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03.05.2011 14:25

DGNC-Kongress: Wann Gefäßfehlbildungen im Gehirn behandelt werden müssen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Hamburg – Seit Computer- und Magnetresonanztomographie detaillierte Einblicke in das menschliche Gehirn ermöglichen, werden Gefäßfehlbildungen häufiger entdeckt. Ihre rechtzeitige Behandlung kann das Leben der Betroffenen retten. Es gibt jedoch auch weniger gefährliche Varianten, bei denen eine Therapie nicht unbedingt notwendig ist. Wann Gefäßfehlbildungen behandelt werden müssen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, diskutieren Experten im Rahmen der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Hamburg.

    „Die meisten Gefäßfehlbildungen im Gehirn sind angeboren. Manche Varianten werden aber auch durch einen Bluthochdruck oder Rauchen begünstigt”, erklärt Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Neben Kopfschmerzen können die Fehlbildungen zu Krampfanfällen oder Lähmungen führen. In der Regel bleiben sie jedoch lange Zeit unbemerkt und werden zufällig entdeckt, wenn Ärzte aus anderen Gründen eine Computer- oder Magnetresonanztomographie durchführen.

    Eine Behandlung von Gefäßfehlbildungen ist mittels Katheter, durch eine Operation oder eine Strahlentherapie oft möglich. Eingriffe am Gehirn sind jedoch niemals ohne Risiko. Ob und wie dringend die Patienten behandelt werden müssen, richtet sich nach Art und Gefährlichkeit der Fehlbildung. Das größte Risiko geht von einem sogenannten Aneurysma aus. Dabei handelt es sich um blasenförmige Aussackungen der großen Hirngefäße an der Schädelbasis. „Jede Blutung ist hier ein hochdramatisches Ereignis, das häufig tödlich verläuft oder schwere Behinderungen hinterlässt”, warnt Seifert. Ob diese Gefahr droht, hängt von Größe und Lage des Aneurysmas ab, wie internationale Studien gezeigt haben. Ist eine Therapie notwendig, entscheiden Neurochirurgen und Neuroradiologen gemeinsam, ob eine Operation oder eine Katheterbehandlung günstiger ist. Bei der Operation verschließen die Ärzte das Aneurysma durch einen Titan-Clip im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs. Bei der Katheterbehandlung wird das Aneurysma von innen über den Gefäßweg mit Platinspiralen ausgefüllt.

    Eine weitere Gefäßfehlbildung stellen die arteriovenösen Angiome dar. Bei diesen Gefäßmissbildungen aus knäuelartig verschlungenen Blutgefäßen gelangt das Blut über die Arterien direkt in die häufig erweiterten Venen. Auch hier kann es zu einer Blutung kommen. Im Gegensatz zum Aneurysma besteht bei dieser jedoch nur selten unmittelbare Lebensgefahr. Haben Angiome geblutet, so müssen sie behandelt werden, um eine erneut Blutung zu verhindern. Auch wenn nicht blutende Angiome Symptome verursachen, zum Beispiel eine Epilepsie, ist eine Therapie angezeigt.

    Aus den sogenannten kavernösen Hämangiomen oder Kavernomen, einer weiteren Gefäßfehlbildung, blutet es nur selten. Häufig kommt es jedoch über kleinste Blutungen im Kavernom selbst zu einer Größenzunahme, die dann zu neurologischen Ausfällen führen kann. Weil sich kavernöse Hämangiome häufig in tiefer gelegenen Hirnbereichen befinden, kann die Operation schwierig sein. „Bei dem insgesamt geringen Blutungsrisiko muss die Behand¬lungsnotwendigkeit daher sorgfältig gegenüber den Risiken abgewogen werden“, so Seifert.

    Bei allen Gefäßfehlbildungen erfolgt die Therapie fächerübergreifend. Neurochirurgen, Neuroradiologen und Neurologen entscheiden gemeinsam, welches Vorgehen im Einzelfall am besten ist. „Die Behandlung sollte nur in einem Hirngefäßzentrum mit einem großen Patientenaufkommen und einer umfassenden Erfahrung der Ärzte durchgeführt werden“, betont Seifert, der die verschiedenen Therapieverfahren auch mit seinen Kollegen auf der DGNC-Jahrestagung diskutieren wird.

    Terminhinweis:

    Kongresspressekonferenz
    Montag, 9. Mai 2011, 12.15 – 13.15 Uhr
    Congress Center Hamburg, Saal 12, Am Dammtor/Marseiller Straße, 20355 Hamburg

    Themen und Referenten:

    + Neurochirurgie – Entwicklungen des Faches und Schwerpunkte der Jahrestagung
    Professor Dr. med. Manfred Westphal, Tagungspräsident, Ärztlicher Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    + Das Kind als Patient in der Neurochirurgie: Junge Krebspatienten gezielt behandeln – Nebenwirkungen minimieren
    PD Dr. med. Martina Messing-Jünger, Chefärztin der Abteilung für Kinderneurochirurgie, Asklepios Klinik Sankt Augustin

    + Tumoren der Wirbelsäule fächerübergreifend therapieren: Schmerzen lindern und Lähmungen beheben
    Professor Dr. med. Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

    + Die Zeitbombe im Kopf entschärfen: Welche Gefäßfehlbildungen des Gehirns sind gefährlich? Wie lassen sie sich behandeln?
    Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, Klinikum und Fachbereich Medizin der Goethe-Universität, Frankfurt am Main

    + Warum Hirntumor nicht gleich Lungentumor ist: Hirntumoren stärker beforschen und individualisierte Behandlungskonzepte entwickeln
    Professor Dr. med. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität München, Campus Großhadern

    Kontakt für Rückfragen:

    Silke Stark
    Pressestelle
    62. Jahrestagung der DGNC
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart

    Tel.: +49 (0)711 8931-572
    Fax: +49 (0)711 8931-167
    stark@medizinkommunikation.org


    Weitere Informationen:

    http://www.dgnc.de/2011/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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