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05.01.2012 10:35

ADHS-Studie am Dresdner Uniklinikum: Physiotherapie statt Psychopille?

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    In einer Vergleichsstudie wollen Ärzte und Wissenschaftler der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erstmals die Wirksamkeit unterschiedlicher Formen der Behandlung bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und motorischen Defiziten erforschen. In der groß angelegten Untersuchung werden die Effekte einer Physiotherapie mit der Gabe eines Medikaments oder eines Elterntrainings verglichen.

    Mit der Einschulung spitzt sich oft die Situation zu: Ohnehin hyperaktive oder impulsive Kinder können sich nicht in den Ablauf des Unterrichts integrieren. Sie träumen vor sich hin oder stören. Sie haben auch Schwierigkeiten, sich über eine längere Zeit zu konzentrieren und still zu sitzen. Bei Eltern und auch Lehrern drängt sich meist schon im ersten Schuljahr die Vermutung auf, dass die zappeligen, unausgeglichenen Kinder unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden könnten. Bei einem Drittel – so die Erfahrung der ADHS-Spezialisten der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums – bestätigt sich dieser Verdacht. Die Frage nach einer erfolgversprechenden Therapie löst oft große Kontroversen aus: Der Wirkstoff Methylphenidat, der unter anderem im Medikament „Ritalin“ enthalten ist, wird oft von Ärzten verschrieben, stößt als Psychostimulanzie jedoch auf die Skepsis von Eltern und auch einigen Medizinern.

    Motorische Defizite brandmarken ADHS-Kinder zusätzlich
    „Viele unserer Patienten fallen nicht nur durch ihre Zappeligkeit und ihre Konzentrationsschwächen auf, sondern haben auch große Probleme beim Schreiben oder anderen feinmotorischen Bewegungen wie dem Binden einer Schleife. Zusätzlich sind diese Kinder oft von Koordinationsproblemen betroffen, so dass sie sich beim Lernen komplexerer Bewegungsabläufe wie Ballwerfen und Fahrradfahren schwer tun. Sie bewegen sich verkrampft und sind verspannt. Dadurch werden sie noch mehr zu Außenseitern“, berichtet Sina Wanderer. Die Diplom-Psychologin gehört zu dem Behandlungsteam der Kinder- und Jugendpsychiatrie, das die ADHS-Patienten ambulant und tagesklinisch therapiert.

    Eine Behandlungsoption bei schwerwiegender ADHS ist die Gabe von methylphenidathaltigen Medikamenten. Nach den Beobachtungen der Ärzte und Therapeuten hat dieser Wirkstoff nicht nur den Effekt, dass die Kinder konzentrierter und weniger zappelig werden: Sie bewegen sich auch unverkrampfter und das Schreiben fällt ihnen leichter. Doch mit Ergo- und Physiotherapie stehen den Betroffenen Alternativen zur Verfügung: Die erfahrenen Therapeuten der Klinik bieten dazu ein spezielles physiotherapeutisches Programm an. Hier lernen die Kinder, ihren Körper besser wahrzunehmen. Mit diesem Wissen üben sie dann, Verkrampfungen und Spannungen besser abzubauen. Dazu kommt ein individuell zugeschnittenes, motorisches Training, bei dem die Betroffenen beispielsweise lernen, eine Schleife zu binden. Mit Hilfe von gezielten Übungen mit Bällen und anderen Trainingsmitteln üben die Kinder ihre Bewegungen besser zu koordinieren.

    Da die Wirksamkeit von physiotherapeutischen Programmen bei Kindern mit ADHS und motorischen Beeinträchtigungen noch nicht hinreichend untersucht ist, wollen die Forscher unter den Bedingungen einer wissenschaftlichen Studie herausfinden, welche Fortschritte Kinder machen, die zwei Monate lang zweimal pro Woche jeweils 45 Minuten dieses physiotherapeutische Programm absolvieren. Die Ergebnisse werden verglichen mit den Verbesserungen in der Motorik als auch den Fortschritten in der Aufmerksamkeit, die sich bei ADHS-Patienten allein durch die Gabe des Methylphenidat-Medikaments einstellen, sowie bei einer dritten Patientengruppe, in der die Eltern im Umgang mit ihren oft sehr schwierigen Kindern geschult werden.

    An der Studie können Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren teilnehmen, die an ADHS leiden und zudem Probleme mit der Grob- und Feinmotorik haben. Sofern sie die von den Forschern gestellten Kriterien erfüllen, werden sie von den ADHS-Spezialisten der Kinder- und Jugendpsychiatrie ärztlich untersucht und diagnostischen Testverfahren – etwa zur Konzentrationsfähigkeit, Motorik und Intelligenz – unterzogen. Hinzu kommen therapeutische Gespräche und ein Auswertungsgespräch zusammen mit den Eltern.

    Es können allerdings nur solche Kinder an der Studie teilnehmen, deren Eltern auch damit einverstanden sind. Die Kinder müssen zu den Gesprächen beziehungsweise Tests von ihren Eltern begleitet werden.

    Kontakt für Patienten
    Die Anmeldung der Kinder zu der Studie muss über die Eltern erfolgen:
    Telefon: (0351) 458 71 68 oder
    E-Mail: kjpforschung@uniklinikum-dresden.de

    Kontakt für Journalisten
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
    Sina Wanderer
    Tel. 0351/ 4 58 71 68
    E-Mail: sina.wanderer@uniklinikum-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uniklinikum-dresden.de/kjp


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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