idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
15.02.2012 10:29

DGE-Kongress 2012 in Mannheim: In-vitro-Maturation – Eizellen reifen sicher in der Petrischale

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    55. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – 7. bis 10. März 2012, Mannheim
    Mannheim – Nicht alle Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verkraften eine Hormonbehandlung im Rahmen einer künstlichen Befruchtung gut. Eine schonende Alternative bietet die In-vitro-Maturation (IVM): Die Eizellen reifen in der Petrischale heran. Dies hilft vor allem Frauen mit einem Polyzystischen Ovarialsyndom (PCO)-Syndrom, das mit Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit einhergeht. In-vitro-Maturation ist Thema eines Vortrags von Professor Dr. med. Thomas Strowitzki am 9. März 2012 beim 55. Symposium der DGE in Mannheim. Es ist auch eines der Themen der Pressekonferenz am 7. März 2012.

    Eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas, die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF), benötigt reife Eizellen. Der Arzt entnimmt diese bei einer Punktion durch die Scheide unter Ultraschallkontrolle aus dem Eierstock der Frau. Damit genügend Eizellen heranreifen, erhält die Frau zuvor eine Hormonbehandlung. Bei einigen Frauen reagieren die Eierstöcke jedoch zu stark. Sie entwickeln ein Überstimulationssyndrom mit Bauchschmerzen, Gewichtszunahme, Übelkeit und in schweren Fällen auch Atemnot. „Besonders gefährdet sind Frauen, die an einem PCO-Syndrom leiden oder bei denen es bei einer früheren In-vitro-Fertilisation schon einmal zu einem Überstimulationssyndrom gekommen ist“, berichtet Professor Thomas Strowitzki, Kongresspräsident des 55. Symposiums der DGE und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am Universitätsklinikum Heidelberg. Das PCO-Syndrom ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen in Europa. Experten schätzen, dass vier bis 12 Prozent betroffen sind. Leidet eine Frau an einem PCO-Syndrom, reifen gleichzeitig viele Eibläschen heran. Sie enthalten aber nicht immer reife Eizellen. Betroffene Frauen sind häufig unfruchtbar. Eine Hormonbehandlung fördert die Überproduktion der Eibläschen zusätzlich. „Die körperliche Belastung durch die Hormonbehandlung ist deutlich erhöht“, sagt Strowitzki.

    Dies könnte sich durch die In-vitro-Maturation ändern. Bei dieser Form der Reifung entnimmt der Arzt die Eizellen in einem noch unreifen Stadium. „Die letzte Phase der Maturation erfolgt dann in einer Petrischale im Labor“, erläutert Professor Strowitzki: „Für 24 Stunden befinden sich die Eizellen in einem speziellen Nährmedium, bevor sie mit einer Samenzelle befruchtet werden.“ Die IVM ermöglicht es, die Hormonbehandlung zu verkürzen. In einigen Fällen könne sogar ganz darauf verzichtet werden, sagt Professor Strowitzki. Den Frauen bleiben dann die Beschwerden eines Überstimulationssyndroms erspart.

    Bevor die IFM 2005 in Heidelberg und in Lübeck eingeführt wurde, bestand die Sorge, dass die beschleunigte Reifung im Labor zu Fehlbildungen beim Neugeborenen führen könnte, oder dass mehr Kinder mit Down-Syndrom oder anderen Chromosomenstörungen geboren würden. „Dafür liegen bisher weltweit keine Belege oder Hinweise vor“, versichert Professor Strowitzki. Auch in Heidelberg, mit bislang 250 IVM-Behandlungen derzeit das führende deutsche Zentrum, sind keine Störungen aufgetreten. Einige Kinder werden im Rahmen des Forschungsprojekts „Germ Cell Potential“ nach der Geburt weiter beobachtet. „Bis nach dem zweiten Geburtstag ist die Entwicklung der Kinder bis jetzt unauffällig“, berichtet Professor Strowitzki. Dies entspricht den internationalen Erfahrungen, die bisher keine Unterschiede zu anderen Kindern gefunden haben. Die IVM wurde bereits 1994 in Australien entwickelt. In anderen Ländern ist sie bereits länger im Einsatz als in Deutschland.

