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03.02.2012 09:55

7. Post ASN-Meeting in Berlin

Dr. Bettina Albers Pressearbeit
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

    Das Post-ASN Meeting, das in diesem Jahr zum 7. Mal vom Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V. in Kooperation mit der American Society of Nephrology (ASN) und der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) veranstaltet wurde, bot an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Gelegenheit, sich über die wichtigsten Themen und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Jahreskongresses der amerikanischen Nephrologischen Gesellschaft in kompakter Weise zu informieren.

    Die in enger Zusammenarbeit mit der ASN ausgerichtete Fortbildung ist längst als feste Einrichtung etabliert und wurde von der ASN als einziger jährlich stattfindender Termin außerhalb der USA anerkannt. Der Erfolg des Konzepts zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sich das Annual Post-ASN Meeting zum Pilotprojekt für vergleichbare Veranstaltungen weltweit entwickelt hat. Nephrologen aus den USA und Deutschland präsentierten in Berlin in 6 Blöcken Daten zu nahezu jedem Gebiet der Nephrologie: von der klinischen Nephrologie, über glomeruläre Erkrankungen, Dialyse, akutes Nierenversagen, Bluthochdruck bis zur Transplantation. Die rege Nachfrage, auch unter Ärzten, die den amerikanischen Kongress selber besucht hatten, zeigt die Attraktivität des Konzeptes, einer konzentrierten Darstellung der ansonsten kaum zu überblickenden Datenfülle.

    Prof. Brad Rovin von der Ohio State University in Columbus, USA, eröffnete das Treffen mit einem Überblick über die glomerulären Erkrankungen. Schwerpunkte seines Vortrages waren die Identifikation möglicher serologischer Marker für die fokal-segmentale Glomerulosklerose, neue pathophysiologische Konzepte bezüglich der Entstehung der membranoproliferativen Glomerulonephritiden und Erfahrungen im Zusammenhang mit der EHEC-HUS Epidemie in Deutschland 2011. Bei letzterer bleibt der Stellenwert monoklonaler Antikörper in der Therapie weiter in der Diskussion. Es konnte gezeigt werden, dass sich die Nierenfunktion bei fast allen Patienten unabhängig von unterschiedlichen Therapieansätzen wieder normalisierte. Weiterhin wurden neue, noch experimentelle Konzepte zur Behandlung von membranöser Glomerulonephritis, Lupus Nephritis und diabetischer Nephropathie vorgestellt.

    Auf dem Gebiet der Transplantation wurden von Prof. Bernhard Krämer, Universitätsklinikum Mannheim, experimentelle Arbeiten zur Induktion von Immuntoleranz und Rejektionsprophylaxe vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Übersicht war die Bedeutung zirkulierender und neu gebildeter Anti-HLA-Antikörper für die Entwicklung von Abstoßungsreaktionen und die langfristige Transplantatfunktion. Von besonderem Interesse war auch eine große Untersuchung an über 16.000 älteren nierentransplantierten Patienten aus den USA, die insgesamt bestätigt, dass auch ältere Empfänger von einer Transplantation bezüglich ihrer Lebenserwartung profitieren, insbesondere wenn sie eine Lebendspende erhalten.

    Prof Dr. Jürgen Floege, Universitätsklinikum Aachen, berichtete aus dem Bereich „klinische Nephrologie“ über die Vorträge der Kidney Week in Philadelphia und ging zunächst noch einmal auf die Vorträge von Prof Dr. Hermann Haller (Hannover) und Prof Dr. Rolf Stahl (Hamburg) zum Thema EHEC-HUS Epidemie ein. Mit 852 Erkrankungsfällen innerhalb weniger Wochen stießen die betroffenen Kliniken an ihre Leistungsgrenzen. Mit epidemiologischen Methoden konnte das RKI ägyptische Sprossen als Überträger identifizieren, ohne dass je ein direkter Erregernachweis dort gelang. Der Verlauf der Erkrankung wurde durch neurologische Symptome dominiert, Thrombopenie und Urämie waren relativ schnell beherrschbar. Mit weniger als 4 % Todesfällen war der Ausbruch durch rasche Therapie und koordinierte Maßnahmen milder als in der Literatur beschrieben. Nach den jetzigen Erfahrungen müssen das Krankheitsbild und dessen Therapie neu beschrieben werden, da eine thrombotische Mikroangiopathie und Neurologie dominieren. Neu ist die Erkenntnis, dass eine rasche präemptive Antibiotikagabe gut wirksam ist. Plasmapheresen können zum Einsatz kommen, wenn die Neurologie im Vordergrund steht, prolongiert verabreichtes Eculizumab ist ebenfalls wirksam, Steroide zeigen keinen Effekt.

    Zum Thema Diabetes wird mit der Nachverfolgung der seit 1993 laufenden DCCT-Studie klar, dass eine intensivierte Therapie bei Typ I (HbA1C< 7 %) sinnvoll ist. Bei den oralen Antidiabetika schneidet bezüglich des GFR-Verlustes Sulfonylharnstoff schlechter ab als Metformin oder Rosiglitazon. Bei CKD 4 und 5 Patienten ist die Bestimmung von HbA1 nicht sehr hilfreich; es bieten sich glykolisierte Albumine oder Fructosamin als Alternative an, beide sind jedoch noch nicht in den Labors breit verfügbar.

