idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
24.11.2011 10:09

Das ABCC9 des Schlafs – Genetischer Faktor reguliert Dauer der Nachtruhe

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Der Legende nach soll Napoleon nicht mehr als vier Stunden Schlaf am Stück benötigt haben. Andere dagegen kommen nur nach zehn Stunden Nachtruhe fit aus den Federn. Die Schlafdauer eines Menschen ist individuell unterschiedlich. Eine Rolle spielen – neben saisonalen Veränderungen – unter anderem das Alter, Geschlecht und der Chronotyp, der Menschen zu früh schlafenden und früh erwachenden „Lerchen“ oder zu späten „Eulen“ macht. Ein internationales Forscherteam um den LMU-Chronobiologen Professor Till Roenneberg und Dr. Karla Allebrandt haben nun den ersten genetischen Faktor identifiziert, der die Schlafdauer beeinflusst und zugleich weit in der Bevölkerung verbreitet ist. Die Wissenschaftler führten dazu eine sogenannte genomweite Assoziationsstudie durch, bei der mehr als 4.000 Probanden aus sieben europäischen Populationen von Estland bis Italien zu ihren Schlafgewohnheiten Rede und Antwort standen. Dabei zeigte sich, dass Individuen, die über zwei Kopien einer bestimmte Variante des Gens ABCC9 verfügen, in einer störungsfreien Umgebung deutlich weniger schlafen als Personen mit zwei Kopien einer anderen Version. Das Gen ABCC9 kodiert für das Protein SUR2, eine Untereinheit eines Kaliumkanals, der als Sensor für den intrazellulären Energiemetabolismus fungiert. „Es ist besonders spannend, dass dieses Protein auch bei Herzleiden und Diabetes eine Rolle spielt, wie funktionale Studien erwiesen haben“, sagt Dr. Karla V. Allebrant, Erstautorin der Studie und Chronobiologin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Ein Zusammenhang von Schlafdauer und Stoffwechselstörungen kann daher möglicherweise durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.“ Das Gen ABCC9 und entsprechende genetische Faktoren sind weit verbreitet: Das Team um Roenneberg blockierte das entsprechende Gen in Fruchtfliegen, woraufhin die Tiere eine deutlich verkürzte Schlafdauer zeigten. Bei Säugetieren ist das Gen in verschiedenen Geweben aktiv, unter anderem im Herz, dem Skelettmuskel und dem Gehirn sowie in Teilen der Bauchspeicheldrüse. „Besonders ermutigend ist, dass ABCC9 auch bei Fliegen den Nachtschlaf verkürzt“, sagt Roenneberg. „Dies zeigt, dass die genetische Kontrolle der Schlafdauer bei den unterschiedlichsten Tierarten auf ähnlichen Mechanismen beruhen könnte.“ (suwe) (Molecular Psychiatry online, 22. November 2011)

    Publikation:
    „A KATP channel gene effect on sleep duration: from genome wide association studies to function in Drosophila”;
    Karla V. Allebrandt et.al.;
    Molecular Psychiatry online, 22. November 2011;
    Doi: 10.1038/mp.2011.142

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Till Roenneberg
    Medizinische Fakultät der LMU
    Tel.: 089 / 2180 – 75-239
    Fax: 089 / 2180 – 75-238
    E-Mail: roenneberg@lmu.de
    Web: http://www.imp.med.uni-muenchen.de/about_us/members/professoren/roenneberg/index...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).