    Trotz der Sicherheit wird die IVM die konventionelle In-vitro-Fertilisation nicht ablösen, meint Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Denn leider ist die Schwangerschaftsrate hierbei niedriger“, so der Hormonspezialist aus Bochum. Die Heidelberger Gruppe hat ihre Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica veröffentlicht: Die ersten 177 Behandlungen führten in 27 Fällen zu einer Schwangerschaft, die 13 Mal erfolgreich ausgetragen wurde. Das ist deutlich weniger als bei der konventionellen In-vitro-Fertilisation. „Für die Mütter ist die Geburt ihres Kindes jedoch ein besonderes Glücksmoment“, weiß Professor Schatz: „Ohne IVM hätten viele von ihnen gar keine Chance gehabt, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.“

    Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

    Literatur:
    In vitro maturation: a five-year experience; Roesner S, Von Wolff M, Eberhardt I, Beuter-Winkler P, Toth B, Strowitzki T; Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica 2012; 91: 22-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21995801

    Terminhinweise:
    Vortrag von Professor Dr. med. Thomas Strowitzki, Heidelberg:
    “In vitro maturation of follicles and oocytes”
    Termin: Freitag, 9. März 2012, 15:55 bis 16:15 Uhr
    Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Saal Gustav Mahler, Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

    Pressekonferenz anlässlich des 55. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Termin: Mittwoch, 7. März 2012, 11:00 bis 12:00 Uhr
    Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum Franz Xaver Richter,
    Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

    Vorläufiges Programm:

    Leitung: Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE, emer. Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum

    Was ist Endokrinologie – Was sind ihre Aufgaben? Einführung in die Kongressthematik
    Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz
    Mediensprecher der DGE, emer. Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum

    Ohne Hormonstress zum Wunschkind: In-vitro-Maturation (IVM) – Eizellen für die künstliche Befruchtung in der Petrischale reifen lassen?
    Professor Dr. med. Thomas Strowitzki
    Tagungspräsident des 55. Symposiums der DGE, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Universitätsklinikum Heidelberg

    Blutzucker senken um jeden Preis? Wie sollten Patienten mit Diabetes mellitus nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen eingestellt sein?
    Professor Dr. med. Peter Nawroth
    Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I und Klinische Chemie, Universitätsklinikum Heidelberg

    Schützt Vitamin D außer vor Osteoporose und Sturzneigung auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Infekten, Alzheimer & Co?
    Professor Dr. Dr. med. Christian Kasperk
    Beiratsmitglied der Sektion Knochenstoffwechsel der DGE, Abteilung Innere Medizin I und Klinische Chemie, Leiter der Sektion Osteologie, Universitätsklinikum Heidelberg

    Schilddrüse und Fruchtbarkeit: Wie können Empfängnis und Schwangerschaft trotz Stoffwechselstörung normal verlaufen?
    Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel
    Vize-Präsidentin der DGE, Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Essen

    Sport und Hormone – Die Kehrseite der Medaille: Von Doping und Sportlermagersucht
    Privatdozentin Dr. med. Birgit Friedmann-Bette
    Oberärztin an der Abteilung Innere Medizin VII: Sportmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg

    sowie:

    Professor Dr. rer. nat. Jörg Gromoll
    Präsident der DGE, Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Universitätsklinikum Münster

    – Abdruck erwünscht, Beleg erbeten –

    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Anna Julia Voormann/Dagmar Arnold
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-380
    Telefax: 0711 8931-984
    E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
    www.endokrinologie.net
    www.dge2012.de.


    Weitere Informationen:

    http://www.dge2012.de/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).