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13.12.2011 13:13

Schlüsselorganismus für die Steuerung der Stickstoffumwandlung in sauren Böden nachgewiesen

Susanne Eichacker Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

    Neuherberg, 12.12.2011. Archaeen tragen auch in sauren Böden zur Umwandlung von Ammonium in Nitrat bei. Ein internationales Team um Forscher des Helmholtz Zentrums München und der Universität Aberdeen hat eine neue Gruppe Ammonium-oxidierender Thaumarchaeen aus mikrobiellen Genfragmenten identifiziert. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen online-Ausgabe von PNAS vorab veröffentlicht.

    Eine Gruppe von Thaumarchaeen in sauren Bodenmilieus kann Ammonium zu Nitrat umwandeln. Mit dieser Erkenntnis haben die Wissenschaftler um Dr. Marion Engel, Dr. Brigitte Hai und Prof. Dr. Michael Schloter vom Helmholtz Zentrum München gemeinsam mit Kooperationspartnern von der Universität Aberdeen einen Widerspruch gelöst, der die Wissenschaft seit fast 60 Jahren beschäftigte: Die Oxidation von Ammonium in Böden mit tiefem pH war immer wieder beobachtet und gemessen worden, doch konnten keine entsprechenden Organismen identifiziert werden.
    Mit den neuen Ergebnissen wird der Beitrag von Archaeen zur Umsetzung von Stickstoff in Böden unterstrichen. „Diese Entdeckung ist uns mit Hilfe von Hochleistungssequenzierung gelungen und ein wichtiger Schritt, um das Ökosystem Boden zu verstehen“, sagt Schloter. Allerdings ist noch nicht klar, welche physiologischen Prozesse das Überleben im sauren Milieu ermöglichen: „Von der Aufklärung dieser Frage erhoffen wir uns wichtige Hinweise, wie wir die Nutzung landwirtschaftlicher Böden effektiver und vor allem nachhaltiger gestalten können,“ so Schloter. Der Nachweis der Thaumarcheen gelang direkt aus Umweltproben über ein am Helmholtz Zentrum München etabliertes hochspezifisches Sequenzierverfahren, denn im Labor können die Bakterien kaum kultiviert werden.
    Die Rolle der Archaeen bei der Ammoniumoxidation in Böden ist erst vor wenigen Jahren entdeckt worden (Leininger S. et al., Nature, 2006). An der Entdeckung hatte die von Michael Schloter geleitete Abteilung Umweltgenomik maßgeblichen Anteil. Anfang dieses Jahres war es Kollegen der Universität Wien schließlich gelungen, erstmals Ammonium-oxidierende Archaeen aus Böden zu isolieren. Die Sequenzierung der entsprechenden Isolate erfolgte durch die Abteilung Umweltgenomik (Thourna M. et al., PNAS, 2011).

    Weitere Informationen
    Hintergrund
    Bei der Nitrifikation wird Ammonium, das bei der Zersetzung von abgestorbener Biomasse entsteht, über Nitrit zu Nitrat oxidiert. Verschiedene Mikroorganismen sind an diesem Umsetzungsprozess beteiligt, neben Bakterien auch Archaeen. Der Prozess mobilisiert Stickstoff im Boden. Unter ungünstigen Bedingungen kann das gebildete Nitrat ins Grundwasser transportiert oder von Mikroorganismen in Lachgas umgewandelt werden, das dann als Treibhausgas zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt. Neben diesen negativen Folgen für die Umwelt steht als weitere Konsequenz weniger Stickstoff als Nährelement für das Pflanzenwachstum zur Verfügung.
    Autotrophe Organismen gewinnen Energie aus Licht oder aus der Oxidation anorganischer Moleküle. Heterotrophe Organismen sind zur Energiegewinnung auf organische Materialien angewiesen.

    Original-Publikation:
    Gubry-Rangin C. et al. (2011): Niche specialization of terrestrial archaeal ammonia oxidizers. PNAS early 2012 | DOI: 10.1073/pnas.1109000108
    Link zur Fachpublikation (http://www.pnas.org/content/early/2011/12/07/1109000108.abstract?etoc)
    Leininger S. et al. : (2006) : Archaea predominate among ammonia-oxidizing prokaryotes in soil. Nature 442(7104):806-9
    Thourna M. et al. (2011): Nitrososphaera viennensis, an ammonia oxidizing archaeon from soil, PNAS | DOI: doi/10.1073/pnas.1013488108

    Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 17 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 31.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de
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    Ansprechpartner für die Medien
    Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3946 - Fax: 089-3187-3324
    E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

    Fachlicher Ansprechpartner
    Prof. Dr. Michael Schloter, Abteilung Umweltgenomik, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2304 - Fax: 089-3187-2136 - E-Mail: schloter@helmholtz-muenchen.de


    Weitere Informationen:

    http://www.pnas.org/content/early/2011/12/07/1109000108.abstract?etoc
    http://www.helmholtz-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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