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21.02.2012 10:01

Mit Trauma-Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche schließt Uniklinikum Dresden Versorgungslücke

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Die „Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche mit Traumafolgestörungen“ an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden bietet Betroffenen eine hochqualifizierte Diagnostik und Therapie nach traumatisierenden Erlebnissen. Damit schließt die Dresdner Hochschulmedizin im Gebiet der Landesdirektion Dresden eine Lücke in der Versorgung von Patienten, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

    Leiterin der Spezialambulanz ist die Psychologin und Psychotherapeutin Claudia Schneider, die seit neun Jahren mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeitet – unter anderem auch in Afghanistan, Brasilien und Sri Lanka. Um Diagnostik und Therapie weiter zu verbessern, initiierte Claudia Schneider in Dresden eine Studie zu „kognitiven Faktoren der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Jugendlichen nach körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch“.

    Etwa jeder 100. Deutsche erlebt als Kind oder Jugendlicher ein traumatisches Ereignis. Von den Betroffenen entwickeln etwa zwei Prozent eine behandlungsbedürftige posttraumatische Belastungsstörung. „Gerade bei Kindern fallen die Reaktionen auf Traumata sehr unterschiedlich aus. – Das können Trennungsängste, Aggressivität, Alpträume oder selbstverletztende Verhaltensweisen sein, die auch viele Wochen oder Monate nach einem traumatischen Erlebnis noch auftreten können. Oft wird der Zusammenhang mit einem traumatisierenden Ereignis deshalb nicht gleich erkannt“, sagt Prof. Veit Rößner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Jugendlichen dagegen ist der Zusammenhang zwischen ihren Problemen und den Erlebnissen häufiger bewusst, so dass sie teilweise eigenständig therapeutische Hilfe suchen. Auslöser für die Belastungsstörungen sind vor allem sexuelle und andere körperliche Gewalt, aber auch schwere Unfälle, eigene lebensbedrohliche Erkrankungen wie Krebs oder der Verlust von Angehörigen.

    Wie wichtig es ist, etwas gegen die seelische Belastung zu unternehmen, zeigen mögliche Begleiterkrankungen der Psyche. Dazu gehören unter anderem Depressionen. „Viele Kinder kommen zu uns und sagen: ‚Ich will das vergessen!‘ Doch es kommt vielmehr darauf an, mit dem Erlebten umzugehen“, erläutert die Traumatherapeutin. Unbehandelt sorgen die schlimmen Erinnerungen auch dafür, dass es zu körperlichen Symptomen wie Zittern, Unruhe oder Schmerzen kommt. Typisch sind zudem Vermeidungsstrategien: Orten, Personen, Gegenständen, Gedanken oder Gesprächen zu bestimmten Themen wird aus dem Weg gegangen. Das kann den Alltag eines Betroffenen deutlich einschränken. Trotzdem haben vor allem traumatisierte Kinder eine hohe Hemmschwelle, darüber zu sprechen und professionelle Hilfe anzunehmen.

    „Ziel der Traumatherapie ist es, dass Patienten ihren Erinnerungen nicht mehr so stark ausgeliefert sind“, sagt Claudia Schneider. Wie dies auf Betroffene wirkt, erklärt die Leiterin der Spezialambulanz den Kindern so: Wenn man seine Sachen einfach durcheinander in den Schrank stopft und später die Tür wieder aufmacht, purzelt alles wahllos wieder heraus. „Wir arbeiten mit unseren Patienten daran, diesen Mechanismus der unsortierten, unwillkürlichen Erinnerungen zu durchbrechen.“ formuliert die Psychologin den Schwerpunkt der Therapie. In einem ersten Schritt ist es dabei wichtig, dass der Betroffene die Situationen und Trigger versteht, die bei ihm traumabedingte Ängste und Reaktionen auslösen. Danach geht es darum, den Patienten psychisch zu stabilisieren, damit er sich intensiver mit seiner Traumatisierung auseinandersetzen kann.

    In einem weiteren Behandlungsschritt gehen Patient und Therapeut das traumatische Erlebnis immer wieder durch, wobei neben Ängsten und depressiven Gedanken auch Schuld- und Schamgefühle bearbeitet werden. Wie gut und schnell sich Kinder und Jugendliche von den Folgen eines Traumas befreien können, hängt auch von persönlichen Faktoren ab, zu denen ein gestärktes Selbstbewusstsein, Intelligenz und ein intaktes familiäres Umfeld gehören. Da unbehandelt ein hohes Risiko einer Chronifizierung besteht, ist das diagnostische und therapeutische Angebot der neuen Spezialambulanz von großer Bedeutung. Bisherige Rückmeldungen von Eltern sowie betroffenen Kindern und Jugendlichen ergaben, dass die sofortige Hilfe durch die Traumaambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Dresdner Uniklinikums als sehr entlastend erlebt wird.

    Kontakt
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
    Direktor: Prof. Veit Rößner
    Tel. 0351/ 4 58 22 44
    E-Mail: kjpchefsekretariat@uniklinikum-dresden.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uniklinikum-dresden.de/kjp
    http://www.kjp-dresden.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Organisatorisches
    Deutsch


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