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09.06.2011 11:45

Deutsche Urologen empfehlen Reha nach Prostatakrebs-Behandlung

Bettina-Cathrin Wahlers Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

    Immer wieder fragen betroffene Patienten, ob nach der Behandlung eines Prostatakarzinoms eine Reha notwendig ist. Pauschal lässt sich das kaum beantworten. „Die Entscheidung hängt besonders vom Stadium der Erkrankung ab und damit auch von der Art der Behandlung sowie ihrer unterschiedlichen Folgeerscheinungen“, sagt Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V..

    Meistens wird eine stationäre Anschlussheilbehandlung (AHB) jedoch sehr empfohlen, so der Urologe aus Neumünster. „Sie führt zur zügigeren Überwindung körperlicher und persönlicher Einschränkungen und damit zur schnelleren Rückkehr in den gewohnten Lebensalltag“, betont auch die Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), Professor Dr. Sabine Kliesch. Offizielle Angaben über die Zahl beantragter AHB und Rehas nach der Primärbehandlung von Prostatakrebs gibt es zwar nicht, nach Schätzungen geschieht dies jedoch nur in jedem zweiten Fall.

    In Deutschland ist das Prostatakarzinom mit mehr als 60.000 Neubefunden pro Jahr die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Eine Primärbehandlung bei Prostatakrebs – ganz gleich, ob durch eine Operation oder durch Strahlentherapie - ist ein schwerer körperlicher Eingriff, der in der Regel immer von unerwünschten Folgen begleitet ist. „Bei der radikalen Prostatektomie können dies Inkontinenz und erektile Dysfunktion sein, bei der Strahlenbehandlung eher allgemeine Erschöpfung sowie Symptomatiken von Darm und Blase und erst in der Spätfolge Erektionsstörungen“, so Dr. Schroeder. In allen Fällen ist die seelische Belastung für den Patienten hoch – nicht allein durch die Diagnose Krebs, sondern auch durch die Behandlung. Rezidivängste, depressive Episoden und Schlafstörungen sind keine Seltenheit. Aus diesen Gründen hält auch Dr. Dr. Stefan Buntrock, Chefarzt einer großen Rehaklinik, nach onkologischen Eingriffen in jedem Fall eine urologische Anschlussheilbehandlung, aber im weiteren Krankheitsverlauf auch eine Rehabilitation für notwendig.

    Anschlussheilbehandlung und Reha unterscheiden sich hauptsächlich durch den Zeitpunkt, zu dem sie nach der Behandlung eingeleitet werden. Die AHB muss spätestens zwei Wochen nach der Entlassung aus der Akutklinik beginnen, die Reha binnen eines Jahres. Weil der Körper des Patienten zum Zeitpunkt einer AHB in der Regel noch nicht wieder voll belastbar ist, wird dies beispielsweise bei der Intensität von Bewegungsübungen des Beckenbodens berücksichtigt, erläutert Dr. Dr. Buntrock, in dessen Klinik AHB den überwiegenden Teil der Rehabilitationsmaßnahmen ausmachen. „Ob AHB oder Reha, wir sehen die Krankheit nicht körperlich isoliert, sondern in einem bio-psycho-sozialen Kontext. Die Rehabilitation darf sich nicht nur auf die körperlichen Folgen beschränken, sondern sie soll zudem die psychischen Belastungen der Patienten angehen und auch die Krankheitsfolgen im Zusammenhang mit Familie, Partnerschaft, Arbeit und sozialer Aktivität berücksichtigen,“ so der Urologe aus Bad Wildungen. Es gehe um Lebensqualität.

    Kostenträger von AHB und Rehas ist in den meisten Fällen die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Zahlen zu medizinischen Rehabilitationen nach Prostatakrebs-Operationen hat die DRV nicht. Reha-Experte Dr. Dr. Buntrock geht davon aus, dass höchstens bei 50 Prozent aller Eingriffe anschließend eine AHB oder Reha folgt. Es gebe keine Daten darüber, warum sie nicht öfter in Anspruch genommen würden. Häufiger sei von Patienten zu hören, dass sie nach dem überstandenen Eingriff nur ungern ihr gewohntes Umfeld verließen. Doch auch die Möglichkeit einer wohnortnahen ambulanten Rehabilitation wird, nach Informationen der „Ärzte Zeitung“, selten genutzt. Ihr Anteil liegt danach nur bei etwa einem Prozent aller onkologischen Rehas.

    Einen Schwerpunkt von urologischen AHB und Reha-Maßnahmen sieht Chefarzt Buntrock in der Behandlung postoperativer Harninkontinenz. Dabei hilft nach seinen Worten der Faktor Zeit. Die aktive Mitgestaltung durch entsprechendes Training verkürze jedoch die Zeiträume und erhöhe die Erfolgsaussichten. Der ganzheitliche Ansatz ziele aber eben auch darauf, die psychische Belastung des Krebspatienten zu mindern und seine uneingeschränkte Wiedereingliederung in das gewohnte familiäre, soziale und berufliche Leben zu forcieren. Angesichts des Alters der Patientengruppe – oft 60 Jahre und mehr – sei es in der Reha zudem wichtig, durch angeleitete Änderungen des Lebensstils darüber hinaus Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck zu minimieren. Nach Empfehlung durch ihren behandelnden Urologen in Klinik oder Praxis sollten Prostatakrebs-Patienten die urologische Rehabilitation deshalb möglichst nutzen, resümieren DGU-Pressesprecherin Prof. Kliesch und der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V., Dr. Schroeder.


    Weitere Informationen:

    http://www.urologenportal.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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