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21.02.2011 08:42

Afrika: Gefälschte Medikamente entdecken

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    In den ärmeren Ländern der Erde sind bis zu 50 Prozent der Medikamente gefälscht – für Malariakranke und andere Patienten kann das den Tod bedeuten. Deutsche und afrikanische Partner gehen nun gemeinsam gegen Medikamentenfälschungen vor: Sie wollen einfache Testmethoden entwickeln, Personal schulen und Netzwerke bilden.

    Wer in einer Apotheke in Deutschland ein Medikament besorgt, kann ziemlich sicher sein, dass es die auf der Packung angegebenen Wirkstoffe tatsächlich auch enthält. Die Kontrollen in Europa sind zu streng, als dass gefälschte Medikamente in größerem Ausmaß auf den Markt gelangen.

    Anders sieht die Lage in ärmeren Ländern aus: Dort gibt es kaum Möglichkeiten, gefälschten Arzneien auf die Spur zu kommen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind in den Ländern des Südens bis zu 50 Prozent der Medikamente gefälscht. Dahinter stecke „kriminelle Energie und ein verkanntes Problem riesigen Ausmaßes“, so Privatdozent Dr. August Stich, Leiter der Tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg.

    Den Fälschungen schneller und effizienter auf die Spur kommen: Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten Pharmazeuten von der Universität Würzburg mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg, dem Deutschen Institut für ärztliche Mission (Difäm, Tübingen) und afrikanischen Partnern zusammen. Erste Schritte besprachen die Beteiligten in der vergangenen Woche bei einem Workshop im Missionsärztlichen Institut.

    Alle Arzneien sind betroffen

    „Gefälschte Medikamente enthalten entweder keine oder falsche Wirkstoffe oder diese nicht in der richtigen Qualität“, sagt Pharmazie-Professorin Dr. Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg. Betroffen seien alle Arzneien, vom Antibiotikum bis hin zum Mittel gegen Malaria. „Die Medikamente wirken dann nicht, die Patienten sterben an den Krankheiten“, so die Expertin für Qualitätssicherung von Arzneimitteln.

    Der Leiter der Arzneimittelhilfe des Difäm, Albert Petersen, sieht in den Ländern des Südens vor allem im privaten Markt einen „Sumpf“. Wer Medikamente bei Straßenhändlern kaufe, könne sicher davon ausgehen, Fälschungen zu erwerben. Hier sei ein Überwachungssystem der Behörden gefragt.

    Afrikaner berichteten beim Workshop

    Am Workshop in Würzburg nahmen auch 13 Afrikaner teil. Aliangiringa A. Kaale von der Universität in Daressalam beklagte, dass es in Tansania zu wenig Personal gebe, um Fälschungen aufzudecken. Das Land sei groß und biete vielfältige Möglichkeiten, falsche Medikamente auf den Markt zu bringen. Von Netzwerken verspricht Kaale sich viel.

    Für Probleme sorgen vor allem Malariamittel von schlechter Qualität, wie Enoch Osafo vom Catholic Drug Centre in Accra sagte. Routinemäßige Kontrollen könnten hier Abhilfe schaffen.

    Testmethoden noch präziser machen

    Die Projektpartner sehen dringenden Handlungsbedarf. Ziel sei es, einfache Testmethoden zu entwickeln, die auch in Afrika eingesetzt werden können. Auf solche Tests können Organisationen in Entwicklungsländern schon seit vielen Jahren zurückgreifen –das Missionsärztliche Institut hat dafür ein tragbares Labor mitentwickelt. Doch dieses „Minilab“ hat seine Grenzen: Es zeigt zwar an, ob der richtige Wirkstoff in einem Medikament steckt. Ob er auch in ausreichender Menge vorhanden ist, kann der Test aber nicht aufdecken. Dafür sind präzisere Methoden nötig.

    Personal schulen, Partner vernetzen

    Weiteres Ziel der Projektpartner: Das medizinische Personal der ärmeren Länder schulen und die afrikanischen Partner untereinander vernetzen. Dann könnten diese beispielsweise Chemikalien zum Testen von Medikamenten gemeinsam und damit preisgünstiger einkaufen. Am Ende soll ein Netzwerk aus universitären Einrichtungen, staatlichen Kontrollbehörden und nichtstaatlichen Organisationen stehen. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.

    Ghana, Tansania und Kamerun sind die ersten drei Länder, die im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. Weitere sollen folgen. Holzgrabe sprach von einem „Schneeballsystem“. Die Professorin ist optimistisch: „Wir werden nicht alle Probleme lösen, aber Anstöße geben“.

    Kontakt

    Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe, Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Würzburg, T (0931) 31-85461, holzgrab@pharmazie.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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