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24.02.2012 13:36

Prostatakrebs: Wie aggressiv der Tumor ist, lässt sich an seinen microRNAs ablesen

Sylvia Kloberdanz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wilhelm Sander-Stiftung

    Kleine Regulatormoleküle, die microRNAs, scheinen einen relevanten Einfluss auf die Aggressivität des Prostatakarzinoms zu haben. Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Klinik für Urologie und der Institute für Pathologie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Universität Rostock in Kooperation mit dem Berliner Forschungsinstitut für Urologie führt derzeit eine umfangreiche Analyse der microRNAs im Prostatakrebs durch. Ziel des Projektes ist es, das Wachstumsverhalten dieses Tumortyps besser vorhersagen und damit den Patienten in Zukunft eine maßgeschneiderte Therapie ihrer Krebserkrankung anbieten zu können.

    Das Prostatakarzinom, die Krebserkrankung der Vorsteherdrüse, ist in der westlichen Welt die häufigste bösartige Erkrankung des Mannes und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Eine Besonderheit dieses Tumors ist sein individuell sehr unterschiedliches biologisches Verhalten. Dieses reicht von relativ harmlosen Tumoren, die lediglich einer regelmäßigen Beobachtung bedürfen, bis zu hochaggressiven Tumorformen, die einer radikalen Operation oder einer Strahlentherapie zugeführt werden müssen und dennoch oft nicht geheilt werden können. Klinische Untersuchungen und feingewebliche mikroskopische Analysen können die Aggressivität eines Tumors zwar bis zu einem gewissen Grad vorhersagen, im Einzelfall bleibt jedoch oft eine Unsicherheit bezüglich der optimalen Therapieform. Die Hoffnung zur besseren Vorhersage des biologischen Verhaltens des Prostatakarzinoms setzt nun auf neue, molekulare Marker dieses Tumors.

    MicroRNAs sind kurze Sequenzen des menschlichen Erbmaterials, die an der Regulation der Genaktivität beteiligt sind. Bisher wurden etwa 1.000 verschiedene Formen entdeckt. Untersuchungen mehrerer Arbeitsgruppen haben ergeben, dass microRNAs auch wesentlich an der gestörten Genregulation in menschlichen Tumoren beteiligt sind. Dabei lassen sich microRNAs, die die Tumorentstehung eher unterdrücken, von solchen unterscheiden, die Tumorentstehung und -Wachstum fördern. MicroRNAs sind in Tumorgewebe und Normalgewebe deshalb unterschiedlich stark vertreten. Die Berliner Arbeitsgruppe konnte bereits zeigen, dass bestimmte Expressionsmuster von microRNAs in urologischen Tumoren wiederkehren und mit dem biologischen Verhalten des Karzinoms in Zusammenhang stehen.

    Die Wissenschaftler wollen nun eine größere Zahl von Prostatatumoren, die durch eine Operation entfernt wurden, auf ihr spezifisches microRNA-Profil untersuchen. Die Analysen der microRNAs nehmen die Forscher an archiviertem Gewebe vor, welches von Patienten im Rahmen von routinemäßige Kontrollen zur Verfügung gestellt worden ist.

    Die Forscherteams um die Professoren Jung und Erbersdobler vergleichen die microRNA-Profile aus Gewebeproben von Patienten, die innerhalb von zwei Jahren nach der operativen Prostataentfernung bereits ein Wiederauftreten des Tumors erlitten mit Patienten die mindestens fünf Jahre keinen neuen Tumor entwickelt haben. Die Studie gliedert sich dabei in eine Identifizierungsphase, in der die relevanten microRNAs gefunden werden sollen, eine Validierungsphase, in der die Ergebnisse an einem größeren Kollektiv überprüft werden, und eine Verifizierungsphase, in der die gewonnenen Erkenntnisse an einem Kollektiv eines anderen Klinikums bestätigt werden sollen.

    In einer statistischen Auswertung überprüfen die Forscher ihre Ergebnisse auf deren Vorhersagekraft und arbeiten diese gegebenenfalls in bereits bestehende Vorhersagemodelle ein. „Wir hoffen, dass mit den gefundenen microRNA-Profilen die Aggressivität von Prostatakarzinomen in Zukunft besser eingeschätzt und den Patienten damit eine auf das individuelle Risiko maßgeschneiderte Therapie angeboten werden kann“, resümiert Professor Jung

    Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 200.000 Euro.
    Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

    Kontakt (Projektleitung):
    Prof. Dr. med. Klaus Jung
    Klinik für Urologie, Forschungsabteilung
    Charité - Universitätsmedizin Berlin
    Berliner Forschungsinstitut für Urologie
    E-Mail: klaus.jung@charite.de

    Weitere Mitglieder der Forschergruppe
    Andreas Erbersdobler, Ordinarius für Pathologie an der Universität Rostock (Andreas.erbersdobler@med.uni-rostock)
    PD Dr. med. Carsten Stephan (carsten.stephan@charite.de)
    Dr. rer. nat. Annika Fendler (annika.fendler@mdc-berlin.de)

    Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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