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11.07.2011 16:34

29 Millionen Euro für neues Forschungszentrum an der TU Braunschweig

Dr. Elisabeth Hoffmann Presse und Kommunikation
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig

    Maßgeschneiderte Medikamente kostengünstig herstellen

    Kann man Medikamente in Zukunft kostengünstiger herstellen? Wird es Arzneimittel geben, die auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sind, maßgeschneidert für seine Bedürfnisse, besonders wirksam und verträglich – und trotzdem erschwinglich? Forscher der Technischen Universität Braunschweig wollen dies auf der Basis neuer Technologien möglich machen. Experten aus Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik werden zu diesem Zweck langfristig zusammenarbeiten – nach einem in Deutschland bisher einmaligen Modell. Auf dem Campus soll zu diesem Zweck ein neuer Forschungsbau für Pharmaverfahrenstechnik entstehen.

    Fast 29 Millionen Euro werden Bund und Land – so der Plan – dafür bereitstellen. Das haben der Wissenschaftsrat, das höchste deutsche Beratungsgremium des Bundes und der Länder, und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur heute bekannt gegeben.

    Visionen für die Pharmaproduktion der Zukunft

    „Forscher in aller Welt bewegt die Frage, wie wir künftig die medizinische Versorgung der Bevölkerung sichern können, ohne dass die Kosten explodieren“, erläutert Prof. Arno Kwade. Er ist Sprecher der Antragssteller und Leiter des Instituts für Partikeltechnik der TU Braunschweig. Weil die Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt immer älter werde, nähmen auch die altersbedingten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs stark zu. Um dem zu begegnen, seien nicht nur neue Wirkstoffe notwendig. „Unser Konzept setzt an drei Stellen an“, erklärt Kwade. „Wir wollen erstens die Produktionsverfahren für Arzneimittel verbessern und dadurch Kosten sparen.“ Weltweit, so schätzen Experten, lassen sich durch die Verbesserung der Verfahren 90 Milliarden US-Dollar einsparen.

    „Viele interessante Wirkstoffkandidaten sind zurzeit noch nicht nutzbar“

    Doch auch bei den Wirkstoffen selbst sehen die Braunschweiger Verbesserungspotenzial. „Viele interessante Wirkstoffe kommen gar nicht zum Einsatz, weil sie aufgrund ihrer schlechten Löslichkeit vom Körper nicht gut genug aufgenommen werden können. Mit unserer Expertise in der Pharmazie und in der Mikro-Nano-Produktionstechnik wollen wir Methoden schaffen, um diese Substanzen wirksamer und gleichzeitig optimal verträglich zu machen“, so Prof. Kwade.

    Langfristig verfolgt das Pharmaverfahrenstechnik Zentrum (PVZ) noch eine dritte Vision: Die Forscher in Braunschweig halten es für machbar, Medikamente in Zukunft genau auf die Bedürfnisse einzelner Patienten zuzuschneiden. Diese könnten zum Beispiel in Mini-Arzneimittelfabriken hergestellt werden. Spezielle Wirkstoffkombinationen und Dosierungen sollen dann maßgeschneidert auf den jeweiligen Organismus verfügbar werden.

    Gutachter: „national einmalig und richtungweisend“

    „Die Technische Universität Braunschweig verfügt als einziger Standort in Deutschland über die Fächerkombination von Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik,“ heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftsrats. „Der geplante Forschungsbau schafft durch die Zusammenführung der an dem Forschungsprogramm beteiligten Disziplinen das Umfeld für neue Synergieeffekte zwischen den Ingenieur- und Naturwissenschaften.“ Und weiter: „Mit dem PVZ kann damit ein national einmaliges Forschungszentrum für Pharmaverfahrenstechnik realisiert werden, das für die interdisziplinäre Weiterentwicklung der Pharmaverfahrenstechnik und Wirkstoffentwicklung richtungweisend sein wird.“

    Das Gutachtergremium lobte insbesondere das Nachwuchskonzept der Braunschweiger Forscher. Rund um das Zentrum sollen ein neuer Masterstudiengang „Pharmaingenieurwesen“ sowie eine Graduiertenschule entstehen. Auch für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird das neue Zentrum ein interessanter Arbeitsplatz sein.

    Standort am Langen Kamp führt die Institute zusammen

    Das Zentrum der TU Braunschweig soll am Langen Kamp bzw. an der Franz-Liszt-Straße gebaut werden. Damit entsteht es in direkter Nachbarschaft zu schon vorhandenen Gebäuden der Verfahrenstechnik und nur 200 Meter von den Pharmaziegebäuden entfernt. Der Neubau wird Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institute Bioverfahrenstechnik, Partikeltechnik und Pharmazeutische Technologie sowie aus weiteren mikrotechnischen, verfahrenstechnischen und pharmazeutischen Instituten aufnehmen. Zusätzlich sollen drei Nachwuchsgruppen dort einziehen. Insgesamt wollen 14 Arbeitsgruppen den Neubau nutzen, der Platz für insgesamt 121 Personen sowie für die erforderlichen Großforschungsanlagen bieten soll.

    Das PVZ soll darüber hinaus als universitäres Forschungszentrum Teil der biomedizinischen „Translationsallianz in Niedersachsen“ (TRAIN) werden, in der verschiedene außeruniversitäre und universitäre Forschungseinrichtungen der Forschungsregion Hannover/Braunschweig ihre Forschungsinfrastrukturen zur Weiterentwicklung von Wirk- und Impfstoffen bündeln.

    Kontakt:
    Prof. Dr.-Ing. Arno Kwade
    Institut für Partikeltechnik der Technischen Universität Braunschweig
    Volkmaroder Straße 5, 38104 Braunschweig
    Tel.: +49 (531) 3 91-96 10
    Fax: +49 (531) 391-96 33
    E-Mail: a.kwade@tu-braunschweig.de


    Weitere Informationen:

    http://www.tu-braunschweig.de
    http://www.imvt.tu-bs.de/ - TU Braunschweig, Institut für Partikeltechnik


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Maschinenbau, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Organisatorisches
    Deutsch


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