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01.04.2011 12:21

ARD-Ratgeber Gesundheit berichtet aus Uni-Klinikum

Pascale Anja Dannenberg Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Zum Thema „Verödung der Nierenarterien: Neue Hoffnung bei hohem Blutdruck?“ berichtet der ARD-Ratgeber Gesundheit am kommenden Sonntag (03.04.2011) um 16.30 Uhr aus der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt). Hintergrund: Wenn blutdrucksenkende Medikamente nicht ausreichend helfen, können Patienten mit schwerem Bluthochdruck jetzt durch Nierendenervation innerhalb weniger Minuten dauerhaft von ihrem Leiden befreit werden.

    Die neue Therapie wird nach einer intensiven Forschungsphase seit Kurzem in der Medizinischen Klinik 4 in Kooperation mit dem Radiologischen Institut (Direktor: Prof. Dr. Michael Uder) des Uni-Klinikums Erlangen angeboten. Dabei werden Nierennerven über einen Katheter verödet und der Bluthochdruck so dauerhaft bis auf Normalniveau gesenkt. „Bei unseren ersten Patienten zeigte die Therapie eine beeindruckende Wirkung“, sagte der Erlanger Bluthochdruck-Spezialist Prof. Dr. Roland E. Schmieder. Bei einem Patienten konnte der Blutdruck von 173/99 mm Hg auf 133/89 mm Hg, das heißt in den Normalbereich unter 140/90 mm Hg gesenkt werden.

    30 Millionen Menschen hierzulande leiden unter Bluthochdruck. Auch wenn die Krankheit zunächst keine Symptome zeigt, werden trotzdem Blutgefäße und Organe wie Herz, Niere und Gehirn geschädigt. Schon bei geringem Anstieg der Blutdruckwerte verdoppelt sich das Risiko von schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Wesentliche Ursachen von Bluthochdruck sind Nierenerkrankungen und Veränderungen der Nierenfunktion. „Forschungsergebnisse zeigen, dass der Bluthochdruck auch dann, wenn keine fassbare Nierenerkrankung vorliegt, unter anderem von den Stressnerven der Nieren ausgeht“, sagt Prof. Schmieder. Die Stressnerven verlaufen entlang der Nieren-Blutgefäße und stehen in Verbindung mit dem Gehirn. Auf ihre Rückmeldungen werden blutdrucksteigernde Hormone ausgeschüttet, die bei bestimmten Patienten einer medikamentösen Blutdruckregulation entgegenwirken. An diesem Punkt setzt das neue Therapieverfahren der Nierendenervation an, das vor zwei Jahren in Australien entwickelt wurde und seitdem erfolgreich an Uni-Klinika in Erlangen, Homburg, Lübeck, Leipzig und Düsseldorf durchgeführt wird: Die Stressnerven der Nieren werden durch Verödung ausgeschaltet und der Blutdruck sinkt.

    Erfolgsquote von rund 85 Prozent
    Das Verfahren der Nierendenervation ähnelt dem einer Herzkatheteruntersuchung. Mit hochfrequenten Radiowellen eines winzigen Hochfrequenz-Kopfes, der unter örtlicher Betäubung über eine Leistenarterie eingeführt und bis in das Nierengefäß vorgeschoben wird, werden die Nerven bei rund 60 Grad Celsius verödet. Auf diese Weise wird die folgenschwere Fehlregulation des Blutdrucks unterbrochen. Bislang wurde bei rund 85 Prozent der Patienten eine deutliche Wirkung beobachtet: Die Blutdruckwerte sinken zwischen 15 und 60 mm HG, durchschnittlich um 30 mm HG bei den oberen, systolischen Blutdruckwerten. Auch die diastolischen Werte sinken, wenn auch nicht so deutlich. „Der volle Behandlungseffekt entfaltet sich gewöhnlich erst nach mehreren Monaten“, weiß Prof. Schmieder. Zwar können nach der Therapie die Patienten nicht auf alle ihre Blutdruck-Medikamente verzichten, aber der Blutdruck ist wieder besser kontrolliert. Bemerkenswert ist auch, dass die Blutdrucksenkung umso ausgeprägter ist, je höher die Ausgangswerte sind. Bei Patienten, die auch eine Blutzuckererkrankung haben (Diabetes mellitus Typ 2), kann auch diese Erkrankung deutlich besser werden, so dass eventuell sogar die Blutzuckermedikation reduziert werden kann.

    Vor der Entscheidung, ob die neue Therapie bei einem Patienten angewendet werden kann, müssen die Ursachen für den Bluthochdruck zunächst präzise diagnostiziert werden. Dabei müssen auch seltene Krankheiten erkannt oder ausgeschlossen werden. Ebenfalls muss das Ausmaß der Blutdruckfolgen erfasst werden, um dann langfristig eine wirksame Therapie zur dauerhaften Blutdrucksenkung beginnen zu können.

    In den meisten Fällen ist eine lebenslange medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks erforderlich. Wichtig ist, dass die für den Patienten jeweils am besten geeigneten Präparate ausgewählt werden. Mit den richtigen Medikamenten sollte der Blutdruck im Normalbereich gehalten werden und der liegt im Tagesmittel bei kleiner 135 zu 85 mm HG. Gewichtsabnahme, weniger salzreiche Kost, körperliche Bewegung und Nikotinverzicht können die Zahl der nötigen blutdrucksenkenden Medikamente verringern oder diese sogar ganz ersetzen. Aber bei jedem zehnten bis fünften Patienten senken die Medikamente den Blutdruck nicht ausreichend. In diesen Fällen bietet die Nierendenervation eine neue Therapie-Option. Weitere Informationen für Patienten: http://www.medizin4.uk-erlangen.de

    Weitere Informationen für die Medien:

    Prof. Dr. Roland E. Schmieder
    Tel.: 09131/85-36245
    roland.schmieder@uk-erlangen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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