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07.04.2011 13:08

Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland immer häufiger – DOG fordert mehr Forschung

Anna Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

    München – Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rechnet bis zum Jahr 2030 mit 25 Prozent mehr Blinden und Sehbehinderten in Deutschland. Denn die Deutschen werden immer älter – Blindheit und Sehbehinderung sind hierzulande vor allem ein Problem des Alters. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Diese Trends sind Ergebnis der Auswertung von Daten des Blindengeldarchivs des Landschaftsverbands Rheinland durch ein Forscherteam der Universitäts-Augenklinik Bonn.

    „In den nächsten zwei Jahrzehnten ist aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer deutlichen Zunahme der Neuerblindungen pro Jahr zu rechnen“, sagt Dr. med. Robert Finger, Leiter der Studie. Während im Jahr 2010 über 100 000 Personen in Deutschland neu erblindeten, werden es 2030 hochgerechnet etwa 125 000 Menschen sein. Die Anzahl der neu erblindeten Frauen pro Jahr wird dann mehr als doppelt so hoch wie die der neu erblindeten Männer sein. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird zum Zeitpunkt der Neuerblindung 80 Jahre und älter sein.

    Zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Universitäts-Augenklinik Bonn waren im Rheinland rund 20 000 Personen als blind oder stark sehbehindert registriert. Deren Sehvermögen liegt damit unter fünf Prozent beziehungsweise das Gesichtsfeld ist bis auf einen schmalen Tunnel von nur maximal zehn Grad eingeschränkt. Im Rheinland sind rund 50 von 100 000 Menschen betroffen, in ganz Deutschland etwa 44 von 100 000. Das Durchschnittsalter der Registrierten liegt derzeit bei 72 Jahren. Etwa zwei Drittel davon sind Frauen – mehr als die Hälfte von ihnen älter als 80 Jahre.

    Die Gründe sind nahezu ausschließlich altersbedingt, so die Bonner Forscher: Altersabhängige Makuladegeneration (AMD), eine Erkrankung der Mitte der Netzhaut im Alter, ist mit 50 Prozent die häufigste Ursache von neuer Erblindung und starker Sehbehinderung. Hierauf folgt das Glaukom – „Grüner Star“ – mit 15 Prozent. Die diabetische Retinopathie, eine Netzhauterkrankung als Folge von Diabetes mellitus liegt bei 10 Prozent. Diese Erkrankungen bleiben auch in Zukunft die führenden Ursachen für Erblindung. AMD wird dabei eine Spitzenposition einnehmen.

    Blindheit und Sehbehinderung schränken die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein. Auch Angehörige, die blinde Partner oder Kinder pflegen, sind davon belastet. Die Bereitstellung von medizinischen Services und Pflegeleistungen durch die Kranken- und Pflegekassen wird durch diese Entwicklung stark erweitert werden müssen: „Zudem wird der Bedarf an Transferleistungen wie Blindengeld und anderen Sozialleistungen notwendigerweise stark zunehmen“, sagt DOG-Präsidiumsmitglied Professor Dr. med. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten, fordert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft mehr Forschung für wirksame Therapien und Strategien zur Bewältigung dieses Problems. Hierfür müssen bereits jetzt entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden.

    Quellen:

    Finger et al., Prevalence and causes of registered blindness in the largest federal state of Germany, Br J Ophthalmol. 2011 Mar 3.

    Finger RP et al.. Incidence of blindness and severe visual impairment in Germany - projections for 2030. Invest Ophthalmol Vis Sci.2011 Mar 29. [Epub ahead of print] PubMed PMID: 21447690.

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    Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.900 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.
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    - Abdruck erwünscht, Beleg erbeten -

    Kontakt für Journalisten:
    Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
    Pressestelle
    Anna Julia Voormann
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-552
    Telefax: 0711 8931-167
    voormann@medizinkommunikation.org
    http://www.dog.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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