idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
29.02.2012 10:04

Was schädigt die Synapsen bei Alzheimer?

Daniel Bayer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

    Prof. Jochen Herms, neuer Arbeitsgruppenleiter am DZNE und Lehrstuhlinhaber an der LMU, untersucht mit hochentwickelten Mikroskopiemethoden die zellulären Grundlagen neurodegenerativer Erkrankungen.

    Der Untergang der Synapsen – der Kontaktstellen zwischen Nervenzellen – gilt als die zentrale Ursache für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Prionerkrankungen oder Parkinson. Warum Synapsen degenerieren und was man dagegen tun kann, untersucht Prof. Jochen Herms in seiner neuen Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort München. Herms ist zusätzlich Inhaber des Lehrstuhls "Translationale Forschung auf dem Gebiet der Neurodegeneration" an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

    Welche Proteine sind an der Schädigung der Synapsen beteiligt? Welche zellulären Veränderungen spielen eine Rolle und welche Wirkstoffe könnten dem Untergang entgegenwirken? Um diese Fragen zu beantworten haben sich Herms und seine Kollegen auf die in vivo Zweiphotonenmikroskopie spezialisiert. Mit diesem Verfahren lassen sich strukturelle Veränderungen an den Synapsen im Gehirn der Maus über Wochen bis Monate hinweg zu verfolgen. "Das ist sehr viel sensitiver, als das Verhalten von Tieren zu beobachten und es lassen sich auch besser Rückschlüsse auf den Menschen ziehen – zumindest wenn man von einer primär synaptischen Störung als Ursache neurodegenerativer Erkrankungen ausgeht", erklärt Herms.

    Schlagzeilen machte Herms mit einem Ansatz zur Entwicklung einer neuen Methode zur Alzheimer-Früherkennung bzw. Therapiekontrolle. Mit dieser Methode sollen Tau-Aggregate, die sich bei Alzheimer im zentralen Nervensystem anreichern, in der Netzhaut des Auges nachgewiesen werden. Noch testen die Wissenschaftler die Methode im Tiermodell. Lässt sich das Verfahren auf den Menschen übertragen, wäre es möglich, neue diagnostische Verfahren für die Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. "Eine Früherkennung ist gerade bei Alzheimer sehr wichtig, denn die Krankheit beginnt schon lange, bevor die ersten Symptome auftauchen. Dass es noch nicht gelungen ist, eine wirksame Therapie gegen Alzheimer zu etablieren, liegt vermutlich auch daran, dass in den bisherigen klinischen Studien mit der Therapie zu spät begonnen wurde", erklärt Herms.

    Über seine Berufung ans DZNE freut sich Herms sehr. "Wir kommen in der Alzheimerforschung nur weiter, wenn wir gängige Hypothesen kritisch hinterfragen und neue Hypothesen entwickeln. Die starke Unterstützung, die wir am DZNE bekommen, und die kritische Masse an Wissenschaftlern am DZNE gibt uns dazu das richtige Forschungsumfeld", sagt er. Am DZNE wird sich der Neuropathologe ganz auf die Grundlagenforschung konzentrieren. Sein medizinischer Hintergrund und sein neuropathologisches Wissen sind für seine Forschung ein wesentlicher Vorteil: "Ein genaues Bild von der Erkrankung beim Menschen hilft mir sehr, die Relevanz bestimmter Beobachtungen im Tiermodell besser einschätzen zu können", sagt Herms.

    Jochen Herms studierte Medizin, promovierte an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und arbeite am anschließend am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen im Labor von Otto Creutzfeldt. 1999 schloss er die Facharztausbildung zum Neuropathologen ab, wurde leitender Oberarzt und habilitierte über die Funktion des Prionproteins in Neuronen an der Universität Göttingen. Seit 2001 lehrt er als Professor für Neuropathologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und folgte 2011 einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Translationale Forschung auf dem Gebiet der Neurodegeneration an der Universität München und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Standort München.

    Kontaktinformation:
    Prof. Dr. Jochen Herms
    Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
    c/o Ludwig-Maximilians-Universität München
    Zentrum für Neuropathologie
    Feodor-Lynen Str. 23
    81377 München
    Tel.: +49 (0) 89 / 2180-78010
    Email: jochen.herms(at)dzne.de

    Daniel Bayer
    Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Tel: +49 (0) 228 43302 /263
    Email: daniel.bayer(at)dzne.de


    Weitere Informationen:

    http://bit.ly/arbeitsgruppe_herms Homepage der Forschungsgruppe von Prof. Herms


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).