idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
11.08.2011 12:13

Immunsystem entscheidend für Multiple Sklerose verantwortlich

Dr. Boris Pawlowski Presse und Kommunikation
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    Internationale Studie identifiziert 29 neue Genvarianten

    Einem internationalen Wissenschaftsverbund unter Beteiligung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und des Schleswig-Holsteinischen Exzellenzclusters Entzündungsforschung ist es gelungen, 29 neue Genvarianten zu identifizieren, die mit der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) in Verbindung stehen und tiefe Einblicke in die Biologie einer der häufigsten neurologischen Krankheiten gewähren. Da viele der erkannten Gene in direktem Zusammenhang mit dem Immunsystem stehen, konnten die Experten eine Immunschwäche als wahrscheinliche Ursache von MS ausmachen.

    „Dieser Forschungserfolg ist ein Meilenstein auf dem Weg der Entdeckung der Entstehungsmechanismen der Multiplen Sklerose“, sagt Professor Dr. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am UKSH und Sprecher des Exzellenzclusters Entzündungsforschung. „Diese Arbeit wird großen Einfluss auf die Debatte über die Ursachen der MS nehmen und damit neue Wege zur Erforschung kausaler Therapien eröffnen“, ergänzt der Neurologe Professor Dr. Dr. Kuhlenbäumer, Direktor des Instituts für Experimentelle Medizin am UKSH.

    MS ist eine der am weitesten verbreiteten Erkrankungen des Nervensystems. Betroffen sind weltweit 2,5 Millionen, zumeist junge Erwachsene. Die Krankheit entsteht durch einen Defekt von Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark und deren Isolierung, der Markscheide. Die verletzten Nervenbahnen können für alltägliche Handlungen wie das Sehen, Gehen, Fühlen, Denken und die Kontrolle von Darm und Blase keine korrekten Informationen mehr weiterleiten. Die nun veröffentlichten Erkenntnisse belegen die Schlüsselrolle der körpereigenen Abwehrkräfte und erklären, wie sich der Angriff auf Gehirn und Rückenmark vollzieht.

    Die Forschungsarbeit eines internationalen Forscherverbundes, geleitet von den Universitäten von Cambridge und Oxford, wurde heute im Wissenschaftsjournal "Nature" veröffentlicht. Es ist die weltweit größte MS-Genomstudie. 250 Wissenschaftler untersuchten die DNA von 9.772 MS-Betroffenen und 17.376 nicht betroffenen Kontrollpersonen. Dabei gelang es, 23 bereits bekannte genetische Verbindungen zu bestätigen und 29 neue genetische Varianten zu entschlüsseln, die zur Auslösung der MS beitragen.

    Eine große Zahl der identifizierten Gene spielen eine Schlüsselrolle für die Funktion des Immunsystems – insbesondere bei der Funktion der T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen sind einerseits für die Abwehr fremder Erreger zur Erhaltung des Autoimmunsystems verantwortlich. Andererseits aktivieren sie die körpereigenen Botenstoffe in den Zellen des Immunsystems (Interleukine). Auffällig am Forschungsergebnis ist, dass ein Drittel der identifizierten Gene bereits für die Entstehung anderer Autoimmunkrankheiten (Morbus Crohn, Diabetes Typ 1) ausgemacht wurden. Damit sind ist offensichtlich, dass gleiche Auslöser in unterschiedlichen Krankheitsbildern auftreten.

    Vorherige Studien haben bereits auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und einem erhöhten MS-Risiko hingewiesen. Gemeinsam mit zahlreichen Genen, die direkt mit dem Immunsystem in Verbindung stehen, haben die Forscher zwei Gene identifiziert, die am Vitamin D-Stoffwechsel beteiligt sind und damit das Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren erklären helfen.

    Veröffentlichung: http://www.nature.com/nature/journal/v476/n7359/full/nature10251.html

    Für Rückfragen steht zur Verfügung:
    Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin,
    Prof. Dr. Stefan Schreiber, Campus Kiel, Arnold-Heller-Str. 3, 24105 Kiel, Tel. 0431/597-5901/02
    oder
    Institut für Experimentelle Medizin,
    Prof. Dr. Dr. Gregor Kuhlenbäumer, Arnold-Heller-Str. 3, 24105 Kiel, Tel. 0431/597-8806
    Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB), Christian-Albrechts-Universität Kiel,
    Prof. Dr. rer.nat. Andre Franke, Tel. 0431/597-4138

    Verantwortlich für diese Presseinformation:
    Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
    Mobil: 0173/405 50 00, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de
    Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, Haus 31, 24105 Kiel, Tel. 0431/597-5544, Fax: 0431/597-4218
    Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, Haus 1, 23538 Lübeck, Tel. 0451/500-5544, Fax: 0451/500-2161


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2011/2011-105-ms-studie.shtml
    http://www.nature.com/nature/journal/v476/n7359/full/nature10251.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).