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06.05.2011 13:23

Reizdarmpatienten mit Genveränderung haben stärkere Symptome

Dr. Annette Tuffs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

    Mutation beeinflusst Verarbeitung emotionaler Reize im Gehirn / Heidelberger Humangenetiker veröffentlichen in „Gastroenterology“

    Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden nicht nur an Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Bei rund der Hälfte kommen Angststörungen oder Depressionen hinzu. Jetzt hat die Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Beate Niesler, Abteilung Molekulare Humangenetik (Direktorin: Professor Dr. Gudrun Rappold) des Universitätsklinikums Heidelberg in Kooperation mit Professor Emeran Mayer von der University of California in Los Angeles (UCLA), USA, gezeigt: Patienten, bei denen eine bestimmte Genmutation vorliegt, haben stärkere Symptome als Patienten ohne diese Veränderung im Erbgut. Außerdem konnten die Wissenschaftler sowohl bei Reizdarmpatienten als auch bei gesunden Kontrollpersonen mit dieser Mutation eine veränderte Aktivität in einem speziellen Gehirnbereich, dem Mandelkern, nachweisen. Hier werden Reize emotional verarbeitet.

    Die Genveränderung liegt in der Erbinformation für einen Baustein des sogenannten Serotonin-3-Rezeptors. Der Rezeptor ist im Körper an ganz unterschiedlichen Vorgängen beteiligt. Im Mandelkern spielt er eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Reizen, die z.B. an der Entstehung von Übelkeit, Schmerzen oder der Stimmungslage beteiligt. Die Ergebnisse in Kooperation mit Professor Emeran Mayer von der University of California in Los Angeles (UCLA), USA, wurden in der hochrangigen Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht.

    Magnetresonanztomographie macht Gehirnaktivität sichtbar

    Die Heidelberger Wissenschaftler analysierten die Gene von 26 Reizdarmpatienten und 29 gesunden Studienteilnehmern. Die amerikanischen Kollegen ermittelten per Fragebogen bzw. anhand der Patientenakten, wie stark die Symptome der Patienten ausgeprägt sind. Außerdem untersuchten sie mit einem etablierten Testverfahren die Verarbeitung emotionaler Reize im Gehirn. Dazu zeigten die Forscher den Testpersonen zunächst Gesichter mit sichtbaren Gefühlsregungen und dann neutrale Bilder. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie wurden gleichzeitig die Durchblutung und damit die Aktivität des Mandelkerns gemessen. Je stärker die Durchblutung, desto größer die emotionale Verarbeitung im Gehirn.

    Patienten und gesunde Studienteilnehmer mit einer Genveränderung des Serotonin-3-Rezeptors zeigten eine höhere emotionale Reaktion. Außerdem hatten Reizdarmpatienten mit der Genvariante stärkere Krankheitssymptome.

    Wirksamkeit von Medikamenten gezielter untersuchen

    Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung leidet an Reizdarmsyndrom, die Dunkelziffer ist hoch. Die Erkrankung ist zwar nicht lebensbedrohend, kann jedoch nicht geheilt werden und führt zu einer erheblich reduzierten Lebensqualität, Fehlzeiten im Beruf und in gravierenden Fällen sogar zu Berufsunfähigkeit. Die langwierige Therapie hat zum Ziel, die Symptome zu lindern.

    Medikamente, die Serotonin-3-Rezeptoren blockieren, können bei einigen Patienten Symptome wie Durchfall, Schmerzen aber auch Depression und Ängstlichkeit mildern. „Unsere Ergebnisse sind wichtig für weitere klinische Studien, zum Beispiel um zu verstehen, warum diese Medikamente bei einigen Patienten wirken und bei andern nicht“, erklärt Professor Emeran Mayer. „Wir möchten z.B. herausfinden, ob die Wirksamkeit der Rezeptor-Blocker von der individuellen Genvariante der Reizdarm-Patienten abhängig ist.“ sagt Dr. Beate Niesler.

    Die Forscher möchten außerdem genauer verstehen, wie sich das Reizdarmsyndrom bei Patienten mit verschiedenen Genvarianten entwickelt und mit Depression und Ängstlichkeit in Zusammenhang steht. Dazu sollen möglichst viele Betroffene in Studien eingeschlossen werden.

    Weitere Informationen:
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neurogastro-and-psychiatric-disorders.100142.0.html

    Literatur:
    The HTR3A polymorphism c. -42C>T is Associated with Amygdala Responsiveness in Patients with Irritable Bowel Syndrome. LA Kilpatrick, JS Labus, K Coveleskie, C Hammer, G Rappold, K Tillisch, JA Bueller, B Suyenobu, JM Jarcho, JA McRoberts, B Niesler, EA Mayer. Gastroenterology, (Mar 2011)

    Kontakt:

    PD Dr.rer.nat. Beate Niesler
    Abteilung Molekulare Humangenetik
    Institut für Humangenetik
    Universitätsklinikum Heidelberg
    Tel.: 06221 / 565058
    E-Mail: beate.niesler@med.uni-heidelberg.de

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
    Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
    Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

    Bei Rückfragen von Journalisten:
    Dr. Annette Tuffs
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
    und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 / 56 45 36
    Fax: 06221 / 56 45 44
    E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

    Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


    Weitere Informationen:

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Neurogastro-and-psychiatric-disorders.1001...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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