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13.09.2011 10:23

Podiumsdiskussion zum Krisenmanagement während der EHEC-HUS-Epidemie

Dr. Bettina Albers Pressearbeit
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

    Es gibt noch Raum für Verbesserung

    Auf Einladung der DGfN fand am 10.09.2011 vor der offiziellen Eröffnungsveranstaltung des Nephrologiekongresses in Berlin eine Podiumsdiskussion statt. Darin werteten Daniel Bahr, Bundesminister für Gesundheit, Prof. Karl Lauterbach, Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, Dr. Ute Teichert-Barthel, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sowie Prof. Reinhard Brunkhorst, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, und Prof. Ulrich Frei, Kongresspräsident des Nephrologiekongresses und Ärztlicher Direktor der Charité Berlin, das Krisenmanagement der Gesundheitsbehörden und der medizinischen Fachgesellschaft während der EHEC-HUS-Epidemie aus.

    Unter den Diskutanten herrschte ein Konsens darüber, dass das Krisenmanagement grundsätzlich zügig und effektiv verlief. Besonders hervorgehoben wurde das Engagement der Nephrologen, die binnen Stunden über die Infrastruktur ihrer Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, ein Netzwerk schafften, um Personal in die Krisenregion abzusenden, Apharesekapazitäten zu erweitern und Patienten an Zentren mit freien Kapazitäten zu überweisen. Zudem wurde innerhalb von wenigen Tagen ein onlinebasiertes EHEC-HUS-Register eingerichtet, dessen wissenschaftliche Auswertung hilfreiche Aufschlüsse zur bestmöglichen Behandlung von EHEC-HUS geben wird. Alles erfolgte in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden. Lauterbach kommentierte: „Es war beispielhaft, wie die Krise mit der Fachgesellschaft aufgearbeitet wurde“. Auch Bahr dankte für dieses Engagement und hob in seinem Abschluss-Statement hervor, dass es das Engagement von Fachgesellschaften sowie Einzelner in solchen Situationen bedarf, da die Politik häufig längere Entscheidungswege hat.

    Damit griff er den Punkt auf, der in der Diskussion am Krisenmanagement der Gesundheitsbehörden am deutlichsten kritisiert wurde: Die bislang etablierten Meldewege sind im Rahmen eines Epidemiegeschehens zu lang. Gesundheitsämter haben bis zu zehn Tagen Zeit, um Fälle an das RKI zu melden, was potentiell eine Verzögerung der epidemiologischen Bearbeitung (z.B. Suche nach der Infektionsquelle, Identifizierung des Erregers etc.) zur Folge haben kann. Die Diskutanten betonten jedoch, dass letztlich das Auffinden der Ursache innerhalb von drei Wochen im internationalen Vergleich relativ zügig erfolgte.

    Das Problem der zu langen Meldewege wurde aber von allen Diskutanten erkannt: Bahr verwies darauf, dass nun eine Gesetzesvorlage zu ihrer Verkürzung im Kabinett beschlossen wurde. Brunkhorst und Lauterbach sprachen sich aber dennoch für eine weitere" Verschlankung“ der Meldewege in Krisensituationen aus und argumentierten, dass in solchen Situationen die Gesundheitsämter die festgelegten Meldeinstanzen nicht durchlaufen, sondern auch eine direkte Meldung an das RKI erfolgen sollte. Beide wiesen aber ausdrücklich darauf hin, dass die Einrichtung einer "Superbehörde" wie das CDC (Centers of Disease Control and Prevention) nach amerikanischen Vorbild nicht von Nöten sei. Vorstellbar Sie dagegen das das RKI noch direkter auf Mitarbeiter der regionalen Gesundheitsämter zugreifen kann um den Einsatz von Fachleuten vor Ort gezielter steuern zu können.
    Frei und Brunkhorst unterstrichen im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion, die sehr gute Resonanz fand, dass entscheidend für die Bewältigung zukünftiger Krisensituationen die flächenhafte Vorhaltung von gut ausgebildeten Fachärzten (z.B. Nephrologen) auch in der Zukunft sei. Von der Politik wurden entsprechende Maßnahmen, z.B. im Bereich der Weiterbildung gefordert.

    Die DGfN plant nun, ihre in der EHEC-Krise gewonnen Erfahrungen für andere nutzbar zu machen. Es soll eine internetbasierte „Krisenplattform“ eingerichtet werden, die im Falle von Epidemien eine Infrastruktur bietet, die Medizinern eine schnelle Kommunikation und gezieltes und abgestimmtes Handeln ermöglicht.


    Weitere Informationen:

    http://Interviewanfragen richten Sie bitte an die Pressestelle der DGfN:
    http://Dr. Bettina Albers
    http://Tel. 03643/ 776423
    http://Mobil: 0174-2165629
    http://www.dgfn.eu


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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