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22.09.2011 08:54

Kann eine verfeinerte präoperative Strahlentherapie die Behandlung von Weichteilsarkomen verbessern?

Sylvia Kloberdanz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wilhelm Sander-Stiftung

    Die Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome am Klinikum rechts der Isar der TU München startet eine klinische Studie zur verbesserten Behandlung von Weichteilsarkomen an den Extremitäten. Ziel ist es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von hochpräziser Strahlentherapie vor einer Operation zu untersuchen. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Studie, in die innerhalb von vier Jahren 50 Patienten eingeschlossen werden sollen.

    Bösartige Geschwülste an Weichteilen sind relativ seltene Tumore. In Deutschland werden jährlich 2.000 Neuerkrankungen registriert. Im interdisziplinären Sarkomzentrum am Klinikum rechts der Isar arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen, um die Diagnose und Therapie der Erkrankung zu verbessern. Bei der Behandlung von Weichteilsarkomen sind Operation und Strahlentherapie die Maßnahmen, die unabhängig voneinander das Überleben der Patienten verbessern.

    Bisher liegen nur wenige Daten darüber vor, wie wirkungsvoll eine moderne verfeinerte Strahlentherapie ist, wenn sie vor einem geplanten operativen Eingriff durchgeführt wird. Mit solch einer Behandlungsmethode möchten die Mediziner die Tumorzellen im Vorfeld abtöten und den Geschwulst für die Operation besser greifbar machen. Diese Therapie wird auch als präoperativ oder neoadjuvant bezeichnet.

    In der klinischen Studie soll erstmalig ein größeres Kollektiv von Patienten untersucht werden. Bisherige Studien mit konventionellen präoperativen Bestrahlungstechniken konnten zeigen, dass Patienten von der frühzeitigen Strahlentherapie profitieren, weil die Dosis im Vergleich zur postoperativen Bestrahlung reduziert werden kann. Die Ergebnisse im Hinblick auf Verträglichkeit und den Funktionserhalt der betroffenen Extremität waren besser als nach postoperativer Strahlenbehandlung. Derzeit rechnen die Ärzte damit, dass bei präoperativer Strahlentherapie mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Patienten unter Wundheilungsstörungen leidet. Im Rahmen der PREMISS-Studie soll die Rate der Wundheilungskomplikationen auf 20 Prozent verringert werden.

    PREMISS steht für "Präoperative Radiotherapie von Weichteilsarkomen der Extremitäten mit Intensitäts-Modulation, Image-Guidance und kleinen Sicherheitssäumen". In der Studie kommt also eine moderne, hochpräzise Form der Strahlentherapie zum Einsatz, die mit besonders schmalen Sicherheitssäumen das Volumen des bestrahlten Bereichs minimiert. Durch die Intensitäts-Modulation (IMRT) kann die Strahlendosis exakt an jede individuell erforderliche Form angepasst werden. Tägliche Computertomografie-Aufnahmen bilden die Grundlage für die bildgeführte Strahlentherapie, die so genannte Image-Guided Radiation Therapy (IGRT). Die Position des Tumors wird vor jeder Therapiesitzung überprüft, damit die Bestrahlung besonders präzise ausgerichtet werden kann. Umgesetzt wird dieses Konzept an einem Spezialbeschleuniger mit integriertem CT (Tomotherapie).

    Unter der Leitung von PD Dr. Barbara Röper, Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie, arbeiten Orthopäden, Strahlentherapeuten, Radiologen und Pathologen bei der Studie eng zusammen. Fünf bis sechs Wochen nach Abschluss der Strahlentherapie wird das Sarkom operativ entfernt. Als Kriterien für den Erfolg der Behandlungsmethode werden zusätzlich zur lokalen Tumorkontrolle und dem Erhalt der Extremität die Nebenwirkungsrate, die Extremitätenfunktion und die Lebensqualität herangezogen.

    Die Entscheidung, welche Patienten für die Studie geeignet sind, trifft das interdisziplinär besetzte Tumorboard. Für die Patienten verändert sich die Behandlung durch die Studienteilnahme nicht; sie werden nur gebeten, zusätzliche Fragen zu beantworten.

    Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 150.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

    Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

    Kontakt:
    PD Dr. Barbara Röper
    Klinikum rechts der Isar der TU München
    Klinik für Strahlentherapie und Radiologische Onkologie
    Tel. 089 4140-5373
    barbara.roeper@lrz.tu-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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