idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
11.10.2011 09:03

Virus bekämpfen und Immunsystem stimulieren: Neue Therapie gegen Hepatitis B

Susanne Eichacker Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

    Neuherberg, 11.10.2011. Eine neue Therapie-Option für chronische Hepatitis-B-Infektionen verbessert die Aussicht, Hepatitis B zu heilen. Mit Hilfe von kurzen RNA-Stücken ist es einer Kooperation von Helmholtz Zentrum München, Technischer Universität München und der Universität Bonn gelungen, die Vermehrung des Hepatitis B Virus zu stoppen und gleichzeitig das Immunsystem zu stimulieren. Die Studie ist im renommierten Fachjournal Gastroenterology erschienen.

    Das Team um Prof. Ulrike Protzer, Direktorin der Institute für Virologie des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München, hat in Zusammenarbeit mit Dr. Hendrik Poeck, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, und Prof. Gunther Hartmann von der Universität Bonn eine neue Therapieoption für eine chronische Hepatitis-B entwickelt. Die in Gastroenterology veröffentlichte Studie beschreibt den Einsatz von siRNAs*, die gezielt modifiziert wurden. Die Designer-RNA-Fragmente hemmen die Vermehrung des Hepatitis-B-Virus im Körper, haben aber noch eine weitere Funktion: Sie stimulieren das Immunsystem, das dadurch wieder effizienter gegen das Virus vorgehen kann.
    „Unsere Studie zeigt, dass die Kombination beider Funktionen – der Virushemmung und der Immunstimulation – in einer siRNA deutlich effektiver ist, als die der entsprechenden monofunktionalen Nukleinsäuren“, sagt Prof. Ulrike Protzer, Leiterin der Studie. „Wir haben mit diesem Ansatz erstmals die Perspektive, das Hepatitis-B-Virus auch bei einer chronisch gewordenen Infektion wieder vollständig aus dem Körper zu entfernen.“
    Wird Hepatitis B chronisch, kann sie durch gängige Medikamente zwar kontrolliert, aber nicht geheilt werden. Die Infektion ist mit ca. 350 Millionen Fällen weltweit eine der wichtigsten Viruserkrankungen des Menschen und kann durch die hohen Fallzahlen als Volkskrankheit gewertet werden. Das Verständnis der Entstehungsmechanismen von Volkskrankheiten und die Ableitung neuer Angriffspunkte für Diagnose, Therapie und Prävention ist Ziel des Helmholtz Zentrums München.

    Weitere Informationen
    Hintergrund
    * siRNA (small interfering Ribonucleic Acids) sind kurze RNA-Fragmente, die dazu führen, dass sequenzanaloge mRNAs abgebaut und nicht zu Protein übersetzt werden. Dadurch kann z. B. die Vermehrung eines Virus deutlich vermindert werden.

    Original-Publikation:
    Ebert G et al (2011), 5' Triphosphorylated small interfering RNAs control replication of hepatitis B virus and induce an interferon response in human liver cells and mice. Gastroenterology 141:696

    Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 17 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 31.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

    Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 460 Professorinnen und Professoren, 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (einschließlich Klinikum rechts der Isar) und 26.000 Studierenden eine der führenden technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunktfelder sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin und Wirtschaftswissenschaften. Nach zahlreichen Auszeichnungen wurde sie 2006 vom Wissenschaftsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Exzellenzuniversität gewählt. Das weltweite Netzwerk der TUM umfasst auch eine Dependance in Singapur. Die TUM ist dem Leitbild einer unternehmerischen Universität verpflichtet. http://www.tum.de
    _______________________________________________________________________________
    Ansprechpartner für die Medien
    Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3946 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

    Fachlicher Ansprechpartner
    Prof. Ulrike Protzer, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt und Technische Universität München, Institut für Virologie, Trogerstr. 30, 81675 München - Tel: 089-4140-6821 – Fax: 089-4140-6823 – E-Mail: protzer@helmholtz-muenchen.de


    Weitere Informationen:

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=5%27%20triphosphorylated%20small%20inter... - Link zur Fachpublikation


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).