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25.03.2011 10:03

Deutschlandweit schon jetzt großes Interesse: HNO-Klinik entwickelt elektronische Patientenakte

Willi Baur Pressestelle
Universität Ulm

    Geboren aus der Not, inzwischen ausgereift und schon bald ein Erfolgsmodell? Alle Anzeichen deuten darauf hin: Die von der Ulmer Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) in eigener Regie entwickelte elektronische Patientenakte (ePA) findet deutschlandweit lebhaftes Interesse bei Klinikverantwortlichen. Dabei ist der Vertrieb des Informationssystems noch gar nicht angelaufen. Den hat jetzt die Ulmer Wilken Entire AG übernommen.

    "Die ePA hat uns auf Anhieb durch ihre tiefe Integration in die medizinischen Prozesse überzeugt", sagt Dr. Peter Kottmann, Vorstand des Unternehmens, das in diesem Zusammenhang am Standort Ulm weitere Arbeitsplätze schaffen will. "Dass die Software von Anwendern für Anwender entwickelt worden ist, war sofort erkennbar und ist zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal. Kottmann zufolge soll auch die Weiterentwicklung ganz eng an den Anforderungen der klinischen Anwender ausgerichtet werden.

    „Ursprünglich wollten wir nur weg von oft unleserlichen handschriftlichen Einträgen in die Krankenakte“, erinnert der Ärztliche Direktor der Klinik, Professor Gerhard Rettinger, an die Vorgeschichte. Nur: Die seinerzeit vorhandenen kommerziellen Programme seien für den Klinikbetrieb nur bedingt geeignet gewesen. Deshalb vor knapp sechs Jahren der Entschluss: „Dann machen wir es eben selbst.“ Gesagt, getan.

    Möglich freilich nur, weil gleich mehrere glückliche Umstände zusammen getroffen sind: Ein engagierter junger HNO-Arzt, Dr. Konrad Kastl, der die Entwicklung fachlich koordiniert hat. Dr. Siegfried Tewes, in Ulm promovierter Biophysiker, Klinikinformatiker seit 1999, der fast die gesamte Software selbst programmiert hat. Dazu das HNO-Personal, das eine Vielzahl an Erfahrungen, Anforderungen und Anregungen eingebracht hat, Ärzte wie Pflege- und Verwaltungskräfte gleichermaßen. „Ein ungemein spannender Prozess“, blicken Kastl und Tewes zurück, und mit einem erfolgreichen Ende dazu.

    „Die ePA will keiner mehr missen“, erklärt Chefarzt Professor Rettinger nicht ohne Stolz, „schließlich ist sie viel mehr als eine Akte“. Ein Klinik-Informationssystem nämlich, das nicht nur der Dokumentation diene, sondern auch der Organisation aller Abläufe, die Leistungserfassung eingeschlossen. „Aus der Praxis für die Praxis“ ist das Programm Tewes zufolge entwickelt worden. „Alle im Klinikbetrieb denkbaren Aspekte haben wir berücksichtigt“, sagt Kastl. Auch Schnittstellen zu anderen Bereichen, zur Pathologie oder Radiologie etwa. Viele Diagnostik-Geräte seien zudem digital angebunden, Ultraschall-Aufnahmen damit sofort am Bildschirm sichtbar und deutlich schärfer als bei den jetzt nicht mehr nötigen Ausdrucken.

    Für den Klinikchef besonders wichtig: „Patientendaten stehen auch im Notfall jederzeit vollständig zur Verfügung“, so Gerhard Rettinger. Diagnosen also, Klinikaufenthalte, verabreichte Medikamente, bisherige Behandlungen, die gesamte Verlaufsdokumentation. Dazu eine Vielzahl an überaus nützlichen Informationen für den Klinikbetrieb: Die Belegung der Betten unter anderem, die Verweildauer der Patienten, ihr aktueller Aufenthalt bis hin zu Dienst-, Urlaubs- und OP-Plänen. Nicht zu vergessen viele im System hinterlegte wertvolle Hilfen für das ärztliche Personal: Checklisten, Skizzen, Formulare, Textbausteine und Routinevorgänge vom Riech- und Schmecktext bis zur kompletten Allergiediagnostik. Keine Frage, dass auch Fotos problemlos integriert werden können, bei plastischen Eingriffen zum Beispiel, vorher und danach. „Gerade junge Kolleginnen oder Kollegen können sich an den Vorgaben entlang arbeiten und orientieren“, betont Dr. Kastl, „die Struktur gibt praktisch den Untersuchungspfad vor“.

    Rettinger zufolge ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil: Die hohe Akzeptanz beim gesamten Klinikpersonal durch die selbsterklärende Handhabung. „Eine zeitintensive Einarbeitung ist dadurch überflüssig.“ Nicht überraschend insofern die Resonanz auf eine erste öffentliche Präsentation des Systems bei einem internationalen Kongress im Vorjahr in Wiesbaden. „Zahlreiche Chefärzte deutscher Kliniken waren bereits hier, um sich genauer zu informieren. Inzwischen werden wir von Anfragen überschwemmt“, freuen sich die Ulmer HNO-Verantwortlichen. Für sie Anlass, Vermarktung und Betreuung einem Kooperationspartner zu übertragen. „Wir bleiben jedoch in die weitere Entwicklung integriert, das ist Bestandteil des Vertrags.“

    Weitere Informationen: Dr. Siegfried Tewes, Tel. 0731/500-59540


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
    Deutsch


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