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05.07.2011 12:48

Neue Diagnosekriterien für die Alzheimerkrankheit

Ricarda Wessinghage Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

    Frankfurter Wissenschaftler veröffentlicht mit internationalem Team Empfehlungen zu bahnbrechenden Schritten zur Verbesserung der Früh- und Differentialdiagnose von Gedächtnisstörungen und Alzheimer

    Im Juni 2011 wurde unter Beteiligung des international renommierten Frankfurter Alzheimerforschers Prof. Dr. Harald Hampel und eines europäischen Expertenteams in einem der weltweit einflussreichsten klinischen Journale Lancet Neurology [1] eine Stellungnahme zu neuen diagnostischen Kriterien der Alzheimerkrankheit (AD) veröffentlicht.
    Parallel dazu veröffentlicht Prof. Hampel, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, mit führenden Experten im anerkannten internationalen Hirnforschungsjournal Trends in Neurosciences [2] herausragende Befunde zur besonderen Rolle moderner bildgebender Verfahren (Neuroimaging) bei der Alzheimerfrühdiagnostik.

    Die Zahl der AD-Kranken nimmt weltweit dramatisch zu und wird zu einer der führenden Volkskrankheiten. Leider wird die AD im klinischen Alltag oft zu spät erkannt oder mit anderen, klinisch ähnlich verlaufenden Erkrankungen verwechselt. Dies führt zu unzureichender oder gar falscher Behandlung. Eine sichere Frühdiagnostik ist wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung der AD-Epidemie.

    Seit Jahren wird daher an einer Verbesserung der AD-Diagnostik gearbeitet: Die neuen Diagnosekriterien, die vom amerikanischen National Institute of Aging und der Alzheimer Association erstellt wurden, tragen diesen jüngsten Fortschritten in der Alzheimerforschung Rechnung. Sie beziehen explizit den Gebrauch von Biomarkern als zusätzliche Methode zur Erhöhung der diagnostischen Sicherheit mit ein. Biomarker sind objektiv messbare Indikatoren (z.B. die Konzentration bestimmter Eiweißstoffe im Nervenwasser oder die Volumenminderung bestimmter Hirnbereiche in bildgebenden Verfahren), die AD-typische pathologische Veränderungen aufzeigen. Zu solchen Veränderungen gehören die Akkumulation des Aβ-Proteins im Gehirn sowie ein fortschreitender Untergang von Nervenzellen mitsamt ihren Verknüpfungen und Nervenbahnen im Gehirn.
    Für diese beiden pathologischen Kardinalprozesse liegen mittlerweile zahlreiche validierte Biomarker vor, deren Beobachtung von bildgebenden Verfahren (z.B. der Magnetresonanz- oder Positronemissionstomographie) bis hin zu chemischen und molekularen Untersuchungen des Nervenwassers reichen.

    Eine wesentliche Frage betrifft die Anwendung und Anwendbarkeit dieser Biomarker in Praxis und klinischem Alltag. Hier weisen Prof. Hampel und weitere Autoren auf folgende wichtige zu berücksichtigende Aspekte hin.
    Der Gebrauch von Biomarkern hilft grundsätzlich, die Früh- und Differentialdiagnose der AD zu verbessern. Jedoch ist die Abnahme, Verarbeitung und Analyse dieser Biomarker noch nicht ausreichend einheitlich standardisiert, was die Ergebnisbeurteilung und die Interpretation zweideutiger oder widersprüchlicher Befunde deutlich erschweren kann.
    Deshalb gibt die Expertengruppe, deren Mitglied Prof. Hampel ist, eindeutige Empfehlungen zum Umgang mit diagnostischen AD-Biomarkeruntersuchungen in der klinischen Praxis. AD-Biomarker werden für den Einsatz in der klinischen Diagnostik eindeutig empfohlen, sollen jedoch bevorzugt in klinischen Expertenzentren eingesetzt werden, die über die nötige Methodenexpertise, etablierte Standards und ausreichend Erfahrung verfügen. Denn ausschließlich solche Zentren können die notwendigen Standardprozeduren, die Analysequalität und die korrekte Interpretation der Biomarkerbefunde gewährleisten. Nur so verbessern Biomarker tatsächlich die AD-Diagnose. In der Regel erfüllen vornehmlich größere klinische Zentren mit angeschlossenen Gedächtnis- oder Demenzambulanzen, eigens ausgerüsteten Laboren und langjähriger Erfahrung in der Biomarkerentwicklung diese Anforderungen.

    Die neuen Diagnosekriterien sollen baldmöglichst zum breiten klinischen Einsatz kommen. Denn Patienten und Angehörige erwarten ungeduldig, dass diese Fortschritte Wirklichkeit werden. Das Frankfurter Universitätsklinikum mit der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie bietet hierbei die neuesten Diagnose- und Therapieverfahren für Menschen für Gedächtnisstörungen an.

    Referenzen:
    [1] Frisoni GB, Hampel H, O'Brien JT, Ritchie K, Winblad B. Revised criteria for Alzheimer's disease: what are the lessons for clinicians? Lancet Neurology 2011 Jul;10(7):598-601

    [2] Ewers M, Sperling RA, Klunk WE, Weiner MW, Hampel H. Neuroimaging markers for the prediction and early diagnosis of Alzheimer's disease dementia. Trends in Neurosciences 2011 Jun 20. [Epub ahead of print]


    Weitere Informationen:

    http://www.psychiatrie.uni-frankfurt.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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