Herz-Team´ ist nach den Auskünften der Kliniken zurzeit nur bei knapp 14 Prozent existent. Ein verbindliches Prozedere gemäß der neuen europäischen Leitlinie gibt es sogar nur in neun Prozent der Kliniken.

    Herztransplantationen: Leichte Zunahme nach historischem Tief

    Bei den Herztransplantationen konnten die deutschen Herzchirurgen im Jahr 2010 eine leichte Zunahme der Zahlen auf 379 Transplantationen vermelden, nachdem 2009 mit 347 Fällen die bisher niedrigste Zahl nach der Wiedervereinigung konstatiert worden war. „Die Zahl ist allerdings weiterhin unbefriedigend, wenn man einen Blick auf die im vergangenen Jahr eingesetzten Herzunterstützungssysteme wirft, deren Zahl von 479 im Jahr 2009 auf 652 im Jahr 2010 gestiegen ist. Da diese Herzunterstützungssysteme keine dauerhafte Lösung darstellen und damit nur eine Übergangslösung sind, dokumentieren diese Zahlen, dass sich der Bedarf an Spenderherzen weiter vergrößert hat“, so Mohr.


    Anhang
    attachment icon Präsentationsfolien Pressekonferenz DGTHG-Jahrestagung 2011

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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