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06.07.2011 13:15

Sind Streptokokken-Infektionen Auslöser für Tic- und Zwangsstörungen?

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erforschen im Rahmen einer europaweiten Studie, inwieweit autoimmunologische Prozesse als Folge einer Streptokokkeninfektion sich stark wiederholende Verhaltensweisen wie Tics und Zwangsstörungen auslösen können. Die Europäische Union fördert diese Studie mit 6 Millionen Euro.

    „Der Verdacht eines solchen Zusammenhangs besteht schon länger“, erklärt Prof. Veit Rößner, Direktor der der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, „allerdings gab es bisher keine entsprechenden Studien, um gesicherte Daten zu erhalten.“ Dabei wäre eine Bestätigung der These ein Meilenstein in der Behandlung von Tic- und Zwangstörungen. Denn erstmals wäre eine abgesicherte ursächliche Behandlung möglich. Auch präventive Maßnahmen könnten bei einem bekannten Risiko gefährdeter Kinder und Jugendlicher in greifbare Nähe rücken.

    Die Dresdner Mediziner arbeiten bei dieser Studie mit Biopsychologen der TU Dresden zusammen, die den Stress-Level der letzen Monate anhand von Messungen des Cortisol-Gehalts im Haar der Studienteilnehmer zurückverfolgen können. Denn Stress ist neben genetischen und immunologischen Ursachen der dritte vermutete Faktor bei den beobachteten Veränderungsprozessen und Schwerpunkt des Dresdner Teilprojektes, für das etwa 400.000 der insgesamt sechs Millionen Euro an EU-Fördergeldern zur Verfügung stehen.

    Nach den Vorstellungen der Forscher lösen die Streptokokken-Infektionen Schwellungen und Entzündungsprozesse in bestimmten Gehirnregionen aus, die dann wahrscheinlich Neurotransmissionsprozesse verändern und so Tics und Zwangshandlungen auslösen bzw. verstärken können. Um diese Vermutung zu bestätigen oder zu widerlegen, startet jetzt die europaweite multizentrische Studie EMTICS mit Forschern aus den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Israel, Griechenland, Ungarn, Spanien und Deutschland.

    Die Forscher wollen valide Aussagen zu den Auswirkungen bestimmter Streptokokkenstämme hinsichtlich der Verstärkung oder Auslösung von Tics und Zwangshandlungen ermitteln, die aufgrund der zu geringen Fallzahlen bisheriger Studien nicht möglich waren. Denn sehr viele Kinder stecken sich bei engem Kontakt mit einem meist nicht erkennbar kranken Keimträger (Kindergarten, Schule, Krabbelstube oder eigene Familie) mit Streptokokken an. Nur ein bis drei Tage später erkrankt das Kind meist für wenige Tage mit Symptomen wie Schluckbeschwerden, Kopfschmerzen und (unterschiedlich hohem) Fieber, aber nur sehr wenige entwickeln zeitgleich Tics und/oder Zwänge. In Folge der Studie ergäben sich Möglichkeiten zum Entwickeln eines diagnostischen Verfahrens und zum ersten Mal ursächliche Therapiemöglichkeiten für diese Krankheitsbilder.

    In die Studie werden zum einen gesunde Kinder von betroffenen Familien aufgenommen, wo entweder Geschwister oder die leiblichen Eltern bereits unter Tics oder Zwangshandlungen leiden. Eine zweite Gruppe bilden Kinder, die selbst an diesen Krankheitsbildern leiden. Ein Teil der Kinder dieser Gruppe wird mit einem Antibiotikum behandelt, das die Streptokokken abtötet. Nach der Theorie der Wissenschaftler sollte das zu weniger Tics und Zwangshandlungen führen. Schließlich werden im Tiermodell die im Menschen gebildeten Antikörper direkt ins Maushirn eingebracht und die Auswirkungen auf die veränderten Neurotransmissionsprozesse beobachtet.

    Kontakt
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
    Direktor: Prof. Veit Roessner
    Tel.: (0351) 458 22 44
    E-Mail: veit.roessner@uniklinikum-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://www.kjp-dresden.de/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


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