idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
03.11.2011 14:54

Das entschwundene Gedächtnis

Dr. Boris Pawlowski Presse und Kommunikation
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    Kieler Forschungsteam studiert Aufbau des Langzeitgedächtnis

    Es ist eine fundamentale Eigenschaft des Gehirns, autobiographische Gedächtnisinhalte zu speichern und diese bei Bedarf wiederzugeben. Der genaue Aufbau dieses Gedächtnissystems beim Menschen war jedoch unbekannt. Kieler Gedächtnis- und Demenzforscher im Forschungsverbund ‚Neurowissenschaften‘ der Kieler Medizinischen Fakultät und des ‚Sonderforschungsbereiches 654‘unter Leitung von Dr. Thorsten Bartsch konnten Licht ins Dunkel bringen. Das Ergebnis wurde in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsjournals PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences), Volume 108, Number 42, veröffentlicht.

    Möglich war dieser Erfolg, durch die Mithilfe von Patienten, die an einer kurzzeitigen Neugedächtnisstörung litten, die man als vorübergehenden vollständigen Gedächtnisverlust (transiente globale Amnesie) bezeichnet. Während dieser Attacke verlieren die Patienten über Stunden Teile ihres autobiographischen Gedächtnisses.

    Die Patientinnen und Patienten sollten sich während einer akuten Attacke an autobiographische Gedächtnisinhalte erinnern, die von der Gegenwart bis zu Kindheitserinnerungen reichten. Dabei zeigte sich, dass lang zurückliegende Erinnerungen deutlich stärker und lebhafter erinnert wurden als neuere. „Die Patienten können sich zwar noch sehr gut an ihre Kindheit und Jugend erinnern, doch die aktuellen Erinnerungen sind nicht mehr vorhanden“, sagt Bartsch. Mithilfe der Kernspintomographie konnte das gestörte Hirnareal in einer besonderen Hirnstruktur, dem Hippocampus, identifiziert werden.

    Der Hippocampus gehört zu dem Teil des Gehirns, welches für den Transport der Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verantwortlich ist.
    Bartsch wies auch darauf hin, dass damit beim Menschen erstmalig die Rolle dieser speziellen Nervenzellen beim Abruf von autobiographischen Erinnerungen gezeigt werden konnte. Das Ergebnis ist für das Verständnis des menschlichen Gedächtnisses von großer Bedeutung, weil es erstmals die Architektur und die Bedeutung von speziellen Nervenzellen beim autobiographischen Gedächtnis aufzeigt.

    Professor Günther Deuschl, Direktor der Neurologischen Klinik, sprach von einem großen Erfolg bei der Erforschung des Gedächtnisses, der dieser Arbeitsgruppe des Sonderforschungsbereiches 654 gelungen ist. Deuschl wies darauf hin, dass ein Schaden dieser „Gedächtnisnervenzellen“ ebenso beim M. Alzheimer gefunden wird. Damit erlauben es diese Ergebnisse, viele Symptome von Gedächtnisstörungen besser zu verstehen und damit gezielte neue Therapien bei Gedächtnis- und Demenzerkrankungen zu entwickeln.

    Der vollständige Text steht unter:
    http://www.pnas.org/content/108/42/17562

    Grafik zum Herunterladen:
    http://www.uni-kiel.de/download/pm/2011/2011-175-1.jpg
    Bildunterschrift: Darstellung des Hippocampus und den zugehörigen Läsionen, welche den Ort der Gedächtnisstörung kennzeichnen. Der Hippocampus gehört zu dem Teil des Gehirns, welches für den Transport der Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis verantwortlich ist.
    Grafik: Thorsten Bartsch


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2011/2011-175-pnas-gehirn.shtml


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).