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02.01.2012 10:10

Transplantation: MHH-Studie zu lebenslänglich haltbaren Herzklappen

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    5,2 Millionen Euro von der Europäischen Union für ESPOIR-Studie

    Eine Herzklappe zu transplantieren, die nicht abgestoßen wird, ein Leben lang hält und bei Kindern sogar mitwächst – diesem Ziel widmet sich die Studie „European clinical study for the application of regenerative heart valves“ (ESPOIR), die am 1. Januar 2012 unter der Leitung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) startet. Die Europäische Union (EU) unterstützt das Vorhaben mit 5,2 Millionen Euro für vier Jahre. An der Studie nehmen außer der MHH sieben große europäische Kinderherzzentren teil. Insgesamt werden 200 Patienten behandelt. Die menschlichen Spenderklappen erhalten sie aus Gewebespenden im Rahmen dieser klinischen Studie von zwei gemeinnützigen Einrichtungen: der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation und der European Homograft Bank. Corlife, eine MHH-Ausgründung, prozessiert die Spenderklappen. Die Leibniz Universität Hannover kümmert sich um Administration und Organisation der Studie.

    Derzeit transplantieren Mediziner bei bestimmten Herzleiden mechanische beziehungsweise biologische Herzklappen. Mechanische Klappen erfordern eine dauerhafte Blutverdünnung, was vor allem bei Kindern und Schwangeren gefährlich ist. Deswegen verwenden Ärzte bei ihnen menschliche oder tierische Herzklappen. Diese degenerieren jedoch nach etwa acht bis zehn Jahren und machen eine erneute Transplantation erforderlich. Solche Reoperationen werden von Mal zu Mal gefährlicher, und das Risiko zu versterben erhöht sich proportional zu der Zahl wiederholter Eingriffe. Um diesem Problem zu begegnen, verwendet das Team um Professor Dr. Dr. Axel Haverich, Leiter der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG) und Koordinator von ESPOIR, bei dieser neuen Studie sogenannte dezellularisierte Homografts. Dies sind menschliche Spender-Herzklappen, deren Zellen in Speziallabors entfernt werden, so dass nur noch das Gerüst aus der Stützsubstanz Kollagen bleibt. Solche Homografts haben die Chirurgen im Laufe der vergangenen drei Jahre bereits erfolgreich 47 Kindern und Jugendlichen an der MHH implantiert. „Bisher wurde keine Klappe abgestoßen und es musste noch kein Patient reoperiert werden. Es spricht vieles dafür, dass diese Herzklappen wesentlich länger halten als bisherige Klappen, die nicht dezellularisiert wurden – und dafür, dass sie sogar mitwachsen. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Professor Haverich. Das will sein Team in dieser Studie belegen.

    Die Studie bezieht sich zunächst auf die Pulmonalklappe, durch die Blut vom rechten Herzen zur Lunge fließt. In Deutschland benötigen jedes Jahr 300 bis 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine neue Pulmonalklappe. Die in diese Studie einbezogenen Patienten stellen einen Querschnitt von Patienten mit angeborenen Herzfehlern dar, der häufigste Grund ist die Fallot’sche Tetralogie. Der Einschluss von Patienten in die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit einem unabhängigen, speziell für diese Studie gegründeten, internationalen Ethik-Komitee unter Beteiligung europäischer Patientenorganisationen.

    Weitere Informationen erhalten Sie von PD Dr. Samir Sarikouch, Telefon (0511) 532-5567, sarikouch.samir@mh-hannover.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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