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23.11.2011 13:06

MHH implantiert ersten MRT-fähigen Defibrillator

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität: Neues Gerät übermittelt Herzdaten telemedizinisch

    Kardiologen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben am 22. November 2011 im Rahmen einer Studie weltweit erstmals einem Patienten einen Defibrillator (ICD) der neusten Generation implantiert. „Bislang konnte bei Patienten mit einem ICD keine Magnetresonanztomographie-Untersuchung sicher durchgeführt werden, da das starke Magnetfeld des Geräts die Funktion des ICD und der Elektroden dauerhaft schädigen kann“, sagte Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie. Der von der Firma Biotronik entwickelte Defibrillator Lumax 740 lässt nun aber solche MRT-Untersuchungen zu und ist zudem noch Telemedizin-tauglich. „Dies sind wichtige Weiterentwicklungen in der immer breiter eingesetzten ICD-Therapie und erhöhen die Sicherheit und Lebensqualität der Patienten“, betont Professor Bauersachs. Die Entwicklung werde dazu führen, dass in einigen Jahren möglicherweise alle elektrisch aktiven Implantate in der Kardiologie MRT-fähig seien.

    Patienten mit einer schweren Herzschwäche und Patienten mit überlebtem plötzlichem Herzversagen erhalten neben einer medikamentösen Herzschwächetherapie einen Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert. „Der operative Eingriff ist heutzutage Standardtherapie“, erläutert Professor Dr. Gunnar Klein, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie und Leiter der Rhythmologie/Elektrophysiologie. Die Operation ist komplikationsarm, dauert zwischen 30 und 90 Minuten und wird in lokaler Betäubung durchgeführt.

    Der Defibrillator überwacht permanent den Herzrhythmus. Im Fall lebensbedrohlicher, bösartiger Herzrhythmusstörungen, wie zum Beispiel beim sogenannten Kammerflimmern, gibt der Defibrillator einen lebensrettenden Stromstoß ab und bringt somit das Herz der schwerkranken Patienten wieder in Rhythmus „Allerdings ist etwa bei jedem zweiten Patient, der einen ICD trägt, irgendwann im Laufe des Lebens eine Magnetresonanztomographie notwendig“, sagt Professor Bauersachs, „zum Beispiel zur genaueren Untersuchung des Gehirns, des Rückenmarkes, der Bauchorgane oder der Gelenke.“

    Bislang implantierte Defibrillatoren können durch die starken Magnetfelder einer Kernspintomographie dauerhaft geschädigt werden oder schmerzhafte, inadäquaten Stromstößen verursachen. Die neuste ICD-Generation ist für die meisten MRT-Untersuchungen geprüft und zugelassen. Doch damit nicht genug: „Mit der neusten Gerätegeneration können wir die Herzfunktion jetzt direkt über den ICD messen“ erläutert Professor Klein, und via Handy werden die Daten direkt zum betreuenden Arzt übertragen.“ Dafür misst das Gerät den Widerstand zwischen einer an der rechten und einer an der linken Herzkammer gelegenen Elektrode und schätzt so die Herzfunktion ab, insbesondere die Menge an geförderter Blutleistung. „Der betreuende Arzt kann gegebenenfalls frühzeitig erkennen, ob bei seinem Patienten eine Verschlechterung der Herzschwäche eingetreten ist, und mit stärkeren Medikamenten oder einer anderen Behandlung frühzeitig gegensteuern.“ Ziel dieser neuen Widerstandsmessung im Herzen ist eine Reduktion von Krankenhausaufenthalten und damit eine verbesserte Lebensqualität für die Patienten.

    Das in der MHH weltweit erstmals implantierte MRT-fähige ICD-System wird im Rahmen einer europaweiten, prospektiven und multizentrischen Studie untersucht, die Professor Klein leitet.

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Bauersachs und Professor Klein unter den Mailadressen bauersachs.johann@mh-hannover.de und klein.gunnar@mh-hannover.de sowie telefonisch unter (0511) 532-3840. Informationen über die Studie erhalten Sie unter http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01454050.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    regional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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