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27.03.2012 16:01

Wenn extreme Schüchternheit das Leben schwer macht

Dr. Annette Tuffs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

    Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg prüft Therapien bei Sozialen Ängsten im Jugendalter / Studienteilnehmer im Alter zwischen 14 und 20 Jahren gesucht

    Wem der Kontakt mit anderen Angst einflößt, wer ständig fürchtet, sich zu blamieren, der leidet unter „sozialer Phobie“. Diese Angsterkrankung ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Um betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Zukunft gezielt helfen zu können, vergleichen Psychologen der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg sowie der Universitätskliniken Göttingen, Frankfurt und München im Rahmen einer Studie (SophoYou) die Wirksamkeit zweier psychotherapeutischer Behandlungskonzepte. Dafür suchen sie noch Studienteilnehmer im Alter von 14 bis 20 Jahren.

    Schlechter Schulabschluss und soziale Isolation können die Folgen sein

    Laut einer Studie der Universität Frankfurt, die 600 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 20 Jahren einschloss, leidet mehr als jeder zehnte Jugendliche unter einer sozialen Phobie. Betroffene fürchten, dass sie in Gesellschaft anderer etwas Peinliches oder Beschämendes sagen oder tun könnten. Als besonders bedrohlich empfinden sie Situationen, in denen sie – wie bei mündlichen Prüfungen, Referaten oder Bewerbungsgesprächen – einer direkten Beurteilung ausgesetzt sind. Die gefürchteten Situationen rufen fast immer eine unmittelbare Angstreaktion hervor – etwa Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder Übelkeit. Obwohl die Jugendlichen meist erkennen, dass die Angst übertrieben oder unbegründet ist, versuchen sie, die Auslöser zu meiden.

    Die soziale Phobie verläuft unbehandelt meist chronisch und hat starke Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg: Betroffene Schüler fehlen häufig in der Schule und beteiligen sich nur wenig am Unterricht. In der Folge machen viele einen schlechteren Schulabschluss, als nach ihrem Intellekt zu erwarten wäre. Typisch ist auch, dass sie Berufswünsche aufgeben, wenn Ausbildung, Studium oder Beruf z.B. häufigen Kontakt mit fremden Menschen oder Vorträge mit sich bringen. Zudem tun sich Betroffene schwer beim Aufbau sozialer Beziehungen: Das Ansprechen eines unbekannten Menschen, selbst ein einfaches „Hallo“ können unüberwindliche Hindernisse darstellen. Dies leistet ihrer sozialen Isolation Vorschub.

    Therapien bei Erwachsenen bewährt
     
    Beide Behandlungskonzepte, die die Heidelberger Wissenschaftler um Projektleiter Professor Dr. Klaus-Thomas Kronmüller, Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie (Ärztliche Direktorin: Professor Dr. Sabine Herpertz) untersuchen, haben sich bei Erwachsenen mit sozialer Phobie bereits bewährt. Nun soll die multizentrische Studie zeigen, ob die Therapieansätze bei Jugendlichen ebenso wirksam sind. „Mit einer früher einsetzenden Behandlung wollen wir verhindern, dass Berufslaufbahn und private Beziehungen unter den sozialen Ängsten leiden“, erklärt Professor Kronmüller. Ziel der Therapien ist es, den betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu mehr Selbstsicherheit in Schule, Studium, Ausbildung und Beziehungen zu verhelfen.

    Die Studienteilnehmer erhalten jeweils eine Einzeltherapie mit 25 Sitzungen in einem Zeitraum von etwa sechs Monaten. Teilnehmen kann, wer zwischen 14 und 20 Jahren alt ist, an sozialen Ängsten leidet und sich aktuell nicht in einer psychotherapeutischen oder medikamentösen Behandlung befindet. Das Studienzentrum befindet sich im Dachgeschoss des Gebäudes Voßstraße 2 im Heidelberger Stadtteil Bergheim.

    Weitere Informationen im Internet:
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/SophoYou-Soziale-Phobie-bei-Jugendlichen.115046.0.html?&FS=0&L=

    Kontakt:
    Dr. Dipl.-Psych. Annette Stefini
    Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg
    Tel: 06221 / 56 59 38
    E-Mail: annette.stefini@med.uni-heidelberg.de

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
    Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
    Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

    Bei Rückfragen von Journalisten:
    Julia Bird
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
    und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 / 56 70 71
    Fax: 06221 / 56 45 44
    E-Mail: julia.bird(at)med.uni-heidelberg.de

    Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

    35 / 2012


    Weitere Informationen:

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/SophoYou-Soziale-Phobie-bei-Jugendlichen.1...=


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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