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03.06.2011 14:47

12 Mio EU-Förderung: Besteht ein Zusammenhang zwischen frühkindlicher Entwicklung und Erkrankungen?

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

    Tübinger Wissenschaftler an Erforschung von Entwicklungsdeterminanten des Alterns und der Langlebigkeit beteiligt

    Die neue europäische Forschungsgemeinschaft Integrated Research on Developmental Determinants of Aging and Longevity (IDEAL) untersucht, wie bestimmte Umstände während der Entwicklung des menschlichen Lebens und in der frühen Kindheit den Gesundheitszustand eines Menschen in späteren Jahren beeinflussen. 14 akademische Zentren – darunter die „Tübingen Ageing and Tumour Immunology group“ (TATI) des Universitätsklinikums Tübingen – und zwei Firmen beteiligen sich an diesem von der Europäischen Union mit knapp 12 Millionen Euro finanzierten Forschungsprojekt.

    Die Forschungsmittel wurden vom Medizinischen Zentrum der Universität Leiden (LUMC) in den Niederlanden beantragt. Koordiniert wird das Projekt von den Professoren Eline Slagboom (LUMC) und Bas Zwaan (Universitäts- und Forschungszentrum Wageningen). Projektpartner ist die „Tübingen Ageing and Tumour Immunology group“ (TATI) des Universitätsklinikums Tübingen, die sich mit der Alterung des Immunsystems und Fragen der Tumorimmunologie beschäftigt. TATI (siehe http://www.tati-group.de/) konzentriert sich unter der Leitung von Prof. Graham Pawelec vorrangig auf den Einfluss früher Erfahrungen auf die Immunkompetenz im späteren Leben.

    Der Hungerwinter 1944/45
    Menschen, deren Mütter während des holländischen Hungerwinters (1944/1945) mit ihnen schwanger wurden, leiden 60 Jahre später häufig an Übergewicht und erhöhtem Blutdruck. Der Arbeitsgruppe um Eline Slagboom gelang der Nachweis, dass Unterernährung im Mutterleib Auswirkungen auf die Regulierung und Programmierung der Gene hat. Bas Zwaan untersucht dieses Phänomen an Tiermodellen. Solche sogenannten epigenetischen Marker in der DNA können das Funktionieren der Gene beeinflussen und sich auf den Gesundheitszustand, die Lebenserwartung und das Altern eines Lebewesens auswirken, da praktisch jedes Organ des Körpers in seiner Funktion von ihnen betroffen ist. Dazu gehört auch das Immunsystem, das innerhalb des gemeinsamen Projekts von den Tübinger Partnern untersucht werden soll. Die beteiligten Wissenschaftler wollen erforschen, welche in höherem Alter feststellbaren Befunde beispielsweise auf eine ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Mangel an Bewegung in jungen Jahren, auf Infektionen der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft oder auf eine künstliche Befruchtung (in vitro Fertilisation, IVF) zurückzuführen sind. Darüber hinaus können in Studien am Tiermodell, z. B. an Fruchtfliegen und Fadenwürmern, die entsprechenden Mechanismen aufgedeckt und auch experimentell manipuliert werden.

    Individuelle Unterschiede
    Ziel der Forscher ist nicht nur das Aufzeigen möglicher Effekte, sondern auch deren Erklärung. Welche Gene und Mechanismen verbinden frühe Entwicklungen, Wachstum und Gesundheit in späteren Jahren miteinander? Und welche Rolle spielt die sich schnell weiterentwickelnde Umwelt der Menschheit in Relation zu der Umgebung, in der wir Menschen uns entwickelt haben (evolutionäres „Mismatch“)? Darüber hinaus hoffen die Wissenschaftler, Werkzeuge und Methoden zu entdecken, mit denen sich die Auswirkungen früher Umstände, sowohl in utero als auch nach der Geburt, verfolgen lassen, bevor Gesundheitsprobleme auftauchen. Und schließlich soll untersucht werden, wie die Interaktionen zwischen epigenetischen und genetischen Faktoren zu den deutlichen Unterschieden zwischen den Individuen hinsichtlich Gesundheit, Alterung und Lebenserwartung beitragen.

    Ansprechpartner für nähere Informationen:

    Universitätsklinikum Tübingen
    Medizinische Klinik, Abt. Innere Medizin II,
    Sektion für Transplantationsimmunologie und Immunhämatologie
    Prof. Dr. Graham Pawelec
    Waldhörnlestr. 22, 72072 Tübingen
    Tel. 07071/29-8 28 05
    graham.pawelec@uni-tuebingen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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