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17.02.2012 09:34

UKL-Mediziner retten Frau vor dem Erfrieren

Kathrin Winkler Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Leipzig AöR

    Notfall- und Intensivmedizinern gelingt Wiederbelebung trotz massiver Unterkühlung

    Leipzig. Am Universitätsklinikum Leipzig kämpfen die Ärzte erfolgreich um die Rettung einer Frau vor dem Erfrieren. Trotz Kreislaufversagens und einer Körperkerntemperatur von nur 23 Grad gelingt im engen Zusammenspiel der Experten die Wiederbelebung. Nach sieben Tagen im künstlichen Koma ist die Patientin jetzt wach, stabil und ansprechbar.

    Noch muss die 56-jährige Leipzigerin weiter auf der Intensivstation des Universitätsklinikums versorgt werden. Doch die behandelnden Ärzte sind sehr zufrieden mit ihren Fortschritten. „Wir freuen uns sehr zu sehen, dass die Patientin nun vollständig wach ist und wieder selbstständig atmen kann“, so Professor Udo X. Kaisers, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKL. „Wenn sich ihr Zustand weiterhin so gut bessert, rechnen wir mit einer völligen Wiederherstellung ohne schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Das ist ein extrem seltener Fall und ein großes Glück für die Patientin.“

    Vor allem, da die Chancen auf ein Überleben bei der Einlieferung der Patientin im UKL alles andere als gut waren. Mit einer Körperkerntemperatur 14 Grad niedriger als normal und Herz-Kreislaufstillstand wird die Frau in die Notaufnahme des UKL eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt kann nur durch kontinuierliche Herz-Lungen-Wiederbelebung ein minimaler Kreislauf aufrechterhalten werden. „Bei Körperkern-temperaturen wie in diesem Fall sind sonst übliche Wiederbelebungsmaßnahmen unwirksam“, erklärt Prof. André Gries, Leiter der Zentralen Notfallaufnahme am UKL.
    Noch in der Notaufnahme erhält die Patientin unter laufender kardiopulmonaler Reanimation daher eine ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), mit der die Kreislauf- und Lungenfunktion ersetzt wird und mit der eine Wiedererwärmung der Patientin möglich wird. Mit diesem Verfahren beginnen die Ärzte eine langsame Aufwärmung. In dieser Zeit und an den folgenden Tagen bleibt die Patientin im künstlichen Koma. Nach sechs Tagen zeigt sich, dass der Kampf erfolgreich war. Vermutlich werden selbst die mäßigen Erfrierungen der Patientin weitgehend folgenlos ausheilen.

    Zu verdanken ist dies vor allem dem engen und schnellen Zusammenspiel der Fachexperten. „Die Rettungskette zwischen Rettungsdienst, Notfallaufnahme und Intensivmedizin hat hervorragend funktioniert“, so Prof. Kaisers. „Durch rechtszeitige Voranmeldung der Patientin in der Zentralen Notaufnahme standen wir alle bereits bei Ankunft der Patientin bereit.“
    Die Patientin hatte Glück im Unglück – vermutlich trat der Kreislaufstillstand erst ein, als sie vom Rettungsdienst gefunden wurde und bewegt werden musste. Deren beherzte Entscheidung, die Wiederbelebung sofort zu beginnen, rettete ihr das Leben. Das ist nicht selbstverständlich, denn oft erscheinen stark unterkühlte Patienten völlig leblos.
    „Die Patientin hatte mehrere Stunden im Freien verbracht, bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich“, erklärt Prof. Gries. “Dieser Fall zeigt, dass gerade auch in Fällen extremer Unterkühlung professionelle Hilfe durch den Rettungsdienst notwendig ist und die Patienten in ein Zentrum mit den Möglichkeiten des Universitätsklinikums gebracht werden müssen“, so Gries.
    „Die sofortige extrakorporale Kreislaufunterstützung von extrem unterkühlten Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand ist die einzige erfolgversprechende therapeutische Option zur Rettung“, betont Prof. Kaisers. “Diese steht aber nur an wenigen Zentren wie dem UKL zur Verfügung.“

    Helena Reinhardt

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Udo X. Kaisers
    Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin,
    Universitätsklinikum Leipzig A.ö.R.
    Telefon: (03 41) 97 – 1 77 00
    E-Mail: udo.kaisers@uniklinik-leipzig.de

    Prof. Dr. André Gries
    Leiter der Zentralen Notfallaufnahme,
    Universitätsklinikum Leipzig A.ö.R.
    Telefon: (03 41) 97 – 1 79 68
    E-Mail: andre.gries@uniklinik-leipzig.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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