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20.06.2011 14:49

Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz bietet neues Therapieverfahren bei AMD an

Dipl.-Betriebswirtin (FH) Caroline Bahnemann Stabsstelle Kommunikation und Presse
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Erst wenige Kliniken in Deutschland führen die „epimakuläre Brachytherapie“ durch

    Die Universitätsmedizin Mainz bietet als eine der ersten Kliniken in Deutschland ein neuartiges Therapieverfahren zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) an. Bei der so genannten epimakulären Brachytherapie wird die Makula – die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut – von innen gezielt bestrahlt und so die Wucherung krankhafter Blutgefäße, die für die Erkrankung verantwortlich sind, dauerhaft verhindert. Die Behandlung erfolgt gemeinsam durch die Augenklinik und die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie.

    Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in den Industrieländern Hauptursache für Erblindung in der Altergruppe der über 65-Jährigen. In dieser Altersgruppe sind 15 bis 18 Prozent der Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Insgesamt leiden allein in Deutschland rund 3,5 Millionen Menschen an AMD – aufgrund der demographischen Entwicklung ist die Tendenz deutlich steigend. Bei der so genannten „feuchten“ AMD wachsen innerhalb der Makula in kurzer Zeit krankhafte Blutgefäße von der Aderhaut in die Mitte der Netzhaut hinein. Diese neu gebildeten Blutgefäße sind minderwertig und führen immer wieder zu Blutungen, wodurch die Makula unwiederbringlich zerstört wird.

    Als Standardtherapie bei der Behandlung der feuchten AMD hat sich in den letzten Jahren die Injektion von so genannten VEGF-Hemmern direkt in den Glaskörperraum des Auges etabliert. Dies sind hochwirksame Medikamente zur Abdichtung der krankhaften, leckenden Blutgefäße. „Alle verfügbaren Studien zeigen allerdings, dass beim derzeitigen Behandlungsschema von durchschnittlich 5 bis 6 Injektionen pro Jahr etwa 50 Prozent der Patienten nicht oder nicht ausreichend auf die Behandlung mit VEGF-Hemmern reagieren“, erläutert PD Dr. Bernhard Stoffelns, Oberarzt und Leiter des Funktionsbereichs Retinologie an der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Für diese Patienten und solche, die an speziellen Subtypen der feuchten AMD leiden und deshalb nicht auf die Standard-Injektionstherapie ansprechen, ist die epimakuläre Brachytherapie eine sehr aussichtsreiche Alternative.“

    Bei diesem interdisziplinären augenärztlich-strahlentherapeutischen Verfahren wird die geschädigte Makula lokal und von innen, das bedeutet aus dem Glaskörperraum heraus, bestrahlt. Augenärzte und Strahlentherapeuten führen den 30 bis 40 minütigen Eingriff gemeinsam durch. Dabei wird zunächst der Glasköper des Auges entfent. Anschließend führen die Ärzte eine dünne Kanüle in das betäubte Auge ein. Durch diese Kanüle wird die Strahlenquelle – ein umschlossener Strontium-90-Betastrahler – über eine Fernbedienung in den Glaskörperraum des Auges direkt vor die Makula geschoben. Der Operateur kann nun unter Mikroskopsicht die Strahlenquelle unmittelbar über die AMD-Läsion bringen und diese nach einem festen Strahlenplan etwa vier Minuten lang einmalig und gezielt bestrahlen, bis die Zieldosis von 24 Gray erreicht ist. Die Form der Kanüle ermöglicht es, einen definierten Abstand von 2,6 Millimetern zum Zielgebiet einzuhalten. So wirkt die Strahlung exakt auf das erkrankte Areal unter bestmöglicher Schonung des umliegenden Gewebes.

    „Der Vorteil der epimakulären Brachytherapie liegt für den AMD-Patienten zum einen in der dauerhaften Stabilisierung oder Verbesserung seines Sehvermögens, wobei gleichzeitig die häufigen, für den Patienten belastenden Injektionen mit VEGF-Hemmern deutlich reduziert oder vermieden werden können, und zum anderen in der Minimierung der systemischen Risiken, die VEGF-Hemmer für das Herz-Kreislauf-System darstellen“, beschreibt PD Dr. Stoffelns. Daraus resultiert letztlich auch ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität für den Patienten.“ Die bisher vorliegenden Ergebnisse klinischer Studien zur Anwendung der epimakulären Brachytherapie sind sehr vielversprechend, es wurden bis dato keinerlei strahlenassoziierte Nebenwirkungen beobachtet.

    In Mainz wird der Eingriff im Rahmen eines stationären Aufenthaltes von 3 bis 5 Tagen durchgeführt. Die Kostenübernahme für die epimakuläre Brachytherapie muss bei der Krankenkasse beantragt werden.

    Weitere Informationen
    http://www.unimedizin-mainz.de/augenklinik/patienten/retinologie.html
    http://www.strahlenstift.de

    Kontakt
    PD Dr. med. Bernhard Stoffelns, Oberarzt und Leiter des Funktionsbereichs Retinologie
    Augenklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    E-Mail: bernhard.stoffelns@unimedizin-mainz.de
    Homepage: www.unimedizin-mainz.de/augenklinik/patienten/retinologie.html

    Pressekontakt
    Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
    Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

    Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter http://www.unimedizin-mainz.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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