idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
01.12.2011 07:26

Genomweite Studie verbessert Verständnis der Blutbildung

Susanne Eichacker Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

    Neuherberg, 30.11.2011. Welche Gene zur Bildung von Blutplättchen beitragen, aber auch ein neuer Regulator für die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung und neue Erklärungsansätze für die Vererbung von Bluterkrankheiten sind die Ergebnisse einer groß angelegten internationalen Studie unter maßgeblicher Beteiligung des Helmholtz Zentrums München. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachjournals Nature veröffentlicht.

    Regulation der Blutplättchen-Bildung: 68 neue Gene

    Größe und Anzahl der Blutplättchen* werden unter anderem von 68 neu identifizierten Genen beeinflusst. Die von diesen Genen kodierten Proteine interagieren in einem komplexen Netzwerk miteinander. Dies zeigt die bisher größte genomweite Assoziationsstudie zur Bildung von Blutplättchen, an der das Helmholtz Zentrum München maßgeblich beteiligt ist. „Möglicherweise haben wir zugleich neue Targets gefunden, um bessere und sicherere Blutplättchenhemmer zur Behandlung von Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten zu entwickeln“, sagt Dr. Christian Gieger, Senior-Koautor vom Institut für Genetische Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München.

    Zusammenhänge mit Bluterkrankheit

    Die von Christian Gieger zusammen mit Willem H. Ouwehand von der Universität Cambridge und Nicole Soranzo vom Wellcome Trust Sanger Institut geleitete Forschergruppe konnte zeigen, dass einige der neu identifizierten Gene mit Genen überlappen, die zu vererbten Bluterkrankheiten führen. Dies lässt vermuten, dass nicht nur die bisher bekannten, sondern auch einige der neu gefundenen Gene eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen. Damit könnte die Studie direkte klinische Relevanz besitzen

    Neuer Regulator für Eisenaufnahme aus der Nahrung

    Einige der identifizierten Gene wurden durch die Forschergruppe systematisch in Modellorganismen wie dem Zebrafisch und der Fruchtfliege funktionell untersucht. Dabei zeigte sich, dass das menschliche ARHGEF3-Gen* ein bisher unbekannter, wichtiger Regulator bei der Aufnahme von Eisen aus der Nahrung ist. Auch bei Zebrafischen verhindert eine reduzierte Genaktivität nicht nur die Produktion von Blutplättchen, sondern auch die von roten Blutkörperchen, da die blutbildenden Zellen kein Eisen binden können. „Diese Studie ist ein Musterbeispiel dafür, wie genomweite Assoziationsstudien erfolgreich neue biologische Funktionen aufdecken können”, so Gieger.

    Weitere Informationen

    Hintergrund
    * Blutplättchen oder Thrombozyten sind Zellen, die im Blut zirkulieren und entscheidend für die Blutgerinnung und Wundheilung sind. Eine außergewöhnlich hohe oder niedrige Anzahl der Blutplättchen kann zu Erkrankungen führen. Eine Erhöhung der Anzahl der Blutplättchen oder eine Erhöhung deren Größe kann zu einem erhöhtem Risiko für eine Thrombose, deren möglicher Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Eine sehr geringe Anzahl von Blutplättchen erhöht das Risiko von Blutungen.
    * Das ARHGEF3-Gen kodiert für den Rho-Guanine-Nukleotid-Exchange-Faktor (GEF) 3, der in Blutplättchen vorkommt, aber auch in leukämischen und neuronalen Gewebe vorkommt.

    Original-Publikation:
    Gieger C. et al. (2011): New gene functions in megakaryopoiesis and platelet. Nature, doi:10.1038/nature10659

    Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 17 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 31.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de
    _______________________________________________________________________________
    Ansprechpartner für die Medien

    Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3946 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

    Fachlicher Ansprechpartner

    Dr. Christian Gieger, Institut für Genetische Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089 3187 4106 - Fax: 089 3187 3380 – E-Mail: christian.gieger@helmholtz-muenchen.de


    Weitere Informationen:

    http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature10659.html Link zur Originalpublikation
    http://www.helmholtz-muenchen.de/presse-und-medien/pressemitteilungen/pressemitt... Link zur Originalpressemitteilung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).