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20.04.2011 09:47

Apotheker des Dresdner Uniklinikums erschließen sich neue klinische Dimensionen

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Mit dem Einsatz von Apothekern auf den Stationen und der Ausgabe maschinell konfektionierter Medikamenten-Einzeldosen – das so genannte Unit-Dose-System – ist das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden Vorreiter für eine effizientere und sicherere Arzneimittelversorgung stationärer Patienten. Insgesamt unterstützen sechs Stationsapotheker die Mitarbeiter vor Ort, in dem sie Ärzte beraten und die verordnete Medikation über das Unit-Dose-System bestellen. Zwar werden einzelne Stationen bereits seit 1995 mit vorab konfektionierten Einzeldosen versorgt, doch zwischen 2006 und 2010 verdoppelte sich die Arzneimittelausgabe über das Unit-Dose-System auf 81.200 Tagesmedikationen.

    Diese positive Bilanz zog die Klinik-Apotheke Mitte April anlässlich der Präsentation ihres Domizils im neuen Versorgungszentrum des Uniklinikums. Insgesamt 50 Mitarbeiter verantworten Logistik, Beratung und auch die Herstellung von Arzneimitteln in einem hochmodernen, 600 Quadratmeter großen Bereich. Hier wird nach den strengen GMP-Standards industrieller Medikamentenherstellung produziert.

    „Mit der Einführung des Stationsapothekers haben wir den Anstoß für einen grundlegenden Wandel gegeben. Mit dieser neuen Rolle erweitern Krankenhausapotheker ihren bisherigen Aktionsradius: Sie stellen ihr Wissen genau dort zur Verfügung, wo über die Medikation entschieden wird und erschließen sich damit eine neue klinische Dimension“, sagt der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums, Prof. Michael Albrecht. Ein Grund für die stärkere Vor-Ort-Präsenz liegt in der steigenden Zahl älterer Patienten, die mit Vorerkrankungen zur stationären Behandlung kommen. Für die Ärzte ist dies mit einem Mehraufwand verbunden: Zum einen muss die laufende Medikation der Patienten fortgeführt und an die in der Klinik-Apotheke gelisteten Medikamente angepasst werden. Zum anderen sind die Wechselwirkungen bei der Gabe zusätzlicher Arzneimittel zu beachten. Bestimmte Medikamente beschleunigen beispielsweise den Abbau anderer Arzneimittel, was deren Wirksamkeit stark einschränken kann. Vor allem Ärzte in Kliniken mit chirurgischem Schwerpunkt werden in solchen Situationen mit Fragen konfrontiert, die keine unmittelbaren Bezüge zu ihrem Fach haben: „Mit der Präsenz von Apothekern auf der Station können behandelnde Ärzte diese Fragestellungen auf kurzem Weg klären und so Risiken möglicher Wechselwirkungen minimieren. Der Stationsapotheker trägt so zu einer höheren Patientensicherheit bei“, sagt Dr. Holger Knoth, Leiter der Klinik-Apotheke. Das bestätigt auch Prof. Klaus-Peter Günther, Direktor der Klinik für Orthopädie, die ihren auf beiden Stationen eine Apothekerin einsetzt: „Die ärztlichen Kollegen profitieren von den Diskussionen mit der Stationsapothekerin. Auch erhalten wird sehr positive Rückmeldungen von den Haus-ärzten, die sich darüber freuen, dass ihre Medikation im Rahmen des stationären Aufenthalts überprüft wird.“

    Die auf den Stationen tätigen Apotheker sichten im Rahmen täglicher Kurvenvisiten die zu Behandlungsbeginn erhobene Arzneimittelanamnese sowie die angesetzte Dosierung. Sie achten in diesem Zusammenhang auf die Laborparameter der einzelnen Patienten – beispielsweise die Nierenfunktion –, um gegebenenfalls Ärzten zu empfehlen, die Dosis verschriebener Arzneimittel zu verändern. Auch legen sie besonderes Augenmerk auf Kontraindikationen, also die Unverträglichkeit eines Medikaments auf Nebenerkrankungen, sowie auf die Überwachung von Wirksamkeit und Toxizität. Daneben berät der Stationsapotheker die behandelnden Ärzte in Fragen von Therapiedauer und Auswahl von Arzneimitteln. Beispielsweise lassen sich durch die Umstellung von injizierten auf oral gegebene Medikamente erhebliche Kosten reduzieren. Schließlich sucht der Stationsapotheker auch den Kontakt zu Patienten, um sie bei der Um- oder Einstellung von Medikamenten oder deren korrekter Einnahme zu beraten.

