idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
16.11.2011 11:11

Neue Therapien bei Hepatitis C – Bessere Heilungschancen für Patienten, aber auch größere Probleme

Rita Wilp externe Pressestelle
Deutsche Leberstiftung

    12. Deutscher Lebertag am 20. November 2011: „Leber – lebenswichtig“

    In Deutschland gibt es etwa eine Million Menschen, die chronisch mit dem Hepatitis B- oder dem Hepatitis C-Virus infiziert sind; weltweit sind es rund 500 Millionen, so die Schätzung von Experten. Wenn Infektionen mit dem Hepatitis-Virus B oder C nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden, können diese Infektionen dauerhaft (chronisch) werden und dann zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen.

    Durch die Zulassung von zwei neuen Medikamenten gegen die Hepatitis C gibt es jetzt für viele Erkrankte eine neue Chance auf eine erfolgreiche Behandlung auch wenn die Krankheit bereits chronisch ist. „Mit diesen neuen Substanzen stehen wir am Anfang einer neuen Ära in der Therapie der chronischen Hepatitis C. Für die Patienten stehen jetzt effektivere Medikamente mit einer kürzeren Therapiedauer zur Verfügung“, erläutert Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung anlässlich des 12. Deutschen Lebertages am 20. November 2011. „Bei den neuen Therapien müssen aber viele Punkte berücksichtigt werden, damit die Behandlung erfolgreich verlaufen kann. Sie sollten nur von einem versierten Facharzt durchgeführt werden, denn es können sich zum Beispiel Resistenzen entwickeln, oder die neuen Medikamente interagieren mit anderen, bereits verschriebenen, und sorgen dann für Komplikationen. Häufig sei es auch für den behandelnden Arzt notwendig, wegen der zusätzlichen Nebenwirkungen, mit Fachärzten aus anderen Bereichen zu kooperieren. Nur so könne der Patient umfassend betreut werden. Die Behandlung mit den neuen Therapien ist ausschließlich für Patienten des Genotyps 1 möglich. Hier sorgen sie für wesentlich bessere Heilungschancen als bisher. Der 12. Deutsche Lebertag steht unter dem Motto „Leber – lebenswichtig!“ In ganz Deutschland finden in vielen Städten Veranstaltungen dazu statt. Eine Liste der Veranstaltungen finden Sie unter www.lebertag.org

    Heilungschancen für Genotyp 1 steigen
    Die Hepatitis C, die durch Infektion mit dem Hepatitis C-Virus hervorgerufen wird, kann relativ gut behandelt und sogar geheilt werden. Man unterscheidet bei dem Hepatitis C-Virus verschiedene Genotypen. Die Heilungsraten und die Therapiedauer sind bei den verschiedenen Genotypen sehr unterschiedlich. Die Genotypen 1 und 4 werden meist 48 Wochen mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin behandelt, während bei den Genotypen 2 und 3 in der Regel eine 24-wöchige Therapie ausreichend ist und mit der Standardtherapie zu einer Heilungsrate von 70 bis 90 Prozent der Fälle führt. Beim Genotyp 1 sah es bislang schlechter aus. Hier wurden mit der Standardtherapie lediglich etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten geheilt. Mit den neuen Substanzen, die in der zweiten Hälfte diesen Jahres zugelassen wurden (Boceprevir und Telaprevir) haben sich die Aussichten dieser Patienten auf eine Heilung der Hepatitis C erheblich gesteigert. Die Wirksamkeit der Wirkstoffe wurde in den letzten Jahren in großen, internationalen Phase III-Studien belegt.
    Die beiden neuen Substanzen sind direkt wirkende antivirale Medikamente, sogenannte HCV-Proteaseinhibitoren. Sie hemmen das Virus in seiner Vermehrung, indem sie ein Schlüsselenzym blockieren. Durch diese neue Wirkungsweise können viele Patienten erfolgreich behandelt werden, die mit der bisherigen Standardtherapie nicht geheilt werden konnten. Zugelassen sind die neuen Wirkstoffe für noch nie behandelte und vorbehandelte Patienten mit HCV-Genotyp 1. Für alle anderen Genotypen gilt weiterhin die bisherige Therapie mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin.

    Therapieerfolg ist unterschiedlich
    Allerdings werden nicht alle Patienten mit den neuen Therapien gleichermaßen erfolgreich behandelt werden können. Profitieren werden vor allem bislang nicht behandelte Patienten und Patienten, die in der vorherigen Therapie einen Rückfall erlitten haben („Relapse-Patienten“). Hier werden Ansprechraten von 67 bis 88 Prozent erreicht werden. Bei Patienten, die in einer vorherigen Therapie nur sehr begrenzt auf das Interferon angesprochen haben (sogenannte „Nullresponder“) werden Heilungsraten von 30 Prozent erwartet, da auch für den Erfolg der Behandlung mit den neuen Substanzen das Ansprechen auf Interferon sehr wichtig ist.

    Für den Erfolg ist außerdem unbedingt erforderlich, dass die neuen Therapien sehr sorgfältig durchgeführt werden. „Wir raten den Patienten, sich von einem versierten Facharzt behandeln zu lassen. Nicht jeder Arzt hat die unbedingt notwendigen Vorkenntnisse, um die neuen Behandlungen optimal für den Patienten umzusetzen“, sagt Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Es sind viele Faktoren bei den neuen Therapien zu beachten. So gibt es das Problem der Resistenzentwicklung und die Gefahr der Medikamenten-Interaktion. Aufgrund der zusätzlichen Nebenwirkungen muss der Facharzt auch Kollegen aus anderen Bereichen in die Behandlung einbinden und den Patienten umfassend betreuen“, fordert er. Aufgabe der nächsten Jahre sei jetzt auch, mehr Daten zur Effektivität und den Nebenwirkungen der aktuellen Therapien zu sammeln, um diese bestmöglich einzusetzen.

    Die Entwicklung der Hepatitis C-Therapie wird in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen. Verschiedenen Substanzen sind in der Erprobung. Durch die Kombination verschiedener direkt antiviral wirkender Substanzen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen wird in einer nicht allzu fernen Zukunft eine Therapie ohne Interferon möglich sein. Verschiedene Studien haben die Machbarkeit einer derartigen Therapie bereits gezeigt. Da die Behandlung der Hepatitis C mit Interferon viele Nebenwirkungen hat, ist dies von großer Bedeutung.

    Die Deutsche Leberstiftung
    befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige in medizinischen Fragen: www.deutsche-leberstiftung.de

    BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Für jedes verkaufte Buch geht € 1,- als Spende an die Deutsche Leberstiftung. „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-89993-588-2, € 14,95.

    Kontakt:
    Deutsche Leberstiftung
    Prof. Dr. Michael P. Manns
    Vorstandsvorsitzender
    Carl-Neuberg-Straße 1
    30625 Hannover
    Tel 0511 – 532 6815
    Fax 0511 – 532 6820
    presse@deutsche-leberstiftung.de
    www.deutsche-leberstiftung.de


    Weitere Informationen:

    http://www.lebertag.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).