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04.09.2011 19:00

Verräterische Spuren im Blut

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Ein Bluttest, der frühzeitig und zuverlässig Auskunft darüber gibt, ob ein Mensch an einem Tumor erkrankt ist: Davon träumen viele Mediziner. Bei der Suche nach einem solchen Test sind Forscher jetzt einen Schritt voran gekommen. Daran beteiligt waren auch Mediziner der Würzburger Frauenklinik.

    Eierstockkrebs ist, wie viele andere Tumorerkrankungen auch, mittlerweile gut heilbar. Einzige Voraussetzung: Er muss möglichst frühzeitig erkannt werden. Dann lässt er sich in über 90 Prozent der Fälle erfolgreich behandeln. Weil der Tumor in diesem frühen Stadium allerdings in der Regel keine Beschwerden verursacht, kommen die Patientinnen häufig erst spät zum Arzt, wenn die Chancen auf Heilung deutlich geringer sind. Ein zuverlässiges Verfahren zur Früherkennung existiert bisher nicht – so wie für viele andere Krankheiten auch.

    Diese unbefriedigende Situation haben Dr. Sebastian Häusler, der Privatdozent Dr. Jörg Wischhusen und Professor Johannes Dietl von der Würzburger Universitäts-Frauenklinik zum Anlass genommen, um im Blut von Tumorpatientinnen nach diagnostisch verwertbaren Strukturen zu fahnden. Fündig wurden sie dabei unter den so genannten microRNAs.

    Winzige Moleküle im Visier

    Bei den 2001 erstmals beschriebenen microRNAs handelt es sich um kleine Moleküle, die eine wichtige Rolle in dem komplexen Geschehen der Genregulation in den Zellen spielen. Anders als ihre Verwandten, die „RNA“ genannten Ribonukleinsäuren, kodieren sie nicht bestimmte Proteine. Vielmehr lagern sie sich, soweit heute bekannt, an bestimmte Abschnitte der RNA-Stränge an und wirken so indirekt auf die Proteinproduktion ein. Damit sind sie auch an vielen Krankheits- und zellulären Anpassungsprozessen beteiligt.

    Für ihre Untersuchungen verwendeten die Würzburger Wissenschaftler ein von dem Bioinformatiker Dr. Andreas Keller an der Universität des Saarlandes entwickeltes Biomarkerkonzept. Dieses ist in der Lage, den Informationsgehalt von über 100 microRNAs zu berücksichtigen und ermöglicht so eine beeindruckende Sensitivität, Spezifität und Genauigkeit. „Wir konnten dabei zeigen, dass im Blut von an Eierstockkrebs erkrankten Patientinnen spezifische microRNA Signaturen vorliegen, die eine Abgrenzung zu Gesunden erlauben“, sagt Jörg Wischhusen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung hat das angesehene British Journal of Cancer im vergangenen Jahr veröffentlicht.

    Ein Test für 14 Krankheiten

    In einer Nachfolgestudie haben nun Wissenschaftler aus ganz Deutschland das Testverfahren an insgesamt 14 teilweise schwer diagnostizierbaren Erkrankungen erprobt, darunter Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Prostata oder des Magen-Darm-Traktes sowie Multiple Sklerose und chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten. Koordiniert hat diese Studie das Heidelberger „Biomarker Discovery Center“, ebenfalls unter Federführung von Andreas Keller; die Würzburger Wissenschaftler haben dafür ihr Spezialgebiet – den Eierstockkrebs – untersucht.

    Das Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung: „Die Trefferquote war in vielen Fällen sehr hoch“, sagt Jörg Wischhusen. So betrug sie bei einzelnen Krankheitsbildern über 99 Prozent. Beim Eierstockkrebs lag sie jenseits der 90 Prozent. „Gemessen an den Tests, die bisher existieren, ist das ein sehr gutes Abschneiden“, sagt der Wissenschaftler. Über die Ergebnisse dieser Studie berichtet das renommierte Fachmagazin Nature Methods aktuell auf seiner Homepage.

    Weitere Untersuchungen sind notwendig

    Insgesamt habe der Test „eine hohe Spezifität für die einzelnen Krankheitsbilder gezeigt, die diagnostisch gut voneinander und von gesunden Kontrollgruppen unterschieden werden konnten“. Die Wissenschaftler hoffen nun, mit einem einzigen Bluttest eine Vielzahl von Erkrankungen mit hoher Zuverlässigkeit diagnostizieren zu können. Bis es soweit ist, kann allerdings noch einige Zeit verstreichen: „Da ist noch viel Arbeit, viel Geld und einiges an Untersuchungen notwendig, bis tatsächlich ein marktreifes Produkt die Zulassung erhält“, glaubt Wischhusen. Immerhin: Die Heidelberger Firma febit arbeitet bereits daran.

    „Towards discovering the blood-borne miRNome of human diseases“, Andreas Keller, Joerg Wischhusen, Sebastian F. M. Häusler, Johannes Dietl et al., Nature Methods Online

    Kontakt
    PD Dr. Jörg Wischhusen, T: (0931) 201-25291, E-Mail: Wischhusen_J@klinik.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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