    Unit-Dose-System erhöht Effizienz in der Arzneimittelversorgung
    Die Kombination Unit-Dose-System und Stationsapotheker minimiert neben dem Ausschluss von Wechselwirkungen weitere Risikofaktoren: Sie entlasten das Pflegepersonal, in dem sie das Stellen der Medikamente übernehmen: Der Apotheker gibt nach der ärztlichen Visite die in den Patientenkurven festgehaltene Medikation in ein computergestütztes System ein – der damit verbundene Kommissionierautomat verpackt die Medikamenten-Einzeldosen für jeden Patienten. Die Übernahme dieser Aufgabe entlastet die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die häufig im Nacht¬dienst die Medikamente für den folgenden Tag stellen. Wie wissen¬schaftliche Untersuchungen belegen, geht diese nächtliche Tätigkeit jedoch mit einem höheren Risiko einher, das den Mitarbeitern dabei Fehler unterlaufen.

    Insgesamt nutzen derzeit zwölf Stationen des Universitätsklinikums Dresden das Unit-Dose-System, so dass täglich rund 250 stationäre Patienten auf diese Weise mit Arzneimitteln versorgt werden. Zwei in der Klinik-Apotheke des Dresdner Universitätsklinikums aufgestellte Automaten übernehmen das zentralisierte Stellen der Medikamente. Mit ihnen werden bis zu 1.000 unterschiedliche Arzneimittel in Blisterverpackungen kommissioniert, die entsprechend der Dosierungen unterteilt und beschriftet sind. Damit reduziert die Apotheke den Arzneimittelverbrauch, da sich die Stationsvorräte auf ein Notfallsortiment beschränken lassen – Verluste durch angebrochene und danach nicht mehr verwendete Verpackungen sinken deutlich. Zudem können die Eingaben der Medikation in das computergestützte Unit-Dose-System für jeden einzelnen Patienten ausgewertet werden. Dank der so gewonnenen Transparenz lässt sich der Anteil oral gegebener Arzneimittel an den gesamten Therapiekosten präzise ermitteln. Auch die Patienten profitieren unmittelbar von dem System. Anders als bei herkömmlich gestellten Medikamenten informiert ihn die Verpackung, was er einnimmt.

    GMP-Herstellungsbereich erfüllt Industrienormen
    Das rund 4.000 Quadratmeter große Versorgungszentrum mit seinen 100 Arbeitsplätzen beherbergt neben der Klinik-Apotheke das zentrale Lager des Dresdner Uniklinikums und weitere Bereiche wie Einkauf und Medizintechnik. Um die jährlich rund 60.000 stationären und 240.000 ambulanten Patienten mit individuellen, hochwirksamen Medikamenten versorgen zu können, gehört zu dem Neubau ein moderner Herstellungsbereich. Insgesamt misst dieser nach den strengen Standards industrieller Medikamentenherstellung (Good Manufacturing Practice – GMP) gebaute und betriebene Bereich knapp 600 Quadratmeter. Insgesamt 18 Mitarbeiter – vor allem Pharmazeutisch-Technische Angestellte, Pharmazie-Ingenieure und Apotheker – stellen hier Infusionen für die Chemotherapie, Augentropfen oder parenterale Ernährung ebenso her, wie Tabletten, Salben oder Ansätze für Lösungen und Infusionen.

    Kontakt
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
    Klinik-Apotheke
    Leiter: Dr. rer. nat. Holger Knoth
    Telefon: 0351 458 2330
    E-Mail: holger.knoth@uniklinikum-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://klinikapotheke.uniklinikum-dresden.de/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Organisatorisches
    Deutsch


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