    Zum Thema Antibiotika zeigen Untersuchungen, dass immer noch ca. 60 % aller Antibiotikagaben bei CKD-Patienten fehldosiert oder kontraindiziert sind. Bezüglich der renalen Azidose wurde berichtet, dass eine Obst und Gemüsereiche Kost bei CKD-4-Patienten den GFR Verlust besser verlangsamt als orales Bicarbonat, ohne dass es zu Hyperkalilämien kam.

    Zur arteriellen Hypertonie berichtete Prof. Dr. L. Christian Rump vom Universitätsklinikum Düsseldorf zu den neuen KDIGO-Guidelines: Der Ziel-Blutdruck wird danach unterschieden je nach Kombination mit Niereninsuffizienz, Albuminurie und Diabetes mellitus. Als First-Line-Therapie werden ACE-Hemmer oder AT1-Blocker empfohlen. Unabhängig von Albuminurie soll der Zielblutdruck bei Nierentransplantierten </= 130/80 mmHg angestrebt werden. Im Alter soll der Blutdruck nur bei o.g. Risikokonstellationen intensiver gesenkt werden.

    Ein Hauptthema war die Denervierung von Sympathikusfasern der Nierenarterien mittels Katheterablation. Australische und deutsche Untersuchungen zeigen, dass diese Methode bei therapieresistenter essentieller Hypertonie erfolgreich ist. Ausschlusskriterien waren sekundäre Hypertonieformen, insbesondere renovaskuläre Veränderungen und frühere Manipulationen an den Gefäßen. Es wurde gezeigt, dass der systolisch/diastolische Blutdruck nach 1 Monat um 20/10 mmHg und nach 24 Monaten um 35/15mmHg gesenkt werden konnte. Das Verfahren sollte nur unter Registerbedingungen in bestimmten Zentren zur Anwendung kommen, um die Nebenwirkungen insbesondere an den Nierenarterien verfolgen zu können.

    Mit dem Thema des adäquaten Zeitpunktes des Dialysebeginns eröffnete Prof. Louise Moist, University of Western Ontario Kanada, ihre Ausführungen zur Dialyse. Die Daten der IDEAL-Studie zeigen, dass mit einem früheren Beginn der Therapie nur höhere Kosten bei schlechterer Lebensqualität verbunden waren.

    Eine erhöhte Rate plötzlicher Herztodesfälle tritt vor allem in Verbindung mit dem langen Intervall im Rahmen der Hämodialyse auf. Modifikationen im Regime und in der Dialysatzusammensetzung (häufigere Dialyse, Dialysat-Kalium, -Bikarbonat, -Calcium) bieten sich hier an, insbesondere bei Patienten mit Neigungen zu Herzrhythmusstörungen. Mehrere Untersuchungen, die in den letzten Monaten publiziert wurden, belegen dies.

    Die ESA-Therapie der Anämie und die damit verbundenen Risiken werden weiter diskutiert; hier scheinen weniger die absolute Hb-Höhe, als eine übermäßig hohe oder schnell und mehrfach angepasste ESA-Dosis eine Rolle zu spielen. Die Frage der Indikation und des adäquaten Medikaments zur oralen Antikoagulation bei Dialyse-Patienten mit Vorhofflimmern ist weiter in der Diskussion.

    Prof. Ben Humphreys, Brigham and Women‘s Hospital Boston, diskutierte Studien zum akuten Nierenversagen. Epidemiologische und experimentelle Untersuchungen zeigen die Bedeutung des akuten Nierenversagens für die spätere Entwicklung einer terminalen Niereninsuffizienz und das umgekehrt erhöhte Risiko eines akuten Nierenversagens vorbestehender chronischer Niereninsuffizienz. Darüber hinaus wurden Studien zur frühen Identifikation eines akuten Nierenversagens mit Hilfe neuer Biomarker diskutiert, die sensitiver als die Bestimmung des Serumkreatinins sind. Zunehmend mehr Daten belegen eine signifikant schlechtere Prognose des akuten Nierenversagens bei exzessiver Flüssigkeitsüberladung, insbesondere, wenn sie über längere Zeit besteht.

    Insgesamt wurde die Veranstaltung von allen Teilnehmern, gerade auch von den amerikanischen Gästen, außergewöhnlich positiv bewertet und eine Neuauflage im kommenden Jahr zugesichert. Das 8. Annual Post ASN-Meeting findet am 26./27. Januar 2013 in Berlin statt.

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    Kontakt:
    Verband Deutsche Nierenzentren (DN) e.V.
    Öffentlichkeitsarbeit
    Charlotte Schrooten
    Immermannstr. 65 A
    40210 Düsseldorf

    Telefon 02 11 / 179 579 16
    Telefax 02 11 / 179 579 60

    schrooten@dnev.de


    Weitere Informationen:

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